Path:
Periodical volume 25. November 1914

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1914

322 Sitzung vom -25>.. November 1914
Grundsatz für falsch. T ic  werden dasselbe sagen zu erwünschte Vorschrift nichts weiter bedeutet, 
dem Ausspruche des Reichstagsabgeordnetcn W urm: als daß man den Hausbesitzer m it Gewalt zu­
M an könnte zum Reiche sagen: gib das gunsten seiner M ieter ruiniert, das; man ihn 
Geld, kümmere dich um die Aufbringung der zwingt, den Mietern die Wohnungen zu über­
M itte l jetzt nicht, lassen, obwohl gerade unter diesen Umständen, 
und zu folgender Behauptung: wo es sich um längere Rückstände handelt, an 
Andererseits, w a s  n u f a l l  e n G e b i e- ein Rückzahlen auch nicht im entferntesten zu 
l c u d e r M r i e g S f ü r s  o r g  e zu b e a ch - denken ist. So ll jemand unterstützt werden, so 
t en  ist: es ist doch eigentlich selbstverständlich, ist doch darüber der Staat oder die Gemeinde die zuständige Stelle, aber doch nicht der ein­
das; nicht die Gegenwart, die schon durch Geld- zelne Privatmann, ob er nun Hausbesitzer 
uiid Menschenopfer ohnehin so schwer zu leiden 
hat, mit den Kriegskosten belastet wird, son­ oder Fleischer ist. Wie bereits oben gesagt, ivas würde die Öffentlichkeit dazu sagen, 
dern das; diese mindestens auf eine Generation 
verteilt werden, das; also diese Lasten durch wenn man genau denselben Paragraphen auf die ebenso wichtig wie die Wohnungsfrage er­
Anleihen, die in einigen Jahrzehnten zu amor­ scheinende Lebensmittelfrage anwenden wollte? 
tisieren wären, gedeckt werden.
H i e r i sta u S d r ü c k  l ich z u m A u S d r u ck g e - —  Alles das muß, wie man annehmen sollte, 
b r a ch k , „iv a s a u f  a l l e n  G e b i e t  c it d e r an maßgebender Stelle bekannt sein, und trotz­
K r i e g s f  ü r s o r g e u b c a ch t e n i st." dem wird nirgendwo eine Stimme zur Ab­stellung dieser Ungerechtigkeit laut, handelt es 
Dann har ein bekannter Berliner Arzt, sich doch nur um den „P aria " des deutschen 
Dr. Munter, gesagt: . Gesetzes, den Haustyrannen.
Ohne Unterschied der Partei erkennen w ir 
die gemeinsame Pflicht des ganzen Volkes an, Andererseits hat die „Post" mitgeteilt, das; nach 
diejenigen Mißstände schnell zu beseitigen, die ihrer In form ation die Anregung, schwächeren Ge­
gerade durch den Krieg in der Hauptsache be­ meinden für Zwecke des in großer Notlage befind­
dingt sind. lichen Hausbesitzes und einer Arbeitslosenunter­
Ich kann auch den Herrn Kollegen Hirsch selbst stützung in  Bar aus staatlichen M itte ln  Zuschüsse zu 
zitieren, der in der Sitzung des Landtages aesagt hat zahlen, bei den in Frage kommenden preußischen M i­
allerdings auch wieder in bezug auf die Arbeiter­ nistern eine „so entgegenkommende Aufnahme" ge­
klasse - , „das; ein senken der Lebenshaltung nicht funden hat, „daß eine Berücksichtigung aus dem 
vorkommen darf." Kriegskredit bestimmt erhofft werden darf". —  Wenn diese M itte ilung zutrifft, so ist das zu er­
(Stadtv. H i r s c h :  I  bewahre! Lesen S ie doch warten. was ich in meinem Antrage zum Ausdruck 
richtig!) gebracht habe.
