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Periodical volume 4. Februar 1914

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1914

Sitzung vom 4 . Februar 1814 31
ist ja nicht neu, aber ich muß ihn wieder erwähnen, Personen, die Hausbesitzer in Charlottenburg sind, 
nämlich-der, daß diejenigen, die die meisten Pflichten hat sich um 56 % vermehrt. Die letztere Zahl scheint 
zu t! füllen haben, auch den Anspruch darauf haben, zu Bedenken Anlaß zu geben; sieht man sie jedoch 
daß ihnen Vorrechte eingeräumt werden. E s näher an, so beweist sie für die vorliegende Frage 
ist allgemein zugestanden, daß in Charlmten- nichts. I n  Charlottenburg waren im üahre 1908 
burg wie überhaupt in Groß - Berlin, die etwa 330 nicht physische Personen Hausbesitzer, und 
Hausbesitzer die Hälfte der Lasten auf sich im Jahre  1912 oder 1913 waren es 520, d. H. es ist 
genommen haben und tragen. D as sind in Berlin ein Zuwachs von rund 180 nicht physischen Personen 
45 % , in Charlottenburg 51 % , in Neukölln 65 %, eingetreten, die Hausbesitzer geworben sind. D as be­
in Schöneberg 53 und in W ilmersdorf 58% . Außer­ weist lediglich, daß auch in Charlottenburg wie in 
dem unterhalten die Charlottenburger Hausbesitzer Groß-Berlin das Elend im Grundbesitz groß ist, daß 
ebenso, wie die in anderen S täd ten , die großen zahlreiche Subhastationen von Häusern stattgefunden 
Unternehmungen der Stadtgemeinden: sie sorgen haben, daß dabei Besitzer zweiter Hypotheken in die 
dafür, daß die Gaswerke, die Wasserwerke, die Elek­ Klemme geraten sind und nicht kapitalkräftig genug 
trizitätswerke ihren Absatz haben und ihre Bezahlung gewesen sind, um das Haus zu erwerben und ihre 
erhalten und noch gute Uebcrschüsse abwerfen. Wenn Hypothekenforderungen zu retten, daß sie sich aus 
Herr Kollege Hirsch sagt, daß die H ausbeü^r damit diesem Grunde haben zusammentun und eine G. nl 
weiter nichts tun, a ls  die Beträge von den M ietern b. H. haben gründen müssen, die das Grundstück er­
einziehen und an die S ta d t abführen, und wenn er worben har. F ü r unsern vorliegenden Fall beweist 
durch diese Erwähnung die Tätigkeit der H aus­ diese Zahl nichts. Wie kann überhaupt das Anwachsen 
besitzer herabzuziehen gedenkt, so irr t er sich. Die einer Zahl von 330 aus 520, das an und für sich schon 
S ta d t könnte einfach nicht m it jedem einzelnen M ieter vollständig sachlich erklärt ist, einen Beweis abgeben 
paktieren und von jedem einzelnen die Beträge ein­ für eine Frage, bei der es sich um 6000 handelt! —  
ziehen, ebenso wenig wie der Fabrikant jedem S o  viele Häuser sind es. Also diese Schlußfolgerung, 
einzelnen Konsumenten die Ware liefern und von die die Wandlung in der Meinung des Herrn Kollegen 
ihm bezahlt erhalten kann; dazu braucht er die Otto hervorgebracht hat, ist irrig.
Zwischenhändler. I n  diesem Falle ist der Zwischen­ Nun noch einige der Gründe, welche für die Ab­
händler zwischen den Bürgern und der S ta d t der schaffung des Privilegs sprechen sollen. I n  erster 
Hausbesitzer. E r trägt auch dabei das Risiko; denn Reihe heißt es: das Gesetz ist alt, also ist es veraltet. 
die S tad t bekommt wohl ihre Lieferungen vollständig D as klingt ja sehr folgerichtig, aber es klingt auch eben 
bezahlt, aber ob jeder M ieter wirklich bezahlt, das nur so. Ein Gesetz, das 100 Jahre  alt ist, ist als 
steht auf einem andern B latt. Wer Bescheid weiß, Gesetz gar nicht mal alt, denn für ein Gesetz sind 100 
wird m ir zugeben, daß es in sehr zahlreichen Fällen Jah re  kein sehr ehrwürdiges Alter. W ir haben Ge­
