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Periodical volume 3. November 1915

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1915

Sitzung am 3. November 1915 119
Ich möchte also die Herren bitten, in diesem vielleicht nur 10 Stadtverordnete, im günstigsten 
Punkte über das Kompromiß hinauszugehen und Falle 12, die hier vorliegenden Verhältnisse ganz und 
unserm Antrage stattzugeben. voll beherrschen. Wer nicht in Len Unterstützungs­
kommissionen mitgearbeitet hat, kann einem derarti­
Vorsteher Dr. Frentzcl: Herr Kollege Katzenstein, gen Antrage nicht ohne weiteres seine Zustimmung 
Sie sprachen von einen. Antrage. Ich muß Sic dar­ geben, es sei denn, daß der Antrag in einer Ausschuß- 
auf aufmerksam machen, daß bis zur Stunde ein An­ sitzung noch einmal beraten würde; dann hätte jeder 
trag hier nicht vorliegt. das Recht, zu sagen, ich stimme so oder so. Wenn wir 
ieute abend mit einem derartigen Antrag überrascht 
iS  t ad tu Katze n st e i n :  Dann werde ich ihn werden —  anders kann ich es nicht nennen —, so 
niederschreiben!) ist nicht zu verwundern, daß wir nicht in der Lage 
sind, diesem Antrage zuzustimmen. Es wäre etwas 
— Ich kann ihn auch ohne Niederschrift zur Ab­ anderes, wenn die sozialdemokratische Fraktion den 
stimmung bringen, wenn Sie ihn nur formulieren Antrag gestellt hätte, die ganze Angelegenheit einem 
»vollen. Sie beantragen also zu Punkt 3, daß für jedes Ausschüsse zu überweisen. W ir wären dann wohl be­
Kind 12 dH gewährt werden sollen? reit gewesen, die Frage noch einmal zu Prüfen, und 
ivir wären dann vielleicht zu einem Resultat gekom­
(Zustimmung des Stadtv. Katzenstein.) men, daß dem Antrage entspricht. Aber uns heute vor 
die Frage zu stellen: entweder ja oder nein, —  das 
Dann können wir von der schriftlichen Fassung ab­ wird man uns nicht zumuten können. Meine Freunde 
sehen. lehnen es deswegen üb, diesem Antrage zuzustimmen.
Stadtv. Otto: Meine Herren! Wie der Herr (Bravo!)
Kollege Katzenstein selbst hervorgehoben hat, ist die 
heutige Vorlage ein Kompromiß, Stadtv. Dr. Hubatsch: Ich möchte auch die Er­
klärung abgäben, daß w ir bei dem Kompromiß bleiben 
(Sehr richtig!) und nicht darüber hinausgehen wollen.
und ich muß im Namen meiner Freunde ausslprechen, Stadtv. Gebert: Meine Herren! Ich gebe ohne 
daß wir aufs peinlichste davon überrascht sind, daß weiteres zu, daß es in manchen Fällen unangenehm 
dieses Kompromiß nicht gehalten wird. ist, wenn geschlossene Kompromisse durchbrochen wer­
den. Ich gebe auch zu, daß es Ihnen vielleicht unan­
(Sehr richtig!) genehm ist, jetzt zu hören, daß ein derartiger Antrag 
von unserer Seite gestellt wird. W ir sind aber von 
Sachlich w ill ich nur bemerken, daß gerade Freunde dem Empfinden geleitet worden, daß die durch das 
des Herrn Kollegen Katzenstein nicht nur dieser Vor­ Kompromiß geschaffene Grundlage nicht das bietet, 
lage zugestimmt haben, sondern daß sie ihnen zum was Sie alle wollen. 3  i e wollen doch ebenfalls die 
Teil zu weit-gegangen ist. Aus diesen Gründen wer­ Unterstützung so gestalten, dass die Krieaerfranen und 
den wir entschieden gegen den Antrag des Herrn Kol­ Einwohner Charlottenburgs die teure Zeit überstehen. 
legen Katzenstein stimmen, und müssen für die Zu­ S i e wollen genau so wie wir, daß die drückenden 
kunft uns überlegen, ob »vir noch in solchen wichtigen Verhältnisse nicht Zustände hervorrufen, die uns eines 
Fragen mit den Kollegen des Herrn Katzenstein und guten Tages bitterböse Vorwürfe eintragen. A l l e s  
mit ihm selbst Kompromisse schließen. das w o l l e n  S i e ,  und auf Grund dessen, glaube 
ich, können wir heute ohne weiteres über das ge­
(Sehr richtig!) schlossene Kompromiß hinweggehen. W ir sind alle 
obne Unterschied davon überzeugt, daß wir den in 
Stadtv. Katzenstein: Meine Herren! Ich bin Betracht kommenden Kriegersrauen helfen müssen, 
etwas erstaunt über die Entrüstung, mit der Herr Kol­ über die unglückliche Zeit hinwegzukommen. M it 
lege Otto diese Frage behandelt. Wenn eine Fraktion Rücksicht darauf sollten wir alle Formalitäten bei 
Vertreter in diesen Ausschuß entsendet, so sind das Seite werfen und uns die Frage vorlegen, ohne erst 
i'cute ihres Vertrauens» aber sic begibt sich damit einem Ausschuß die Angelegenheit zu überweisen: 
doch nicht des Rechtes, die Dinge nachzuprüfen und können wir es machen oder nicht. Ich stehe auf dem 
gegebenenfalls einen anderen Standpunkt einzuneh­ Standpunkt, meine Herren, daß wir es machen kön­
men. Aus rein sachlichen Erwägungen sind w ir dazu nen. W ir können hier einen Schritt weiter gehen, 
gekommen, diese Erhöhung zu beantragen, und' ich als der Ausschuß seinerzeit beschloßen hat. Sollte 
möchte die Herren bitten, ohne Rücksicht aus formelle aber diese Frage wieder vertagt werden, dann wivd 
Voraussetzungen aus den angeführten sachlichen Grün­ d e r S t u r  m , der bereits 6 e t d e r  l e t z t en  A u s -  
den unserm Antrage zuzustimmen. z a h l u n g in einzelnen Unterstützungskommißionen 
sich abgespielt hat, geradezu Wellen schlagen. Im  I n ­
Stadtv. Riesenbcrg: Ich kann mich im Namen teresse unserer Stadt, im Interesse unserer Bevölke­
meiner Freunde nur dem anschließen, was Herr Kol­ rung bitte ich Sie, von dieser Formalität Abstand zu 
lege Otto gesagt hat. W ir waren aufs peinlichste über­ nehmen und unsern Antrag anzunehmen.
rascht, als wir diesen Antrag zu Gesicht bekamen. Man 
muß dabei berücksichtigen, daß hier nicht ein Ausschuß (Der Antrag des Stadtv. Katzenstein, für jedes Kind 
vorbereiten hat, sondern daß eine gemischte Kom­ 12 dH Unterstützung zu gewähren, wird abgelehnt. 
mission, Vertreter des Magistrats und der Stadtver­ Die Versammlung nimmt darauf einstimmig von der 
ordnetenversammlung, sich in langwierigen Verhand­ Mitteilung des Magistrats zustimmend Kenntnis.)
lungen aus ein Kompromiß geeinigt hat. Dieses 
Kompromiß, glaubten wir, müßte unter allen Um­ Vorsteher Dr. Frentzcl: Punkt 4 der Tages­
ständen gehalten werden, wenn man bedenkt, daß doch ordnung:
        
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