Path:
Periodical volume 16. Dezember 1914

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1914

344 Sitzung Dom 16. Dezember 11)14
Augenblick. Aber H err Kollege Gebert fühlt selbst, Auf die Ausführungen des H errn S ta d tra ts  
daß w ir über seine Gefühle hier nicht debattieren Dr. Spiegel möchte ich^noch wegen eines Punktes zu­
können. W enn er uns nicht Tatsachen, zahlen­ rückkommen. H err S ta d tra t Dr. Spiegel hat a ls 
mäßige Unterlagen bringen kann, so sind w ir nicht Beispiel das Kokstragen angeführt und gesagt: w ir 
in der Lage, derartigen allgemeinen Angaben nach­ würden Kokstragen gelernten Arbeitern nicht zu­
zugehen. Diese zahlenmäßigen Unterlagen haben muten, weil es eine körperlich zu schwere Arbeit ist. 
w ir aber durch H errn S ta d tra t Dr. Spiegel bekom­ Ich  finde diese Auffassung außerordentlich milde; 
men, w ir haben die Zusicherung seitens des H errn denn den Nachteil würde doch nur der Unternehmer 
S tad tb au ra ts  erhalten, daß von der Hochbaudepu­ haben, wenn m an schwächliche Arbeiter hierzu heran­
tation  und auch vom M agistrat alles geschieht und ziehen würde: es ivürden dann einfach anstatt eines 
geschehen wird, w as möglich ist, um den Erw eite­ A rbeiters zwei Arbeiter notwendig sein, um einen 
rungsbau zu fördern. Diese Erklärung genügt uns, Kokskorb zu tragen, oder ein Arbeiter würde eben 
und wenn der Antrag aufrechterhalten wird, werden nur einen halb gefüllten Kokskorb tragen und die 
meine Freunde gegen ihn stimmen. Arbeit würde fü r den Unternehmer das Doppelte 
kosten, während die Arbeiter selbst ihren vollen Lohn 
Bürgermeister Dr. Maier: Ich möchte gegen­ erhalten sollen.
über den Ausführungen des H errn S tad tv . O tto Also ich finde, daß man nach der Richtung hin 
nur bemerken, daß w ir m it Rücksicht aus die A us­ schon außerordentlich weit gegangen ist. Ich weiß, 
führungen des H errn S tad tb au ra ts  Seeling zwar daß gerade auf dem Gebiete des Kohlen- resp. Koks­
den A ntrag für erledigt erachten, uns aber in keiner transportes außerordentliche Schwierigkeiten be­
Weise etwa dahin festlegen wollen, daß zu irgend stehen, und w ir wollen n u r hoffen, daß w ir diese 
einem bestimmten T erm in m it deni B au  der Bade­ milde W itterung behalten. Bekommen w ir einen 
anstalt begonnen werden müßte. .Kälterückschlag, so stehen w ir wirklich vor der Ge­
fahr, daß w ir nicht genügend Arbeiter haben, um 
(S eh r richtig!) den Koks in  die Häuser hineinschaffen zu können.
E s  sind für die Frage des B eginns der Bauarbeiten 
für die Badeanstalt ja noch ganz andere Gesichts­ Stadtv. Gebert: M eine Herren! H err Kollege 
punkte a ls die bisher geäußerten zu beachten. W ir O tto  hat erklärt, daß ich gesagt habe: ich hätte das 
ziehen diese hier nicht in  den Bereich der E rörte­ Gefühl usw. D a s  trifft zu, ich habe diesen Ausdruck 
rung, weil es zwecklos ist, D inge zu besprechen, die gebraucht. A llerdings brauchen w ir u n s über die 
sich bereits aus anderen G ründen erledigen. D es­ Gefühle nicht zu streiten, denn der eine fühlt so und 
wegen möchte ich bitten, die Feststellung, die S ie  ge­ der andere so, und wenn ich aus der einen Seite  die 
troffen haben, m it der Einschränkung gelten zu Ausführungen des M agistrats vor fünf M onaten in 
lasten, die aus meinen Ausführungen ersichtlich ist. Betracht ziehe und die heutigen Ausführungen da­
gegen halte, dann kann ich mein Gefühl nicht unter­
(Zustimmung.) drücken, dann kommt es eben zum Durchbruch, dann 
>abe ich eben das Gefühl, daß dem M agistrat die 
Förderung dieses Baues nicht so sehr angelegen ist.
