Path:
Periodical volume 16. Dezember 1914

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1914

Sitzung vom 16. Dezember 1914 3 4 5
zur Erdbodenhöhe abgerissen, und die ganze Bau­ —  Das steht nicht in meinem Antrag, aber ich hätte 
stelle liegt setzt bradfr da. Weiter ist auf diesem Platz es trotzdem gern gesehen, wenn Sie auch diesen Wunsch 
bisher nichts gemacht worden. Zur Entschuldigung ausgesprochen hätten.
wird angeführt, daß man jetzt keine Fuhrwerke be­
kommen könne, um Ausschachtungsarbeiten usw. Vorsteher Dr. Frentzel: Der vorliegende Antrag 
vorzunehmen. Ich meine aber, wenn m it einer ist von dem Herrn Stadtv. Scharnberg im Namen der 
großen und leistungsfähigen F irm a Abschlüsse ge­ Antragsteller zurückgezogen worden; deswegen er­
macht worden sind, so wird sie wohl in der Lage sein, übrigt sich auch eine Abstimmung darüber. Zum 
Arbeitsmaterial heranzuschaffen. Worte ist niemand mehr gemeldet. W ir verlassen 
daher diesen Gegenstand und kommen zu Punkt 7:
(Zuru f: Es gibt keins!)
Antrag der Stadtv. Dr. Byk und Gen. betr. Auswärts­
— Es gibt schon welches. wohnen der Beamten. —  Drucksache 255.
Was den Arbeitsnachweis und seine Verm itt­ (Der Antrag lautet:
lung angeht, so kann ich Herrn Stadtrat Dr. Spiegel 
m ir das eine sagen, daß die Arbeitsnachweise der D ie Versammlung ersucht den Magistrat, ent­
privaten Vereinigungen ganz anders aufgesucht sprechend den Grundsätzen jeder einzelnen an­
werden. Dorthin geht der Arbeiter m it ganz an­ deren städtischen Verwaltung G roß -B erlins  
deren Gefühlen als zum städtischen Arbeitsnachweis, darauf zu achten, daß die städtischen Beamten 
und zwar wegen der eigenartigen Behandlung, die Charlottenburgs hier Wohnung nehmen.)
sich im Laufe der Jahre in diesen Arbeitsnachweis 
eingeschlichen hat. Ich erinnere S ie an die verschie­ Antragsteller Stadtv. Dr. Byk: Meine Herren! Ich habe den hier zur Beratung stehenden Antrag 
denen Debatten, die w ir hier im Hause schon darüber eingebracht, weil ich in letzter Zeit hauptsächlich in 
gehabt haben. Deswegen steigt bei uns, Herr meiner Eigenschaft als Arzt wahrgenommen habe, daß 
Kollege Otto, das bestimmte Gefühl auf, daß nicht eine größere Zahl von auswärtigen Beamten ge­
alles so ist, wie es sein sollte, und w ir freuen uns, zwungenermaßen Charlottenburg den Rücken gekehrt 
daß unser Antrag eventuell dazu beiträgt, daß ein hat; und wie ich weiter festgestellt habe, hat nur bei 
anderes Tempo eingeschlagen wird. einem einzigen Beamten keine -direkte Veranlassung 
vorgelegen, außerhalb des Ortes, in dem er tätig ist, 
Stadtv. Scharnberg: Herr Kollege Brode führte zu wohnen: in  allen übrigen Fällen jedoch hat be­
aus, daß er von uns, die w ir den Arbeitern näher­ gründete Veranlassung bestanden, daß die Beamten 
ständen als eine ganze Reihe der übrigen Herren, weiter außerhalb des Ortes, in dem sie tätig sind, 
nicht vermutet hätte, daß w ir den Antrag in dieser wohnen. M ir  find dann noch weitere Fälle mitge­
Weise vertreten würden. Ich möchte Sie daran er­ teilt worden, in denen in scharfer Weise von -den ein­
innern, daß uns in der ersten Sitzung während des zelnen Gemeinden vorgegangen worden ist, um die 
Krieges doch vom Magistrat gesagt wurde, w ir hätten Beamten, die auswärts wohnen, zu sich herüberzu­
zurzeit andere Aufgaben zu erfüllen, für andere Zwecke ziehen.
