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Periodical volume 4. Februar 1914

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1914

36 Sitzung vom - . Februar 1914
D an n  w ar fü r mich noch interessant, daß es in W enn bann H err Kollege N eum ann noch den 
den Reihen der liberalen P a r te i  eine, wenn auch sehr V orw urf an H errn  Kollegen Hirsch richtet, daß H err 
verschwindende M inderheit gibt, die den Grundsatz: Kollege Hirsch gesagt h a t: die Hausbesitzer zahlen ja 
„Gleiches Recht fü r alle" a ls  ihren eigenen Grundsatz die S teuern  nicht selbst, sondern das zahlen die M ieter, 
erklärt m it der In te rp re ta tio n , er soll bedeuten: je­ das zahlen die anderen, d a s  zahlt die G esam theit — , 
dem ein besonderes Recht —  und daß sie aus diesem nun, ich glaube, darüber könnten w ir u n s leichter und 
G run de sich dann auch fü r die Aufrechterhaltung be­ eher verständigen. Solche Kindsköpfe sind natürlich 
sonderer P riv ileg ien  erklärt. meine Parteigenossen auch nicht, daß sie nicht wissen 
W as sonst angeführt worden ist, kann, wie ge­ sollten, daß die einzelnen Hausbesitzer, wie das im 
sagt, zu einer weitgehenden Beleuchtung wirklich kapitalistischen Z e ita lte r gar nicht anders sein sann, 
kaum Veranlassung geben; denn es sind doch nu r in einer sehr bedrängten Lage sind. D enn , meine 
hergesuchte G ründe, um zu verschleiern —  ich will H erren, die einzelnen Hausbesitzer —  mein G o tt, was 
mich etw as anders ausdrücken: um den Tatbestand sind sie häufig denn anders a ls die armseligen K u lis 
nicht ganz offen und klar zugeben zu müssen, daß der des K ap ita ls , die alle A rbeiten der H ausverw altung , 
Hausbesitzer heutzutage ein  Gewerbetreibender ist wie des H atrsinstandhalrens auf sich nehmen und dabei 
jeder andere Gewerbetreibende, daß daher aus der noch d a s  Risiko des M ie tsau sfa lls  tragen müssen, 
Tatsache des Hausbesitzes irgendein besonderes V o r­ während den V orteil von dem Hausbefitz doch nicht 
recht auch gar nicht hergeleitet inerben kann. der im  Grundbuch a ls  Besitzer eingetragene M an n  
H err Kollege N eum ann h a t es nu n  anüerordent- hat, sondern ganz andere Leute, Leute, die vielleicht 
lich übel genomm en, daß sein S tan d p u n k t von dem an der R iv ie ra  irgendwo ihre Tage schön zubringen 
H errn  Kollegen Hirlch ein rückständiger und veralteter im G enuß der G rundren te , die eben dieser H a u s ­
genannt worden ist. besitz abw irft. Um so weniger aber liegt ein A nlaß  
(Widerspruch des S tad tv . N  e u m a  n  n.) vor, gerade diesen T e il der Bevölkerung, dem es, wie ich sage, so schlecht geht, m it besonderen Vorrechten 
H err Kollege N eum ann hat gefunden, daß das ein zu versehen. W enn S ie  den befestigten Grundbesitz 
A uffahren massiven Sprechens sei. Wenn m an ihn a ls oder diejenigen, die den V orte il von dem Grundbesitz 
rückständig bezeichnet. N un, meine H erren, w ir wer­ haben, m it Vorrechten versehen wollen, dann m üßten 
den uns ja kaum darüber restlos verständigen können. S ie  eben dem ersten Hhpothekengläubiger die V o r­
S ie  sehen auf dieser S e ite  des S a a le s  Leute, die in  rechte einräum en, nicht denen, die a ls  die G ru n d ­
einer Entwicklung des demokratischen B ew ußtseins besitzer eingetragen sind. W enn also gesagt w ird : 
und der demokratischen Fortentw icklung «die F o r t­ nicht die Hausbesitzer sind es, die letzten E n des die 
