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Periodical volume 4. Februar 1914

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1914

Sitzung vom 4 Febrmir 1914 39
er ist also so niedrig, wie er überhaupt noch nicht ge­ bei berücksichtigen, daß nach der S tatistik  des W oh­
meint ist. . . . . nungsmarktes eine sehr große Anzahl von Wohnungen 
leer stand. E s  ist daher eine Besserung fü r den 
(Hort! hört!) Grundbesitz insofern eingetreten, als naturgem äß die 
W enn S ie  die Prozentsätze für W ilmersdorf, Schöne­ Z ahl der leer stehenden W ohnungen stark zurück­
berg und Neukölln vergleichen, so sind sie wesentlich gegangen ist. S ie  misten ja, daß m an hier in C har­
höher; sie finden in  Neukölln fast das vierfache an lottenburg nahezu auf eine Prozentzi"-"- gekommen 
prozentualem Zuwachs, in Schöneberg ungefähr das ist, bei der m an fast von einem M angel an Klein­
fiwneinlialbfache, in Berlin-W ilmersdorf aber das wohnungen sprechen könnte.
sechsfache. M eine Herren, neben diesen Verhältnissen, die im 
Neben diesen bedeutsamen Faktoren wirken Ja h re  1913 doch mindestens recht trostlos gewesen 
naturgem äß auf die wirtschaftlichen Verhältnisse eines sind, haben w ir sehr oft Klagen über Arbeitslosigkeit 
S teuerjahres einer so großen Stadtgem einde andere gehört und sehr darunter zu leiden gehabt; denn daß 
wirtschaftliche M om ente sehr wesentlich ein, ja, man die Arbeitslosigkeit auf das Steuerergebnis nachteilig 
kann zum Teil sagen, daß andere wirtschaftliche M o­ einwirkt, ist selbstverständlich. D ie Ausfälle an 
mente direkt ursächlich diese Bevölkerungszahl beein­ S teuern , die sich gerade im letzten V ierteljahr be­
flussen. Ich  betone das speziell in bezug aus die V er­ merkbar machen, werden deshalb sehr erheblich sein.
hältnisse des Grundstucksmarktes. D azu kamen die politischen Verhältnisse, die B al­
M eine Herren, der Grundstücksmarkt ist ein kanwirren und der überaus steife Geldmarkt! Alle 
heikles Thema. Aber ich möchte hierbei betonen, daß diese Dinge mußten naturgem äß lähmend auf die 
w ir nicht allein diejenigen sind, die unter diesen Ver­ Geschäfte wirken! Ich  erinnere S ie  an den Rück­
hältnissen zu leiden haben, sondern diese üblen Z u ­ gang der Geschäfte im Bank- und Börsenwesen, in der 
stände auf dem Grundstücksmarkt find nicht lokaler, V erm ittlung, im Export, ja, ich kann Ih n en , nachdem 
sondern leider ganz allgemeiner N atu r. D ie Gründe wir ja  jetzt schon ungefähr vier Wochen der V eran­
hierfür liegen auf den verschiedensten Gebieten; es lagungszeit hinter u n s  haben, aus der Steuererfah­
sind zum T eil gesetzliche, zum Teil wirtschaftliche rung heraus sagen, daß es wohl kaum ein einziges 
Gründe. Ich  empfehle Ih n e n , einen in dieser B e­ Gewerbe gibt, das durchgängig im Ja h re  1913 bessere 
ziehung sehr interessanten Bericht, der in den letzten Ertrüge gehabt hätte. I n  einzelnen Gewerben sind 
Tagen erschienen ist, nämlich den Bericht des Vereins sehr erhebliche Verluste zu verzeichnen und im großen 
der B erliner Grundstücks- und Hypothekenmakler, zur und ganzen kann m an sagen, daß fast überall gerin­
K enntnis zu nehmen. D arau s kann man einen sehr gere Gewinne a ls  in den zum Teil allerdings recht 
guten Ueberblick über den Grundstücksmarkt gewinnen. guten J a h re n  1911 und 1912 erzielt worden sind.
D ie freiwilligen Veräußerungen sind danach in den M eine Herren, nach diesen allgemeinen Bemer­
letzten sechs Jah ren  —  es sind die Ja h re  1907 und kungen, die ich vorausschicken mußte, um S ie  ge­
1913 zu G runde gelegt —  um 66%  zurückgegangen. wissermaßen nicht zu überraschen, wird es S ie  absolut 
M eine Herren, das ist erstaunlich. Allerdings muß 
ich bemerken, daß das J a h r  1907 für die V eräußerun­ nicht wundern, wenn die Ergebnisse der S teuern  im J a h re  1913 wahrscheinlich —  bei uns ebenso wie wohl 
gen ganz besonders günstig gewesen ist. Ich erinnere wo anders —  nicht günstig sind. W ir werden bei den 
S ie  daran, daß dam als überall das Gespenst der W crt- S teu ern  ziemlich starke M indererträgnisse haben. W ir 
zuwachssteuer umging und infolgedessen massenhafte hatten z. B . die Umsatzsteuer m it 1 100 000 M . ein­
Auflassungen und Umsätze erfolgten. Aber selbst wenn gesetzt, werden aber wesentlich weniger einnehmen. 
m an dieses anorm al günstige J a h r  nicht zu Grunde Ich  taxiere, daß wir da mindestens einen Ausfall 
legt, so werden S ie  in  keinem anderen J a h r  einen von 300 000 
    
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