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Periodical volume 22. Dezember 1915

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1915

1 5 0  Sitzung am 22. Dezember 1915
Deputation darauf sehen sollte, daß sie noch um W ir kommen zu Punkt 4 der Tagesordnung: 
einige weitere Mitglieder aus anderen Kreisen ver­ Bericht des Ausschusses über die Vorlage betr. B e­
stärkt würde. Die vorgeschlagenen Herren, gegen die schaffung von selbstfahrenden Lastwagen und S traß en ­
wir auch nichts einzuwenden haben, sind als beson­ waschmaschinen für den Betrieb der Straßenrein i­
ders Sachverständige in Frage gekommen, und zwar gung. —  Drucksachen 176, 182.
sind sie sämtlich Vertreter von gewerbetreibenden 
Gruppen. Nun ist ja an ihrem Sachverständnis ge­ Berichterstatter S tad tv . Bergm ann: Meine
wiß nichts auszusehen. Aber es handelt sich für diese Herren! Der Wichtigkeit dieser Vorlage entsprechend, 
Deputation nicht allein um Sachkunde, sondern auch war, ebenso wie im Plenum , auch im Ausschüsse die 
um In itia tiv e  und energisches Vorgehen. Ich möchte Debatte recht lebhaft und eingehend. W ir waren uns 
deshalb anregen, daß die Deputation dahin wirkte, darüber klar, daß dieser Vorlage, wenn sie ange- 
auch noch einige besondere sachverständige Vertreter nomen wird. eine weitere, wenn auch erst in spä­
aus den Kreisen der K o n s u m e n t e n  zuzuziehen. terer Zeit, folgen muß, daß heißt eine Verstadt­
W ir haben den Kriegsausschuß für Konsumenteninter­ lichung des Betriebes, der noch nicht in eigener 
essen, wir haben die"Konsumgenossenschaft für Berlin Regie ist.
und Umgegend und noch andere Konsumentcnorgani- Im  Ausschuß traten zwei Strömungen in 
sationen? in denen zweifellos eine ganze Reihe her­ voller Schärfe hervor: die eine erklärte sich als un­
vorragend sachkundiger und in der Interessenwahrung 
der Konsumenten sehr erprobter Personen zu fin­ bedingte Anhängerin der Verstadtlichung, während die andere das Unternehmertum, wenn irgend mög­
den ist. lich, nicht ausschalten möchte. Die Vertreter dieser 
Zweitens möchte ich anregen, auch die F r a u  e n- Ström ung wünschten klipp und klar zu wissen, ob 
wclt hierbei zu berücksichtigen. Charlottenburg ist ja die Umwandlung einen großen Vorteil für die S tad t 
meines Wissens, wenigstens in Norddeutschland, bedeute, zumal man im Kriege nur ungern dazu 
bahnbrechend gewesen in der Heranziehung von schreite, einen Systcmwechscl, der ja unbedingt damit 
Frauen zur Gcmeindctätigkeit. Bei der Bekämp­ verbunden ist, vorzunehmen.
fung der Lcbcnsmittelteuerung handelt es sich zwei­
fellos um eine Frage, für die Frauen ganz besonders W ir können uns wohl darüber klar sein, daß der 
in Betracht kommen. W ir sehen ja hier in Charlot­ Vertrag mit Hennecke, der am 31. M ärz nächsten 
tenburg den Hausfrauenverein, soweit man beurteilen Jah res abläuft, für die S tad t recht günstig war. 
kann, sehr energisch und sachkundig in dieser Rich­ Vermöge seines großen Betriebes war dieser Unter­
tung arbeiten. Ich weiß auch, daß in den Kreisen nehmer in der Lage, uns günstige Bedingungen zu 
der Arbeiterschaft Frauen von zweifelloser Sachkunde stellen. M it dem Ausbruche des Krieges und mit 
