Path:
Periodical volume 4. Februar 1914

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1914

Sitzung vom F. Februar 1914 59
Jahr leisten, durchaus nicht als verloren angesehen — Hoffentlich nicht, aber ich fürchte, daß es so kommen 
werden sann; wir nehmen im Gegenteil an, daß die wird, denn auf diesem Gebiete bin ich durchaus klein­
Straße reüssieren wird. Ich weiß nicht, weshalb der gläubig, um so mehr, da ich im Laufe meiner sechs­
Herr Vorredner in dieser Beziehung ein so großer jährigen 'Tätigkeit hier in diesem Hause wiederholt fest­
Pessimist ist. Aber, selbst wenn das eintreten sollte, stellen mußte, daß wir bei Privatunternehmungen hin- 
wären, glaube ich, die Vorteile, die der Stadt aus dieser eingetrudelt sind, und weil wir hineingefallen sind, 
Anlage in mehrfacher Beziehung entstehen werden, muß ich mich diesem Unternehmen gegenüber auf einen 
nicht zu teuer erkauft. durchaus ablehnenden Standpunkt stellen.
Es heißt, daß wir unter Umständen 400 00() c f  
(Sehr richtig!) werden hergeben müssen, — es heißt also nicht: unter 
a l l e n  Umständen; das ist richtig. Ein oder zwei 
W ir haben die volle Verpflichtung, nicht nur dafür zu Jahre wird ja wohl die Automobilstraße ganz gut flo­
sorgen, daß eine Automobilstraße entsteht, sondern auch rieren, aber nachher geht das Geschäft nicht mehr, und 
dafür, daß der Verkehr geregelt wird. Denn so, wie dinn müssen wir zahlen und unter Umständen noch 
es augenblicklich ist, kann es ja auf die Dauer nicht sehr viel mehr, als wir jetzt annehmen.
weiter gehen. Gerade der Automobilverkehr geht nach Ich habe das Empfinden, daß man hier mehr den 
dem Westen und berührt in erster Reihe Charlotten- Wünschen sehr hochstehender Personen Rechnung tragen 
burg; die damit verknüpften Vorteile find nicht von will. Ich bin deshalb der Meinung, daß diese Per­
der Hand zu weisen. Es ist unbedingt vorauszusehen, sonen einmal selbst in ihren Privatsäckel hineingreifen 
daß sich Automobilgeschäfte und Händler mit Zubehör­ könnten. Wenn diese Personen eine derartige Straße 
teilen dort in großer Zahl etablieren werden. Wir wünschen, mögen sie sie auf ihre Kosten bauen lasien.
sehen heute schon, wie in der Bismarckstraße derartige Wenn Herr v. Schorlemer gesagt hat, daß diese 
Geschäfte existieren und florieren, und ich weiß nicht, Straße auch nach Ablauf von 30 Jahren dem öffent­
weshalb wir nicht unsere Hand dazu bieten sollten, lichen Verkehr nicht entzogen werden soll, so glaube ich 
daß eine derartige Straße gebaut wird. Die Gelder seinem Aussprache wohl; aber ob der Herr Minister 
hat die Gesellschaft erhalten, es fehlt nur noch der Teil, nach 30 Jahren noch lebt, können wir nicht wissen; an 
für den wir die Garantie der Zinszahlung überneh­ seiner Stelle kann dann längst ein anderer stehen. W ir 
men. W ir haben uns schon so eingehend darüber un­ haben hier also absolut keine Garantie, und da über­
terhalten, und die Notwendigkeit der Herstellung dieser haupt alle Garantien in Preußen auf außerordentlich 
Straße ist schon so oft betont worden, daß man, glaube schwachen Füßen stehen, glaube ich auch an dieses ganze 
ich, gar nicht nötig hat, noch ein weiteres Wort dar­ Versprechen nicht. Etwas anderes wäre es, wenn die 
über zu verlieren. Ich kann dem Herrn Kollegen Stadt Charlottenburg in diese ganze Geschichte mit 
Gredy nur sagen: die Befürchtung, daß wir das Geld hineinreden könnte. Aber wir haben kein Recht, die 
auf jeden Fall zuschießen müßten, ist nicht vorhanden; Kassenverhältnisse zu prüfen, wir haben nur die Be­
es ist weit eher möglich, daß wir frei von jedem rechtigung, eine Abrechnung verlangen zu können. W ir 
pekuniären Opfer bleiben. haben auch auf die Gestaltung der Gesellschaft durchaus 
keinen Einfluß, alles das ist uns beschnitten. Man 
Stadtv. Gebert: Meine Herren! Ich muß mich hat uns seinerzeit gesagt: ja, ihr dürft nur zahlen, aber 
den Ausführungen des Herrn Kollegen Gredy an­ mitzureden habt ihr nichts.