nicht so ist. Ferner sorgt auch der Hausbesitzer da­ setze, die Tausende von Jahren alt sind. Wenn man 
für, daß die M üllabfuhr gut funktioniert und ihre sagen wollte: alt, also veraltet, dann müßte die ganze 
Kosten bezahlt werden und die Segnungen dieser Mathematik, die Tausende von Jahren alt ist, auch 
Einrichtung, die hauptsächlich in der Hygiene liegen, in den Papierkorb wandern. M an kann vielleicht 
der Allgemeinheit zukommen. Alle diese Pflichten sagen: als das Gesetz gegeben wurde, waren die Ver­
hat der Hausbesitzer übernommen, und darum kom­ hältnisse anders, die haben sich geändert. D as ist viel­
men ihm auch die entsprechenden Rechte zu. leicht bis zu einem gewissen Grade, aber auch nur in 
E s wäre aber auch unklug, wollte man dem einem geringen Grade, zuzugeben. I n  den kleinen 
Hausbesitzer sein Privileg nehmen. E r ist der Sach­ Städten, um die es sich früher hauptsächlich gehandelt 
verständige der Stadtverordnetenversammlung in hat, ist der Hausbesitz entschieden dominierender, prä­
einer ganzen Reihe von sehr wichtigen und sehr valierender als heutzutage in den Großstädten. Aber 
wesentlichen Geschäften. Wenn es sich um Mieten dem ist entgegenzuhalten: wenn das prozentuale Ver­
und Vermieten, um Grundstückskauf und Verkauf han­ hältnis zwischen Hausbentz und nicht Hausbesitz in den 
delt, wenn es sich um Bewirtschaftung und Be­ Großstädten gegenüber den Kleinstädten gefallen ist, 
bauung handelt, so ist er der gegebene Sachverstän­ so ist dafür der Wert der einzelnen Hausobjekte, die 
dige, der der Versammlung und dem M agistrat zur im Besitze der Hausbesitzer in den Großstädten sind, 
S eite  steht, um für das Wohl der Allgemeinheit zu um ein Vielfaches gestiegen. Wenn in einer kleinen 
sorgen. S radt ein Hausbesitzer ein Haus im Werte von 
W er noch ein weiterer Grund ist vorhanden, 50 000 dl besitzt, so gehört dem Hausbesitzer in der 
der für den Hausbesitzer als den gegebenen Vertreter Großstadt ein Haus von 250 000 dt oder 300 000, 400 000 dl und noch darüber. Also wenn die Einzel­
der S tad t spricht: das ist die Seßhaftigkeit, die ihm 
innewohnt, die Seßhaftigkeit, die schon eine Folge zahlen kleiner geworden sind, so sind sie desto schwerer 
seines .Hausbesitzes allein ist. Auf die freizügigen geworden. Diese Wandlung in den Verhältnissen hat 
M ieter ist in dieser Beziehung längst nicht soviel sich reichlich ausgeglichen.
Verlaß, wie auf den seßhaften Hausbesitzer. Die Be­ Eine Anzahl von Kollegen glaubt, für die Ab­schaffung des Privilegs deshalb stimmen zu müssen, 
weisgründe, die hiergegen angeführt sind und die 
daraus hinzielen, daß der HauÄesitz von Chorlotten­ weil sie der Meinung ist, dann um so freier von der 
burg gar nicht in der Hauptsache von seßhaften Leber weg in den Versammlungen reden und für den 
Bürgern innegehabt wird, will ich einmal der Kritik Hausbesitz eintreten zu können.
unterziehen. (Andauernde Unruhe.)
Herr Kollege Otto hat eine Statistik hier vor­
gebracht. die darin gipfelt: in den letzten fünf Jahren Meine Herren Kollegen, die S ie  Hausbesitzer sind, 
hat sich der Bestand der Häuser in Charlottenburg glauben S ie  denn, daß S ie mehr wirken können für 
um 4,4 % vermehrt, die Zahl der Hausbesitzer, die den Hausbesitz, wenn S ie  nicht als Hausbesitzer ge­
gleichzeitig Bürger von Charlottenburg sind, hat sich wählt sind? Da irren S ie  sich ganz gewaltig. Und 
um 10,6 %  vermehrt, die Zahl der nicht physischen wenn S ie  als Hausbesitzer für den Hausbesitz eintreten.
        
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