Path:
Periodical volume 20. Oktober 1915

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1915

Sitzung am 20. Oktober 1915 107
liberalen Fraktion, zweitens zu dem Antrage der was auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung bis­
foziaidernokrarijchen Fraktion, drittens zu dem Antrage her geschehen ist: Beschaffung und Verkauf von Lebens­
Hubätsch und Genossen und viertens zu dem Antrage rnitteln durch die Stadt.
Lieprnann und Genossen. Da die Anträge 1 und 3 Meine Herren, der Zweck der Maßnahmen des 
dem Wortlaut nach völlig identisch sind, möchte ich Magistrats, abgesehen von -der Monopolisierung von 
vorschlagen, daß w ir beide zusammennehmen, wenn B rot und Mehl, war ja nicht, den Markt an sich zu 
die Herren, die eigentlich den Vorrang hätten, damit reißen, den Verkauf dieser Lebensrnittel zu monopoli­
einverstanden sind. —  D ie .Herren sind damit einver­ sieren, sondern dem Markt n eue  W a r e zuzuführen 
standen. W ir kommen demnach zu den und nach Möglichkeit -billig an die unbemittelte Be­
völkerung abzugeben. Ich habe die Ueberzeugung, daß 
Anträgen der Stadtv. Wöllmer und Gen. und der Magistrat und die m it ihm arbeitende Deputation 
Dr. Hubatsch und Gen. betr. Maßnahmen gegen die ihre Ausgabe so weil erfüllt haben, wie es überhaupt 
L ebensmi ttelteuerung. möglich war, und alle Schwierigkeiten auf diesem Ge­biet, soweit es ging, zu 'beseitigen versucht haben. Das; 
bei solchen Einrichtungen Organisationsmängel vor­
Antragsteller Stadtv. Wöllmer: Meine Herren! handen sind, ist ja selbstverständlich. W ir möchten nun 
Es herrscht seit einiger Zeit eine -begreifliche nutzer- den Magistrat bitten, uns Auskunft darüber zu er­
ordentliche Beunruhigung in der Bevölkerung dar­ teilen, was auf dem Gebiete der Lebensmittelversor­
über, daß trotz erheblicher Verteuerung der Lebens­ gung, seitdem die Druckschrift erschienen ist, geschehen 
rnittel seit Monaten eine weitere starke Erhöhung be­ ist, welche Erfolge der Magistrat gehabt hat und was 
vorstehen konnte. Besonders in der letzten Zeit kon­ er weiter in bezug auf diese Dinge zu tun gedenkt.
zentriert sich die Erregung darauf, 'daß die Milch- und Meine Herren, in  der Bevölkerung ist darüber 
Butterpreise nicht nur ganz besonders gestiegen sind, eine gewisse Beunruhigung entstanden —  ich w ill das 
sondern daß eine weitere Steigerung bevorsteht. I n  nur streifen — , daß bei dem Verkauf von Speck vor 
der Tat sind ja die Preise so, daß für viele Schichten den Schlächterläden bedrohliche Ansammlungen statt­
der Bevölkerung der Genuß von Butter unerschwing­ fanden. Es sind Klagen laut geworden, daß nicht alle 
lich ist. Die Gefahr in bezug auf die Milchversorgung diejenigen, die etwas kaufen wollten, etwas erhielten, 
ist ebenfalls erheblich. Als eine herzerfrischende Tal daß eine Bevorzugung einzelner Schichten stattfände, 
kann man es bezeichnen, daß der Oberkornmandierenide die Zeit hätten, sich lange vor den Läden aufzuhalten 
der Marken zunächst wenigstens dem Preistreiben und sich vorzudrängen. Ich jagte schon, daß kleine 
einen Riegel vorgeschoben hat durch Festsetzung von Mängel unvermeidlich sind bei der Durchführung die­
Höchstpreisen für Butter mit Geltung bis Ende dieses ser schwierigen Frage. Es wäre über wohl möglich, 
Monats. Es schwirren in den Tageszeitungen allerlei daß der Magistrat —  und ich bitte ihn darum — , noch 
Artikel und Hinweise auf bevorstehende Maßnähmen einmal prüft, ob nicht solche Vorkehrungen getroffen 
der Regierung. Authentisch sind -diese Mitteilungen werden können, «daß das, was an Speck zur Verfügung 
bis jetzt nicht. Es ist Pflicht der Stadtverordneten­ steht, 'durch die Schlächter an möglichst viele Personen 
versammlungen, also auch unserer Versammlung, diesen zum Verkauf gelangt, etwa (dadurch, daß die Fleisch­
Zuständen gegenüber Stellung zu nehmen, und es ist karten von dem Schlächter einen Wochenstempel be­
ja auch heute aus allen Fraktionen unserer Stadtver­ kommen und daß auch das Quantum des Verkaufs 
ordnetenversammlung ein Antrag eingebracht worden, an den einzelnen weiter eingeschränkt wird, damit an­
der -dasselbe Ziel verfolgt, nämlich m it dem Magistrat gesichts der Knappheit, über die ja kein Zweifel be­
gemeinsam Schritte zu unternehmen,, die auf eine Ver­ steht, möglichst viele unbemittelte Bürger etwas er­
billigung ber wichtigeren Lebensrnittel hinzielen oder halten.
