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Periodical volume 16. Dezember 1914

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1914

Sitzung vom 16 Dezember 1914 3 8 9
touren usw. Daß besonders das Baden dem Geist nt der jetzigen Zeit ist es unbedingt notwendig, daß 
und dem Körper außerordentlich dienlich ist und Arbeiten, die Cbarlottenburg zu vergeben hat, in 
daher Einrichtungen dazu erforderlich sind, kann Eharlottenburg bleiben. Wenn unseren Beamten 
wohl nicht in Abrede gestellt werden. höhere Gehälter gezahlt werden müssen, soll man 
Was die Inangriffnahm e von Arbeiten be­ auch die logische Konsequenz ziehen und den Ar­
trifft, so möchte ich daran erinnern, daß der Minister der beitern, den Handwerkern, den Gewerbetreibenden 
öffentlichen Arbeiten bei Ausbruch des Krieges einen dasselbe Recht zubilligen.
Aufruf an die Behörden gerichtet hat, daß möglichst Dann möchte ich noch erwähnen, daß hier mit 
tnele Arbeiten in Angriff genommen werden sollen. den Arbeitern sehr schlecht verfahren wird. Im  
Auch hier vom Magistrat ist öffentlich betont wor­ Arbeitsnachweis soll es vorgekommen sein, daß sich 
den, daß die beste Unterstützung der minderbemittel­ gelernte Arbeiter nach Arbeit gemeldet und ge­
ten Bevölkerung die Zuweisung von Arbeiten sei. wünscht haben, daß ihre Karte gestempelt werde. Da 
Ich muß sagen, daß ich es nicht recht verstehen kann, hat man ihnen zugemutet, nach der Gasanstalt zu 
wie vom Magistrat in dieser Beziehung vorgegangen gehen und Koks zu karren. D as ist nicht jeder­
wird, ich möchte an das Wort erinnern: Richtet euch manns Arbeit; mancher ungelernte Arbeiter ist nicht 
nach meinen Taten, aber nicht nach meinen Worten. einmal in der Lage, diese aufreibende Arbeit zu ver­
Auch die Charlottenburger „Neue Zeit" vom 4. De­ richten. D as ist doch eine Umgehung der Bestim­
zember weist darauf hin; sie schreibt: mungen. W ir haben eine Arbeitslosenunterstützung 
Als der Krieg ausbrach, waren eine ganze in sehr beschränktem S inne beschloßen. Hier mutet 
Anzahl städtischer Arbeiten in Angriff genom­ man den Leuten zu, Koks zu karren. Ich werde die 
men. Es erscheint als ganz selbstverständlich, Namen und Wohnung der Betreffenden nennen. 
daß eben aus Anlaß des Krieges die S tad t­ W ir betrachten das als eine Umgehung, daß man 
verwaltung nur solche Arbeiten weiterführen sich von der Arbeitslosenunterstützung frei machen 
ließ, die dringende waren, alle anderen aber will.
vorläufig ruhen ließ. Speziell beim Bau der F e rn e r  möchte ich noch da rau f hinweisen, daß 
neuen Volksbadeanstalt in der Krummen bei M a le ra rb e iten  in  e in e r Weise verfahren w ird  —
S traße kam es auch darauf an, daß an tech­
nischen Kräften Mangel eintrat, immerhin (Glocke des Vorstehers.)
aber wurde beschloßen, die ausgedehnten Erd­
arbeiten fertig stellen zu lassen, schon allein —  Meine Herren, ich erwähne das aus folgendem 
aus dem Grunde, um den „ungelernten" Ar­ Grunde: ich darf voraussetzen, daß S ie  unserm An­
beitern Verdienst zu geben. Eine kurze Zeit trage zustimmen, der Magistrat wird dann in die 
lang ist auch wirklich gearbeitet worden, dann M aterie eintreten, die Bauverwaltung wird sich da­
hörte Plötzlich alles auf, und die riesige Bau­ mit beschäftigen, die Ausschreibungen vorzubereiten, 
stelle liegt verödet da. um die Arbeiten zu vergeben. Ich möchte eben 