entwicklung unserer K u ltu r  überhaupt erblicken. S teu e rn  zahlen — , so heißt d a s  und kann das doch n u r  heißen, daß das Einkommen, das die Kom m une 
(Z u ru f bei der V ereinigten A lten F rak tio n : Leider!) in S te u e rn  an sich zieht, wie das Einkom m en, von 
dem die N ation  überhaupt lebt, nicht ein Einkom m en 
S ie  sehen auf jener S e ite  Leute, die in einer W eiter­ ist, das in irgendeiner F o rm  a ls  M annah vom 
entwicklung demokratischer E inrichtungen eine außer­ H im m el fällt, sondern doch im m er n u r ein E in ­
ordentliche G efährdung aller K ulturinteressen er­ kommen, das geschaffen werden muß, das erarbeitet 
blicken. werden m uß von den schaffenden, tätigen K räften in  
(S lad iv . N  e u m a n  n : W oher wissen S ie  d as? ) der N ation . Und diese schaffenden, tä tig en  Kräfte, das sind nun einm al die großen arbeitenden Klassen 
!
W enn das aber der F a ll ist —  und daß es der F a ll der Bevölkerung, also vor allen D ingen  die A rbeiter­
ist, hat ja H err Kollege N eum ann sehr nachdrücklich klasse und alle diejenigen Gewerbetreibenden, die eben 
betont, indem er hervorhob, daß die Rechte abgestuft tatsächlich schwer zu arbeiten haben.
werden m üßten, nach dem Einkom m en, nach dem V er­
mögen — , (Z urufe  und Heiterkeit.)
(Widerspruch des S tad tv . N e u m o n n . ) D azu gehören aber nicht alle diejenigen, die auf G run d  unserer Rechts- und Gesellschaftsordnung ohne 
w enn das also der F a ll ist, dann  werden S ie  nicht jede M ühe, ohne jede A rbeit ein Einkommen aus 
erw arten  können, daß w ir u n s  über diesen funda­ R ente beziehen. M eine H erren, wollen S ie  leugnen, 
m entalen Gegensatz einigen; dann können w ir doch daß diejenigen, die das Einkommen a u s  R ente be­
w eiter nichts, a ls  diesen Gegensatz klar zur Anschau­ ziehen, die allergrößten S teu erzah le r sind? Und 
ung bringen, und S ie  können es u n s nicht verübeln, wollen S ie  w eiter behaupten, d aß  diese großen S te u e r­
wenn w ir der M einung sind, daß tatsächlich in der zahler, die a u s  ihrem  Einkom m en an . R en te  die 
demokratischen Entwicklung die Zukunft unseres V a­ großen S teu ern  bezahlen, dieses Verm ögen, diese 
terlandes lieg t, daß tatsächlich die allgemeine K u ltu r- R ente, dieses Einkommen nicht au s  der A rbeit 
entwicklung H and in  H and gehen w ird und H and in  anderer beziehen, aus der A rbeit der schaffenden 
H and gehen m uß m it einer weiteren demokratischen S tä n d e ?  Ich  meine, das können S ie  gar nicht. 
A usgestaltung aller E inrichtungen. Also wenn w ir Unsere Rechtsordnung liegt eben so, daß sie imstande 
von diesem Gesichtspunkt au s die entgegenstehende sind, diese R ente zu beziehen.
Anschauung a ls  rückständig, a ls  überlebt, a ls  veraltet 
bezeichnen, so werden S ie  u n s  das nicht sehr übel­ (Z urufe .)
nehmen können. Höchstens können S ie  u n s  einen zu —  M eine H erren, der Zusam m enhang m it den H a u s ­
großen O p tim ism u s vorwerfen, wenn w ir sagen: die besitzern
gegenteilige Anschauung ist schon ganz überlebt. D enn 
S ie  selbst, meine H erren, sind ja  sichtbare Zeugen da­ (G roße Heiterkeit) 
fü r, daß das in  der T a t  etw as zu optimistisch gedacht 
ist, daß tatsächlich diese Anschauung ein gewissermaßen liegt ja nu n  ganz offen auf der Hand.
noch kräftiges Leben führt. - (E rneu te  anhaltende Heiterkeit.)
        
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