wäre kein Geld vorhanden, w ir hätten nur m it dem Ich möchte auch darauf aufmerksam machen, -daß 
Krieg zu rechnen. W ir haben aber unfern Antrag in schon in einem Artikel des Berliner Tageblatts vor 
der Weise, wie es geschehen ist, vertreten, weil w ir mehr als -einem Jahre speziell m it Berlin scharf des­
nicht der Ueberzeugung sind, daß w ir augenblicklich wegen abgerechnet worden ist, weil die Maßnahmen, 
nur m it dem Krieg' zu rechnen haben, sondern ich bin die Berlin gegen die auswärts wohnenden Beamten 
fest überzeugt, daß Preußen und auch Charlotten­ trifft, sehr hart sind. So war ein Fall angeführt wor­
burg bestehen bleiben wird. Und der Magistrat den, in dem das Gesuch eines Beamten, dem von dem 
besten Patriotismus doch an verschiedenen Stellen in Kreisarzt ein Zeugnis -darüber ausgestellt worden 
ein besonderes Licht gerückt worden ist, der wird, war, daß er seiner schwerkranken Frau wegen außer­
glaube ich, noch fester an dieser Ueberzeugung halten, halb wohnen könnte, was auch von dem Stadt- 
als es uns vielleicht zugemutet wird. Bei der gegen­ medizinalrat gutgeheißen worden war, trotzdem ab­
wärtigen Lage ist. die Schaffung von Arbeitsgelegen­ gelehnt worden ist. Ich weiß weiter, daß außer Berlin 
heit unbedingt erforderlich. Ich möchte hier ausdrück­ die meisten Vororte sehr scharf darauf sehen, daß die 
lich feststellen, daß uns auch diese Motive nur bei Beamten innerhalb des Ortes Wohnung nehmen.
der Stellung des Antrages geleitet haben, und meine Demgegenüber habe ich nun aus dem „grauen 
Fraktionskollegen haben dem zugestimmt. Buche" festgestellt, daß bei uns doch zahlreiche Be­
Nach den Ausführungen des Herrn Stadtbau­ amte und Angestellte außerhalb Charlottenburgs 
rats und des Herrn Bürgermeisters, daß sie bestrebt wohnen, und ich habe weiter festgestellt, daß die Be­
sein werden, die Arbeiten nach Möglichkeit zu fördern, amten innerhalb der letzten Jahre teilweise in dem 
ziehe ich nunmehr unseren Antrag zurück. Orte, wo sie wohnen, die Wohnung geändert haben, 
und daß auch noch in letzter Zeit Beamte von hier 
(Bvavo!) nach außerhalb gezogen sind.
Wenn man nun das Fazit dieser Rechnung zieht, 
Ich hätte aber von Herrn Kollegen Otto erwartet, daß so kommt man zu dem Resultat, daß sie sehr bald zu 
er dem Magistrat gegenüber auch den Wunsch aus­ unseren ungunsten ausfallen wird. Denn wenn die 
gesprochen hätte, bei Vergebung von Arbeiten un­ Grundsätze der anderen Kommunen aufrecht erhalten 
bedingt darauf zu halten, daß die tarifmäßigen Löhne werden —  und es liegt alle Veranlassung vor, das an­
gezahlt werden. zunehmen — , dann wird bald der Tag erscheinen, wo 
in Charlottenburg auswärtige Beamte nicht mehr an­
(Stadtv. O t t o :  Das steht aber nicht in  Ihrem zutreffen sein werden. Demgegenüber ist ja, wie ich 
Antrag!) schon angeführt habe, die Zahl der hier tätigen, aber
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.