Stadtv. Brode: Ich  habe mich besonders
darüber gewundert, daß gerade die beiden Kollegen W enn H err Kollege O tto  ferner sagt, der A n­
Gebert und Scharnberg, von denen man doch eigent­ trag scheine ihm nach den 'Ausführungen der beiden 
lich annehmen sollte, daß sie den Arbeiterkreisen Herren M agistratsvertreter erledigt zu sein, so bin 
nahestehen und daß sie wissen, wie es auf dem A r­ ich nach den Ausführungen des H errn Kollegen O tto 
beitsmarkt aussieht, hier den A ntrag in dieser Weise nicht dieser M einung, sondern ich sage: dieser A n­
vertreten haben. W er wie ich im  Baugewerbe steht trag wird dazu beigetragen haben, daß im Kreise des 
und weiß, was für Schwierigkeiten heute vorlieoen, M agistrats nicht allein in bezug auf den B au  der 
um genügend Arbeiter zu bekommen, der wird sich Badeanstalt in  der Krummen S traße , sondern auch 
nicht genug wundern können, daß in dieser Zeit ein bei allen später kommenden Unternehmungen unter 
derartiger A ntrag gerade von der linken S e ite  ein­ Umständen ein schnelleres Tempo eingeschlagen wird. 
gebracht wird. M eine Herren, das ist schon bis dato ein typisches 
A ls w ir seinerzeit bei Beginn des Krieges N o t­ Zeichen hier gewesen: wenn es sich darum  handelte, 
standsarbeiten ausführen lassen wollten, war das Notstandsarbeiten zu unternehmen, dann hatten 
eine sehr berechtigte Absicht. Heute würde aus der w ir in  den meisten Fällen keine, und wenn nachher 
N ctstandsarbeit eine N ot für den Ausführenden die Arbeitslosigkeit etwas abgeflaut war, dann hieß 
herausschauen; denn es würde, wenn wir heute z. B . es wieder: jetzt brauchen w ir keine Notstandsarbeiten 
die Badeanstalt ausführen sollten, eine wirkliche N ot zu unternehmen, es ist kein Notstand mehr da. I n  
eintreten, um genügend gelernte Arbeiter gerade für den 8 Jah ren , in denen ich hier im Hause sitze, habe 
die Herstellung eines derartigen Bauwerks zu er­ ich jedes J a h r  diese Ausführungen gehört. Also es 
halten. E s  kommen bei dieser Badeanstalt a ls A r­ ist doch nicht so, wie es uns hier erzählt wird. W enn 
beiter vor allen D ingen Rohrleger und Schloster in uns jetzt gesagt wird, dieser B au  solle m it allen 
Frage, an denen ein außerordentlicher M angel auf möglichen M itte ln  gefördert werden, so begrüßen 
dem Arbeitsmarkt herrscht, und ich selbst bin ledig­ w ir das m it Freuden.
lich aus dem in der jetzigen Z eit bestehenden A r­ D ann möchte ich noch m it 'ein paar W orten auf 
beitermangel in die Lage geraten, meine B auten die Ausführungen lies H erm  Kollegen Brode ein­
wesentlich später fertigstellen zu können, a ls es unter gehen. H err Kollege Brode hat ganz Recht: wenn 
normalen V erhältnißen der F a ll gewesen wäre. E s es sich um  Schloster und Rohrleger handelte, dann 
toürde also meiner Ansicht nach nichts verkehrter sein, allerdings würde diese F rage Schwierigkeiten be­
als heute ein derartiges Bauwerk, wie es gerade die reiten. Aber so weit ist unser B au  gar nicht, er ist 
Badeanstalt ist, in A ngriff zu nehmen. noch nicht einmal angefangen. D ie Gebäude sind bis
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.