wenigstens ihre weitere Verteuerung -verhindern. Ich W ir bitten also den Magistrat um Auskunft 
glaube daher, cs wird angebracht sein, namentlich auch über die Beschaffung von Kartoffeln, Eiern usw. Auch 
im Hinblick auf den -Antrag -der sozialdemokratischen würde es zweckmäßig sein, über die Beschaffung von 
Fraktion, der verschiedene Vorschläge enthält, die sämt­ Fischen etwas zu hören. Besonders aber steht im 
lichen Anträge einem Ausschuß von 15 Mitgliedern zu Vordergründe die Versorgung m it Milch und Butter. 
überweisen, und ich erlaube mir, diesen Antrag zu I n  der heutigen Abendzeitung, meine Herren, finden 
stellen. S ie die Notiz, daß sich viele Städte letzt sehr energisch 
Ich wende mich nun zu unserm Antrage, der in m it der Frage beschäftigen, allerlei Vorkehrungen für 
Form einer Anfrage den Magistrat um Auskunft die Zukunft treffen, einkaufen wollen usw. Es ist 
'bittet. Unsere Stadtverordnetenversammlung hat be­ heute nicht Zeit und Ort, diese Frage gründlich zu 
kanntlich bei Beginn ides Krieges den Beschluß gefaßt, prüfen. M e r 'darauf darf ich m ir hinzuweisen erlau­
die Deputation zur Beratung von Maßregeln gegen ben, daß (die Frage der Versorgung m it Milch und 
die Lebensmittelteuerung zu ermächtigen, ihr geeignet Butter (eins hängt vom andern ab), nicht so einfach 
erscheinende Maßnahmen auf -dem Gebiete der Lebens­ zu lösen ist, wie es vielleicht m it Brotgetreide der Fall 
mittelversorgung zu treffen. Zu diesem Zwecke wurden gewesen sein mag, daß auch nicht die Festsetzung von 
bis jetzt 3 Millionen Mark Kredit zur Verfügung ge­ Höchstpreisen allein genügt, sondern daß tief in das 
stellt, um allerlei wichtige Lebensrnittel, Kartoffeln, wirtschaftliche Leben eingegriffen werden müßte, wenn 
Hülsenfrüchte, Reis, Fettivaren, Schweinefleisch, Speck eine allgemeine Reglementierung stattfinden soll. Aber 
usw. usw., einzukaufen und an die 'Bevölkerung abzu­ es muß in dieser Begehung etwas geschehen. W ir 
geben. Damals ist ausdrücklich darauf hingewiesen richten auch an den Magistrat die Frage, ob er jetzt 
worden, daß ein großer Teil dieser wichti.,en Lebens­ chon durch Verfranölnngen mit der Regierung öder 
rnittel einen eisernen Bestand bilden soll, der nur in mit dem Reichsamt des Innern dahin gewirkt hat, 
Zeiten der Not zur Veräußerung zu gelangen habe. daß unsere Bevölkerungsschichten auskömmlich mit 
Der Magistrat hat dann vor einiger Zeit die Ihnen Milch und Butter zu (fülligen Preisen versorgt werden.
bekannte Druckschrift herausgegeben: „Kriegmaßnah­ Ich weise darauf hin, daß die Frage der Versor­
men der Stadt Charlottenburg", und in 'dieser Druck­ gung mit Milch und Butter, wenn sie auch heute noch 
schrift findet sich auch eine Berichterstattung über das, im Vordergrund der Erörterung steht, sicherlich in
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.