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Periodical volume 20. Oktober 1915

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1915

114 L itzung nin 20i. Oltober 1915
gefordert wird, so das; mir die Ansicht des Herrn Es ist in weitesten Kreisen die Ueberzeugung 
SradlralS Dr. Gvrrstein, dag oie Gewinne des Klein­ vorhanden, taß w ir diejenigen Opfer, die nun ein­
handels auf diesem Gebiete nicht als übermäßig an­ mal mit dem Kriegszustände verbunden sind, hin­
gesehen werden können, nicht begründet erscheint. nehmen müssen; es kann der einzelne nicht aus der 
Ebenso haben wir noch andere Dinge, von denen etwas Reihe herausspringen, und die Masse kann es auch 
zu beziehen heute noch außerordentlich wertvoll ist. nicht. W ir sind weit davon entfernt, uns etwa durch 
Es muß aber, wie der Herr Bürgermeister mit Recht die wirtschaftlichen Zwangsmaßregeln unserer Gegner 
gesagt hat, daraus hingewirkt werden, daß diese Be­ niederdrücken zu lassen; aber es muß auch die Er­
darfsversorgung zentralisiert wird. Die Gemeinde kenntnis vorhanden sein, daß nur die n o t  w e n d i - 
muß hier nach Möglichkeit eingreifen, wenn auch gen Beschränkungen ertragen werden müssen, nicht 
die Preise hoch sind; sie werden voraussichtlich noch Beschränkungen, die durch -wucherische Maßnahmen 
höher werden. bestimmter Kreise herbeigeführt werden. Jetzt, wo 
Weiterhin ist es notwendig, daß w ir überall den die große Masse genötigt ist, sich solche Beschränkungen 
Grundsatz des Verkaufs zum bloßen Kostenpreise aufzuerlegen und derartige Opfer zu bringen, müssen 
durchführen. Ich weiß sehr wohl, daß es nicht in der w ir davor behütet werden, daß nicht kleine Gruppen 
Absicht der Gemeinde liegt, hier irgendwelche Profite von Produzenten und- Händlern ganz unverhältnis­
zu erzielen; aber w ir müssen auch den Grundsatz auf­ mäßige und im höchsten Grade u n s i t t l i c h e  G c - 
stellen, daß ein Ausfall, der auf irgendeinem Gebiete w i n n c erzielen.
wider Erwarten durch besondere Umstände eingetreten 
ist. als ein Teil der Kriegskosten der Gemeinde ge­
tragen werden muß, wie das bereits in anderen (Sehr richtig!)
Städten geschieht, daß er nicht aus anderen notwendi­
gen Lebensmitteln gedeckt werden darf. W ir wollen 
deshalb den Grundsatz des Verkaufs zum Kosten­ Ich habe einmal ein Wort gehört, das m ir sehr zu 
preise für die einzelnen Verkaufsgegenstände an­ denken gab; es hieß: Der Aushungerungsplan der 
erkannt wissen: wir wollen nicht, daß irgendein Engländer ist mißglückt, aber der Aushungerungs­
Defizit auf der andern Seite durch ileberpreise aus­ plan bestimmter Kreise unserer eigenen Patrioten ist 
geglichen wird. gelungen.
Schließlich halten wir es für notwendig, Laß 
für die m i n d e r b e m i t t e l t e  Bevölkerung mehr, 
als es bisher geschehen ist, eine besondere Rücksicht­ (Sehr richtig!)
nahme obwaltet. Es handelt sich hier nicht nur 
darum, daß dort die Not im allgemeinen größer ist, 
sondern wir wissen auch, daß es in sehr vielen Fällen Meine Herren, derartige Dinge dürfen nicht 
den Besscrbemittelten, die bessere Kunden der Liefe­ weiter bestehen. Wenn die ganze Sache nur vom 
ranten sind, möglich ist, sich überhaupt noch mit parteipolitischen Standpunkte aus zu betrachten wäre, 
Lebensmitteln zu versorgen, wo die Minderbemittel­ könnte ich mich in gewissem Sinne, ich w ill nicht 
ten dazu gar nicht mehr in der Lage sind. W ir haben sagen, darüber freuen, aber beruhigt sein; denn diese 
sa erfahren — es ist bereits von Herrn Kollegen Dinge müssen in einem Sinne agitieren, wie w ir uns 
Wöllmer daraus hingewiesen worden — , daß die Mei­ das nur wünschen können. W ir denken aber nicht an 
nung vorhanden ist —  und ich weiß das auch — , daß die Interessen der Partei, sondern an die Lebens­
da tind dort selbst beim städtischen Fleischverkauf eine interessen der Gesamtheit und daran, daß w ir für die 
Bevorzugung stattfindet. Das kann die Gemeinde Zukunft sorgen müssen. Ten Krieg werden w ir durch­
nicht unter allen Umständen verhüten; ich bin über­ halten, aber wie w ir aus dem Kriege herauskommen 
zeugt, daß sie alles tun wird, um dem entgegenzu- werden, ist die Frage. Wie die Folgen dieser Zu­
wirken. Aber wenn das bei einem solchen gemein­ stände für die nächste Generation sein werden, wie- 
nützigen Verkauf vorkommen kann, dann ist es selbst­ sich in der nächsten Generation das Schicksal der deut­
verständlich, daß es im allgemeinen Geschäftsverkehr schen Bevölkerung gestalten wird, das wird zum 
noch viel mehr der Fall ist, daß die guten und alten großen Teil von unserer Wirtschaftspolitik während 
Kunden in ganz anderer Weise berücksichtigt werden des Krieges abhängen, und ich hoffe nochmals, daß 
als diejenigen, die in  der Zeit der Not vielleicht nur unsere Gemeindevertretung hier mit aller Entschieden­
ganz kleine Beträge abnehmen können. heit die notwendigen Maßregeln ergreift.
Deshalb ist es notwendig, daß man in der 
gleichen Weise, wie es bei der Brotversorgung ge­
schehen ist, auf den: Gebiete aller wichtigen und not­ (Bravo!)
wendigen Lebensmittel vorgeht. Die Einführung der 
Milchmarken begrüßen wir, die Einführung der 
Speckmarken für een städtischen Verkauf ist ebenfalls Vorsteher Dr. Frentzel: Herr Kollege Katzen­
ein Fortschritt: nur meine ich im Gegensatz zu den stein, Sie haben zwar nicht ausdrücklich den Antrag 
Ausführungen des Herrn Stadtrats, daß doch das auf Ausschuß-beratung gestellt, ihr aber in Ihren 
(Sichern der n u m e r i e r t e n  Marken den Vorzug Ausführungen als selbstverständlich zugestimmt. 
verdient. Ich betrachte den fetzigen Zustand, bei dem Tann darf ich annehmen, daß Sie auch für den An­
die Frauen genötigt find, 6 bis 7 stunden auf der trag Nr. -2 eine Ausschußberatung, wie sie für den 
Straße zu stehen, in einer Zeit, wo sich die Witte­ Antrag Nr. 1 vorgeschlagen ist, beantragen wollen.
rung ständig verschlechtert und w ir in Kürze mit 
größerer Kälte und stärkeren Regengüssen rechnen (Zustimmung.)
müssen, für unhaltbar; da muß Abhilfe geschaffen 
werden. Aber, wie gesagt, das sind einzelne Fragen, 
über die w ir uns im Ausschuß unterhalten können. Nunmehr kommen w ir zum letzten Antrage,, 
Ich möchte nur noch das eine bemerken: nämlich dem
        
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