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Periodical volume 20. Oktober 1915

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1915

108 Biyiiiiß eiln 20. Oktober 19]5
allernächster Zeit durch i>ic viel wichtigere Ausgabe der sicht, daß fletobe im Hinblick auf 'die -drohende Gefahr
Fleischbejchaffung abgelöst werben wird. Herr Kollege der weiteren Verteuerung auch des Fleisches die Reichs- 
Meyer 'hat vorher schon in feinen Ausführungen die regicrung die Pflicht hat, der Landwirtschaft gegen­
kolossale Steigerung der Preise gestreift. Wenn Sie über die großstädtische Bevölkerung in Schutz zu 
die letzten Notierungen der Berliner Lebensmittel- nehmen.
preisc betrachten, so finden Sie Preissteigerungen für 
Fleisch seit dem vorigen Jahre, die über 50 bis 100% (Bravo!)
und darüber hinausgehen. Die Städte können diese 
schwierige Aufgabe nicht lösen. Dazu bedarf es der Meine Herren, der Zweck unseres Antrags ist der, 
starken Hand des Reiches. den Magistrat um Auskunft zu bitten, was er in die­
Ferner beunruhigt die großstädtische Bevölke­ ser Richtung bisher getan hat und was er setzt und in 
rung die Ungewißheit über etwaige Vorräte von But­ der allernächsten Zeit im Hinblick auf diese Gefahren 
ter, Fett u. dergl. Es geht das Gerücht, daß solche zu tun gedenkt.
noch in Magazinen aufgespeichert seien. Es soll also 
das Spekulanrentum sich der Sache angenommen (Lebhaftes Bravo.)
haben, es sollen Vorräte vorhanden sein, lieber diese 
Dinge herrscht keine Klarheit. Sicherlich wird es nötig Stadtv. Dr. Hubatsch: W ir stimmen den Aus­
fein, daß nicht nur das Reich prüft, sondern jede Stadt führungen des Herrn Kollegen Wöllmer vollkommen 
Bestandsaufnahmen anordnet, um zu wissen, ob Vor­ zu und werden alle für den Antrag stimmen, einen 
räte da sind, die erwa noch zurückgehalten werden, und Ausschuß einzusetzen.
ferner feststellt, in welchem Umfange die Produktion 
in der Lage ist, die Nachfrage zu befriedigen. Bürgermeister Dr. Maier: Meine Herren! Dem 
Des weiteren müssen w ir fragen, ob denn die Antrage des Herrn Stadtv. Wöllmer und seiner 
großstädtische Bevölkerung machtlos der jetzigen fort­ Freunde, der ja jetzt von Herrn Stadtv. Hübatfch 
gesetzten unerhörten Verteuerung von Lebensrnitteln für seine Freunde ausgenommen worden ist, auf Ein­
gegenübersteht. Meine Herren, die großstädtische Be­ setzung eines Ausschusses, kann der Magistrat nur zu­
völkerung ist gewiß genau so wie die Bevölkerung auf stimmen. Allerdings möchte ich betonen, daß nicht erst 
dem Lande ihrer Pflichten dem Vaterlande gegenüber der Ausschuß etwa in Charlottenburg die ernsten 
bewußt. Wenn das Wort: wir sollen durchhalten, Fragen, die heute alle Gemüter bewegen, zur Er­
w ir w o l l e n  durchhalten, nicht zur Phrase werden örterung stellen soll, sondern daß die von den Ge­
soll, so werden alle Bevölkerungsschichten, auch die meindekörperschaften eingesetzte gemischte Deputation, 
großstädtischen, ihre Opferwilligkeit zeigen müssen. die sich mit den Maßnahmen gegen die Lebensmittel­
Sie haben sie bisher gezeigt, und sie haben in Geduld teuerung seit langem beschäftigt, sich eingehend und 
bis jetzt diese schwere Zeit ertragen. Aber was die immer wieder die Frage vorlegt: wie und auf wel­
großstädtische Bevölkerung verlangen kann, das ist chem Wege kann man der Bevölkerung beistehen, um 
dieses: Erstens Klarheit über die Marktlage. Man sie vor Notständen, wie sic gegenwärtig teilweise vor- 
muß wissen, in  welcher Weise der Zwischenhandel auf hanstensind, zu bewahren.
den Preis gewirkt hat. Es muß darüber Klarheit ge­ 
    
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