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Periodical volume 22. Dezember 1915

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1915

Sitzung am 22 Dezember 1915 1 5 5 *
Lieferung von Schweinen etw as geringer ist, wir um  H errn  V orredners  im Z usam m enhang  zu stehen 
so m ehr  m it  unserm Gefrierfleisch einsetzen. scheint. M e ine  Köchin erzählte m i r  nämlich, daß sie 
M e in e  H erren , d as  ist das  M ate r ie l le ,  >vas id selbst auch einen Ohnm achtsansall  einer F r a u  m ite r­
I h n e n  über  die F r a g e  der Z u f u h r  von  L ebensm itte ln  lebt habe. Dieser O hnm achtsanfall  ereignete sich am  
m it te i len  kann. N u n  komme ich auf  die F rage ,  die Schlüsse einer langen Kette —  wie sie ja allen H e r ­
der H e r r  V orredner  im  wesentlichem berührt  hot, d. H. ren bekannt ist —  von F ra u e n ,  die vor  den B u tte r-  
auf  die F a g e  der V e r t e i l u n g .  I c h  habe das  läden w arten , und  cs t r a t  der merkwürdige Zufall  
erstere absichtlich vorweggenomm en; denn, meine ein. daß a u s  der Tasche dieser F r a u  nicht weniger 
H erre n ;  wo nichts zu verteilen ist, h ilf t  die beste V er­ a ls  sechs V ierte lpfunde B u t t e r  herauskullerten, w o r ­
teilung nichts! a u s  klar hervorgeht, daß  die F r a u  eben im  Begriffe war, sich zum  siebenten M a le  hin ten  anzustellen und 
zum siebenten M ale  das  ih r  zukommende V ier te l­
( S e h r  richtig!) pfund B u t te r  in diesem Laden entgegenzunehmen.
Also in  erster L in ie  m u ß  da fü r  gesorgt werden, (Widerspruch und  Z u ru fe  bei den Soz ia ldem okra ten .)
das; überhaup t  e tw as da ist, und daraus  haben, w ir  
natürlich  —  und  d a s  must im m er  beton t werden —- 
n u r  einen sehr beschränkten E in f lu ß .  In sbesondere  Also diesen O hnm achtsanfa l l  könnte m a n  eventuell 
ist es ganz ausgeschlossen und  must stets ausgeschlos­ auch gegen die Auffassung des H e r rn  V o rredn e rs  
sen b le ib e n , daß die einzelnen S t ä d t e  in  ei­ ausbeuten .
nen Konkurrenzkampf u m  irgendwo vorhandene N a h ­ N u n  möchte ich noch einen P u n k t  erwähnen, den 
run gsm it te l  ein tre ten, wodurch die Gesamtlage n a ­ der H e r r  V o rredn e r  auch zu r  S prache  gebracht hat, 
türlich n u r  verschlechtert werden kann. um  ihm  ein entschiedenes D e m e n t i  entgegenzusetzen. 
M e in e  Herren, w a s  also die V e r t e i l u n g s ­ E r  ha t  mitgeteil t,  daß  ihm  irgend ein M a g i s t r a t s ­
f r a g e  anbetriff t ,  so steht heute in  erster L in ie  die vertre ter  —  ich weist nicht, weit er m e in t ;  jedenfalls 
sogenannte B u tterkarte  zu r  Diskussion, über die sich habe ich festgestellt, daß  der M a g is tra tsdez e rnen t  nicht 
ja auch der H e r r  V orredn e r  verbreitet hat. W ie man in  F ra g e  kommt —  gesagt hätte , daß  die Geschäfts­
n u n  auch diese K ar te  ausgesta lten  mag, - d a s  allei­ stellen der K onsumvereine bei dem Verkauf städtischer 
nige H eil wird  von ihr nicht erw arte t  werden können. N a h ru n g s m i t te l  ausgeschlossen w ürden . D a v o n  ist 
I c h  must bekennen, das; ich Persönlich der B utterkartc  keine R ede ;  d a s  ist nicht so gewesen und  w ird  auch 
recht skeptisch gegenüberstehe; denn ich glaube nicht, nicht so sein. Auch die Tatsache, daß  Konsumvereine 
daß  die Miststände, die w ir  unum w unden  zugeben, nach dem Genossenschaftsgejetz n u r  a n  M itg l iede r  
durch eine Butterkarte  wesentlich behoben werden verkaufen dürfen, kann u n s  nicht bestimmen; denn 