und Arbeitsfreudigkeit vorhanden sind der Teuerung der Futterm ittel war natürlich für den Unternehmer eine schwierige Lage geschaffen. E r 
Ich möchte der Deputation anheimgeben, sich kommt nun mit neuen, größeren Forderungen zu 
zu bemühen, daß ihr Kreis in der Richtung meiner uns, nicht nur als Kricgszuschlag, sondern auch für 
Anregungen erweitert werde. die Friedcnszeit, und diese Erhöhung ist nicht un­
Borsteher,Dr. Frcntzel: Einen bestimmten An­ wesentlich. I m  Ausschusse wurde uns eine tabel­larische Uebersicht vom M agistrat gegeben, die jedoch 
trag haben S ie nicht gestellt, Herr Kollege? im allgemeinen überholt ist, weil Hennecke —  das 
möchte ich vorausschicken —  in den nachträglich ge­
(Stadtv. Ä a tz e n st c i n : Nein!) führten Verhandlungen tut Preise zurückgegangen ist 
und auch die Berechnungen der S tad t jetzt eine ver­
D as W ort ist nicht weiter verlangt: Wider­ minderte Ausgabe aufweisen. Ich werde S ie nicht 
spruch ist von keiner Seite gegen die, Vorlage ein­ mit allzu vielen Zahlen belästigen, ich möchte Ih n en  
gelegt. nur das Endresultat der Verhandlungen und unserer 
(Die Versamlung beschließt nach dem Antrage Berechnungen mitteilen.
des Magistrats, wie folgt: Danach betrug die bisherige Vergütung an 
Der Erweiterung des Mitgliederkreises der Herrn Hennecke für den Teil des Betriebes, den er 
Deputation zur Beratung von Maßregeln übernommen hat, einschließlich Abschreibung und 
gegen die Lebensmittelteuerung durch Hinzu­ Verzinsung, 296 000 dl. Die neue Friedensforde­
wahl von drei Bürgerdeputierten von besonde­ rung —  denn diese kommt hauptsächlich in Be­
rem Sachverständnis wird zugestimmt.) tracht —  beträgt nach dem letzten Angebot des Herrn 
Hennecke 357 400 dl. Hierzu tritt noch der Kriegs­
Punkt 3: zuschlag, auf den ich noch zurückkommen werde, im 
Betrage von 45 000 dl. Dagegen rechnet uns der 
Bericht des Rechnungsprüfungsansschusses über die M agistrat, wenn wir den Betrieb in eigene Regie 
P rüfung von sechs Rechnungen. —  Drucksache 181. übernehmen, eine Jahresausgabc von 222 500 dl 
heraus. Hierzu kommt naturgemäß für Abschre: 
Der Berichterstatter. Herr Bollmann, ist noch bung und Verzinsung ein Betrüg von 54 000 dl, so 
nicht anwesend. Ich kann das Referat für Herrn daß insgesamt eine jährliche Ausgabe von 276 000 
Kollegen Bollmann übernehmen und Ihnen  m ittei­ Mark entsteht. Vergleichen wir diese Summe mit 
len, daß der Rechnungsprüfungsausschuß keinerlei der neuen Forderung von Hennecke, so ergibt sich 
M onita gezogen hat. —  D as W ort wird weiter nicht zahlenmäßig für uns eine Ersparnis von 80 000 dl. 
verlangt: dann stelle ich fest, daß S ie  dem Berichte Diese Ersparnis würde sich noch indirekt dadurch ver­
des Ausschusses zustimmen und für die in Drucksache größern, daß wir durch die Lieferung der eigenen 
Nr. 181 aufgeführten sechs Rechnungen Entlastung elektrischen Kraft, die wir ja in unserem Elektrizi­
erteilen. tätswerk erzeugen, einen ferneren Nutzen von 9000 -F  
D as Protokoll der heutigen Sitzung vollziehen hätten. Nach dieser Berechnung würden wir also 
die Herren Dr. Landsberger, M ottet und Otto. einen Vorteil für die S tad t von etwa 90 000 dl
        
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