schließen. Ich stehe nach wie vor auf dem Standpunkt, 
daß wir uns hier wieder in ein Unternehmen einlassen (Zurufe.)
werden, das meines Erachtens eines schönen Tages 
der Stadt Geld kosten wird, anstatt daß sie daraus — Herr Kollege Otto ruft mir eben zu: machen Sie 
einen Gewinn zieht. Mein Herr Vorredner sagte: cs doch kurz. Ich meine, ich halte mich in meinen 
er g l a u b e ,  - ja, glauben ist nichts,- Wissen ist Ausführungen gewöhnlich kurz. —  Ich bin also der­
Macht, sagt ein altes Sprichwort, und so ist es auch. selben Meinung wie Herr Kollege Gredy: wir handeln 
Ich glaube, daß die Gesellschaft, die die Straße jetzt im Interesse der Finanzen unserer Stadt am besten, 
fertig gestellt hat, schon wieder mit dem Klingelbeutel wenn wir das ganze Projekt ablehnen.
herumgeht. Wenn Sie sich diejenigen Personen an­
sehen, die bei diesem Projekt beteiligt sind, so werden Stadtv. Erdmannsdörffer: Im  Gegensatz zu dem 
Sie finden, daß es sich dabei um lauter gutfundierte Herrn Kollegen Gredy habe ich mich, der ich bei der 
Leute handelt, die meines Erachtens eine derartige ersten Vorlage mit Nein gestimmt habe, durch die Be­
Privatstraße ohne weiteres selbst erbauen könnten. ratungen des Ausschusses, die außerordentlich gründ­
Wenn mein Herr Vorredner sagte, daß diese lich geführt wurden, dahin bekehren lassen, daß man 
Straße notwendig wäre, dann muß ich der Ansicht jetzt mit Ja stimmen müsse. Ausschlaggebend sind 
Ausdruck geben, daß es viel notwendiger wäre, wenn dabei für mich folgende Erwägungen.
nach allen Richtungen der Himmelsrose hin derartige Die Straße wird gebaut, ist eigentlich sozusagen 
Automobilausfallstraßen geschaffen würden. Die Be­ schon gebaut, und daher ist es unter allen Umständen 
fürchtung, daß Charlottenburg ohne Unterstützung für uns als Stadt Charlottenburg, die wir unmittel­
dieser Straße vom Automobilverkehr gemieden werden bar vor dem Beginn dieser Straße liegen, wünschens­
würde, kann ich nicht teilen, da ja Charlottenburg die wert, ja, ich möchte fast sagen, notwendig, daß w ir an 
eigentliche Einganspforte zu der Straße bildet. Und diesem Unternehmen in  i r g e n d  e i n e r  F o r m  
was haben wir davon, wenn auf der einen Seite wirk­ m i t b e t e i l i g t  sind. Zweitens wird durch diese 
lich, wie ich ja zugebe, neue Geschäfte entstehen, auf Straße erreicht werden, daß wir einen A u t o m o b i l -  
der anderen Seite die Stadt aber nachher Zuschüsse an o m n i b u s - V e r k e h r  erhalten. Für die Bevölke­
die Gesellschaft leisten muß? Ich bin der felsenfesten rung der Stadt Charlottenburg ist es unzweifelhaft von 
Ueberzeugung, daß das späterhin eintreten wird. außerordentlichem Nutzen und von großem Segen, 
wenn eine relativ billige Automobilomnibus-Verbin- 
(Zuruf: Hoffentlich nicht!) j dung nach dem Grunewald geschaffen wird.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.