Ebenso ist m ir in einer Notiz aufgefallen, daß 
—  S ie  sagten, das; die beabsichtigten Notstandsarbei­ das, was w ir erstreben, i n O e  st e r r e i c h  b e r e i t s  
len nicht ein Sinken der Löhne zur Folge haben s e i t  z e h n  Wo c h e n  bes t eh t ;  d e n n  d o r t  h a t  
dürften. der  S t a a t  di e G a r a n t i e  f ü r  d i e  M i e t e n  
ü b c r n o ni m e n.
(Stadtv. H i r  s ch: Notstandsarbeiten.) Ich hoffe also, daß Sie meinem Antrage eine 
wohlwollende Berücksichtigung zuteil werden lassen 
—  Ja. Was ich erstrebe, das ist eben, daß nicht blos; und den Antrag nach Lüge der Verhältnisse für 
die Arbeiterklasse berücksichtigt wird, sondern das; durchaus berechtigt anerkennen werden.
auch die anderen n o t l e i d e n d e n  Bürger, zu 
denen die (Grundbesitzer gehören, ebenso wie die A r Vorsteher Dr. F reichet: Herr Kollege Byk! S ie 
beiter berücksichtigt werden. haben sich in Ihren Ausführungen auch m it der 
Ich bitte den Herrn Vorsteher, m ir noch wei­ Tätigkeit der Unterstützungskonimissionen beschäftigt 
ter zu gestatten, einige Sätze aus einer Zeitung vor­ und haben dabei eine Angabe gemacht, wonach einer 
zulesen. Es schreibt die „Deutsche Tageszeitung": Unterstützungssucherin, wie ich annehmen muß —  und 
Es ist seltsam, das; gerade diesem einen das Stenogramm unterstützt diese meine Annahme —  
Stande gegenüber das Rechtsbewußtsein des ein Rat von einer dieser Kommission angehörenden 
deutschen Volkes versagte. .Vom einmal eine Persönlichkeit gegeben werden ist, der durchaus gegen 
harte und vielleicht nicht als gerecht empfun­ Ehrbarkeit und gute S itte verstößt. Ich w ill den 
dene Steuer auf, wen betraf sie? Sicherlich W ortlaut hier nicht noch einmal verlesen. Ich kann 
den Hausbesitzer. Wie ist es möglich, das; diese von meinem Standpunkt aus Ih re  Angabe hier nur 
Instanzen (Zentralinstanzen) so wenig Füh­ bedauern. Ich muß aber von Ih re r Loyalität als 
lung m it den betreffenden Kreisen, m it den Stadtvekordneter erwarten, daß Sie nunmehr, nicht 
obwaltenden Verhältnissen haben! Welcher hier in dem Saal, wohl aber dem Herrn Bürger­
Behörde würde es z. B. einfallen, einen F le i­ meister als demjenigen, der die Geschäftsführung der 
scher, einen Bäcker, einen Apotheker zu zwin­ sämtlichen Kommissionen überwacht, genaue Details, 
gen, jedem beliebigen Kunden seine Waren auf Namen und alles Zugehörige, angeben, damit er in 
Kredit auszuhändigen.. .  ? Es ist ein w irt­ der Lage ist, volle Aufklärung über diesen Fa ll zu 
schaftliches Unding, den Satz proklamieren zu verbreiten.
wollen: Jedermann kann ruhig wohnen blei­
ben, auch wenn er seinen Verpflichtungen aus (Bravo!)
dem Mietverträge nicht nachkommt. Ja, gibt 
es denn ait den maßgebenden Stellen keine ein­ Sollte das nicht geschehen, so müßte ich fürchten —  
zige Persönlichkeit, welche einen Einblick in die und eine Erklärung, die m ir von verschiedenen Kol­
wirkliche Lage hat, die einsieht, daß diese an legen abgegeben worden ist, bestätigt dies — , das; 
sieb vom Standpunkt der Humanität aus sehr sich sämtliche Herren, die an der Spitze der Unter-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.