können. I c h  gebe über andererseits zu, das; sie ge­ diese F ra g e  spielt hierbei keine R olle . I c h  kann 
rade bei dem von  m ir  schon betonten psychologischen I h n e n  nochmals versichern, H e r r  Kollege Wilk,, daß  
M o m e n t ,  das  in der ganzen N ah run gsm it te lf ra ge  die von einem Ausschluß keine R ede ist und keine Rede 
Bevölkerung beherrscht, u n te r  Umstanden ein erw ä­ sein w ird .
gensw erter Versuch ist, und  in dieser Beziehung M eine  H erren , gestatten S i e  m ir  zum Sch luß  
stimme ich. b is  zu einem gewissen G rade  dem H errn  noch eine allgemeine Bemerkung. W i r  stehen in  dem 
V orredner  zu. Diese F ra g e  ist aber so geartet, daß schwersten und  größten  K am pf, den die Weltgeschichte 
w ir  sie nicht innerha lb  unseres S tad tb ez irk s  C h a r ­ kennt, und dieser K a m p f  zeichnet sich vor  allen 
lottenburg lösen können; denn darüber , glaube ich. Kriegen, die w ir  oder die andere S t a a t e n  b isher  ge­
sind w ir  alle einig: eine B u tte rkar te ,  sei es n u n  ein führt  haben, durch einen M o m e n t  a u s ,  d a s  fü r  diesen 
Bezugsschein, der wohl ü berhaup t  nicht in  F rage  K rieg  charakteristisch ist: dieser K rieg  w ird  nicht n u r  
kommen samt, oder sei es eine sogenannte S p e r r -  oder militärisch und  vielleicht nicht e inm al  vorwiegend 
M axim alkar te ,  kartn n u r  a u s  den  B u tterverfo rgungs-  militärisch, sondern er w ird  w i r t s c h a f t l i c h  e n t ­
bezirk G ro ß -B e r l in  ausgedehnt werden. W i r  können schieden. D a s  ist eine B insenw ahrhei t .  A ber e tw as, 
in dieser Beziehung nicht m i t  Sünderin teressen  vor­ w a s  leider keine B insenw ahrhe i t  zu sein scheint, und  
gehen, weil w ir  dadurch die Allgemeinheit schädigen w a s  nach meinem G efüh l  im m er noch nicht zum 
und indirekt auch u n s  selbst schädigen w ürden . vollen V ers tä nd n is  im Volke durchgedrungen ist, ist 
M e ine  H erren , w a s  die Miststände vor  den L ä ­ d a s  innige Verstehen derjenigen, die d ra uß en  kämp- 
den betrifft, so sind w i r  augenblicklich n u r  schwer in  ’en, und  derjenigen, die hier d rinnen , ich darf  auch 
der Lage, hier Abhilfe zu schaffen. O b  die B u tte r-  wohl sagen, kämpfen. Dieses innige Verstehen scheint 
karte geeignet fein w ird , u n s  d a  zu helfen, scheint m i r  m i r  leider noch nicht so vorhanden  zu sein, wie es 
zweifelhaft; denn auch hier wird ja doch der  A u s w e is  vorhanden  sein müßte .
nicht verhindern , das; sich die Bevölkerung, die ja 
weist, das; die B u t t e r  trotz dieses Ausweises knapp ( S e h r  richtig!)
ist, zu den Läden  d räng t .  Dieses M o m e n t  werden 
w ir  also auch durch eine B u tte rkar te  nicht ausschei­
den. W ir  werden vielleicht verhindern , Ions sich jetzt W i r  sind d raußen  und  d rinnen  eine wirtschaftliche 
zeigt, das; E inze lne  in  g rößerem Um fange B u t te r  E inhe i t ,
beziehen, indem sie imm er wieder zu den Läden h in ­ ( S e h r  richtig!)
laufen. D a ra u f  beruhen auch im wesentlichen die 
Miststände, von denen 'der H e r r  V orredner  gesprochen und  w ir  müssen unser ganzes wirtschaftliches Verhalten  
hat. nicht n u r  nach den Verhältnissen hier bei uns ,  sondern 
M e in e  Herren, ich bin zufällig heute in der Lage sehr wesentlich auch nach den Zuständen, die d raußen  
gegwesen, von  einer einwandfreien  S to l le ,  nämlich von im  Felde herrschen, einrichten.
meiner Köchin, einen ganz interessanten F a l l  zu hö­
ren, der m it  der ohnmächtig gewordenen F r a u  des ( S e h r  richtig!)
        
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