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Periodical volume 25. November 1914

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1914

«ttzung vom 2i> November lv l-t 3 2 3
stützungskommistionen arbeiten, durch die'" Angabe Das ist charakteristisch für die Anschauungen, von 
schwer gekränkt ,ühlen und vielleicht eine weitere M it­ denen Sie sich leiten lassen. Dieselben Herren, die 
arbeit 'ablehnen. Ich ersuche Tie also demgemäß, sich sonst bei jeder Gelegenheit stolz als stützen von 
diese bisher anonyme Angabe deutlich zu vervoll­ Thron und Altar aufspielen, zeigen hier, was in 
ständigen und sie zu einer solchen zu machen, der Wirklichkeit von ihrer nationalen Gesinnung zu hal­
man nachgeben, die man prüfen kann. ten ist.
(Bravo!) (Lachen und llnruhej bei der Vereinigten Alten Fraktion.— Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.)
Stadtv. Hirsch: Meine Herren! Es ist selbst- — Jawohl, meine Herren, bei Ihnen fängt die na­
verständlich, daß ich auf den Zwischenfall, den der tionale Gesinnung mit dem Geldbeutel an und hört 
Herr Vorsteher eben erwähnt hat, mit keinem Worte da auf, wo Sic keine Vorteile mehr haben.
eingehe. Wir werden abwarten, ob Herr Kollege 
Byk imstande ist, seine Angaben zu beweisen, und (Unruhe bei der Vereinigten Alten Fraktion.)
werden dann die erforderlichen Maßnahmen er­
greifen. Das hat Herr Kollege Byk durch seine Ausführungen 
Auch zu dem vorliegenden Antrage kann ich mich klar bewiesen, das habcn_ alle Herren bewiesen, die 
sehr kurz fassen; denn es ist ja nichl das erste Mal, in der vorangegangenen Sitzung verlangt haben, daß 
daß wir uns mit diesem Thema beschäftigt haben, der Säckel der Stadt und seht sogar der des Reiches 
und wie ich Herrn Kollegen Byk und die ihm nahe­ den Hausbesitzern zur Verfügung gestellt werden 
stehenden Kreise kenne, werden sie voraussichtlich soll. Herr Kollege Byk rechnet ja schon damit, daß 
noch öfter im Laufe der Zeit Gelegenheit nehmen, 200 Millionen aus der neuen 5-Milliarden-Anleihe 
dasselbe Thema anzuschneiden. Ausgefallen ist mir den Hausbesitzern gegeben werben.
— und das ist charakteristisch für die Anschauungen Ich verzichte darauf, die vielen mißverstandenen 
der Antragsteller —, daß Herr Kollege Byk in seinen Aeußerungen, die Herr Kollege Byk aus allen mög­
Ausführungen kaum mit einem Wort aus den ersten lichen Schriften und Vorträgen zitiert hat, richtig 
Teil des Antrags eingegangen ist. zu stellen. Wenn man von Aeußerungen sozial­
demokratischer Vertreter bis zu Auslastungen in der 
(Sehr richtig! bei den Liberalen und Sozialdemo- „Deutschen Tageszeitung" alles mögliche durchein­
kraten) ander wirft, dann muß naturgemäß der größte W irr­
warr entstehen. Ich will nur betonen: was er über 
der eine ausreichende Staatsbeihilse siir die Ge­ eine Aeußerung von mir im Abgeordnetenhause ge­
meinden im allgemeinen wünscht, sondern daß er jagt hat, stimmt absolut nicht. Ich habe im Ab­
sich fast nur daraus beschränkt hat, ein Klagelied über geordnetenhause verlangt, daß die Löhne für Not­
die Not des Hausbesitzerstandes zu singen und eine standsarbeiten nicht unter die Tariflöhne herunter­
durchgreifende Hilfe für die Hausbesitzer zu ver­ gehen sollen, damit die Lebenshaltung der Arbeiter­
langen. klasse nicht gesenkt werde. Das ist doch etwas we­
Meine Freunde lehnen den Antrag in seinen sentlich anderes, als wenn die Hausbesitzer verlangen, 
beiden Teile« ab. Den ersten Teil deswegen, weil daß ihnen durchgreifende Hilfe zuteil werde für die 
wir zwar aus dem Standpunkt stehen, daß es Vflicht Opfer, die sie aus Anlaß des Krieges zu bringen 
des Reiches und des Staates ist, den Gemeinden zu haben.
helfen, aber nur den leistungsschwachen Gemeinden, 
und, meine Herren, Sie werden mir nicht weis­ (Stadtv. Dr. S t a d t h a g c n :  Wo bleibt denn da 
machen wollen, daß Charlottenburg zu^-m leistungs­ das Opfer, wenn die Lebenshaltung erhalten wird!)
schwachen Gemeinden des Preußischen Staates gehört! 
Den zweiten Teil lehnen wir deswegen ab, weil wir — Wo das Opfer bleibt, Herr Kollege Stadthagen?
keinen Anlaß sehen, den Hausbesitzern noch eine 
größere Hilfe zuteil werden zu lassen, als es ohnehin (Stadtv. Dr. S t a d t h a g e n : Das materielle 
in Charlottenburg schon geschieht. Herr Kollege Byk Opfer!)
hat über die Rot des Grundbesitzes geklagt. Ja, 
darüber sind wir uns alle einig, daß der Grundbesitz Daß Sie das sagen, wundert mich, Sie sollten doch 
sich augenblicklich in einer Notlage befindet. Aber als Vorsitzender einer Unterstützungskommission 
den Beweis dafür, daß die Notlage größer ist als misten, wie ungeheure Opfer die Bevölkerung bringt.
die Notlage des größten Teils der kleinen Gewerbe­ Herr Kollege Bist hat verlangt, daß wir das­
treibenden und des größten Teiles der Bevölkerung selbe tun, was Berlin und was Schöneberg im I n ­
überhaupt, ist er schuldig geblieben. Jeder hat im teresse der Hausbesitzer tut. Meine Herren, wer die 
Kriege Opfer zu bringen. Ich muß sagen, mich Beschlüsse der städtischen Körperschaften in den ein­
überschleicht ein eigenartiges Empfinden, wenn ich zelnen Gemeinden kennt, wird mir darin beipflichten, 
daran denke, daß in demselben Augenblick, Ivo unsere daß es kaum eine Gemeinde in Deutschland, sicher 
Brüder vor dem Feinde stehen, wo sie ihr Leben aber keine Gemeinde von Groß-Berlin gibt, die auch 
aufs Spiel setzen und, wenn sie zurückkehren, dem nur annähernd so viel für die Hausbesitzer tut wie 
Nichts gegenüberstehen —, daß in demselben Augen­ Charlottenburg.
blick eine .Klasse von Interessenten nichts Besseres 
zu tun hat, als immer und immer wieder Klage­ (Sehr richtig!)
lieder über ihre Notlage anzustimmen und Hilfe vom 
Staate zu fordern. Wir haben die Darlehnskasse gegründet, der Magi­
strat hat Ihnen einen Weg gezeigt in seiner Vorlage 
(Sehr richtig! bei den Liberalen und Sozial­ über die Mietdarlehnskaste, wie dem Hausbesitzer- 
demokraten.) stande geholfen werden kann. Sie wollen den Weg
        
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