S ie  schreibt w eiter. Laß jetzt der B auplatz in  der darauf hinwirken, daß für die Zukunft diese Dinge 
K rum m en  S t r a ß e  den K indern  a ls  Tum m elplatz ausgemerzt werden, ich möchte auch bei der Ge­
d ien t und daß es ein  W under ist, daß d o rt noch kein legenheit um Ih re  Zustimmung bitten, daß der 
Unglück passiert sei durch A bstürzen der K inder in  Magistrat ersucht wird, bei Vergebung von Arbeiten 
die klaffenden K ellertiefen. —  M a n  m uß  doch auch nur tariftreue Firmen zu berücksichtigen.
bedenken, daß w ir  die erheblichen Z insen für die Vorsteher Dr. Frentzel (unterbrechend): Herr
Grundstücke verlieren . W enn d as  I n s t i tu t  auch kein Kollege Scharnberg, ich habe S ie  bisher aussprechen 
gew innbringendes ist, so ist es doch fü r die gesamte lassen, obgleich es sehr schwer ist, den Zusammen­
B evölkerung ein  d ringendes B e d ü rfn is , die A rbeiten  hang der Dinge, die S ie  erwähnen, mit dem An­
bald zu beginnen. trage, den S ie  und Ih re  Freunde gestellt haben, fest­
Gleichzeitig möchte ich hervorheben, daß bei der zustellen. Ich möchte S ie  aber bitten, in Ih ren  
Vergebung von Arbeiten sehr —  ich möchte den Ausführungen nicht zu weit zu gehen.
Ausdruck nicht gebrauchen: leichtsinnig verfahren 
wird; ich meine, leichtsinnig insofern, als man zu Antragsteller Stadtv. Scharnberg: Ich möchte 
wenig Rücksicht auf Charlottenburger Handwerker bloß dies noch erwähnen, das ist wohl gestattet: Eine 
nimmt. M an geht in die Provinz hinein. M ir hiesige F irm a verlangt einen Gehilfen, schreibt ihm 
liegt hier ein Brief vor, wonach eine Firm a, Wei­ aber zu gleicher Zeit, daß er als Anstreicher zu 63 F  
land & Sohn, die Tischlerarbeiten liefert, ihren die Stunde Beschäftigung haben könne. Der tarif­
Leuten 28 und 42 F  Stundenlohn zahlt. Meine mäßige Lohn beträgt 68 und für gelernte Maler 
Herren, S ie  haben heute schon den Bericht des Herrn 75 -F. Es sind städtische Arbeiten, die auszuführen 
Daurat Winterstein über die Löhne gesehen, die hier sind, und auch auf städtische Arbeiten hat der Unter­
für Tischlerarbeiten gezahlt werden: 75, 80 und nehmer alle Sorgfalt zu verwenden; er wird wohl 
85 H ! E s ist selbstverständlich, daß für 42 F  die schwerlich zu dem Lohn Leute finden, er wird eben 
Arbeiten hier nicht ausgeführt werden können. Die gelernte M aler beschäftigen müßen.
In n u n g  hat auch schon Versammlungen einberufen, Also, meine Herren, über die Notwendigkeit der 
die sich besonders mit diesem Thema zu beschäftigen Errichtung der Badeanstalt, darüber, daß wir soziale 
hatten. D ort hat man seiner Verwunderung darüber Einrichtungen treffen müssen, insbesondere auch auf 
Ausdruck gegeben, und es sind Proteste laut ge­ diesem Gebiet, brauche ich nicht mehr zu sprechen, da 
worden, man müsse endlich in dieser Beziehung Re­ wir uns schon seit 1900 damit beschäftigt haben. Auch 
ntedur schaffen. Jetzt während der Kriegszeit ist es zu dem zweiten Punkt ist nichts mehr zu sagen, daß 
wohl um so dringender angebracht, damit anzu­ wir unbedingt für Arbeitsgelegenheit Sorge zu tragen 
fangen. Ich habe die Ehre, der Hochbaudeputation haben. Die Mittel sind bewilligt, und der Erweite­
anzugehören. Ich habe mein Möglichstes getan. rungsbau der Badeanstalt ist beschloßen. Ich möchte 
W ir verfolgen gewiß keine Kirchturmspolitik; aber S ie bitten, unserm Antrage zuzustimmen.
        
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