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Periodical volume 14. Oktober 1914

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1914

274 Sitzung vom 1 . Oktober 1914
selbst einige Wünsche schon privatim den Herren ge­ 2. Die für den Bau und die Einrichtung erfor­
äußert. Es handelt sich um folgendes. Bei einer derlichen Mittes im Betrage von 275 000 Jl 
Infektionsabteilung von 20 Betten wird man, sind wie folgt zu decken:
glaube ich, kaum ohne ein wirkliches Kranken- 160 000 Jl sind aus den bei anderen Kran­
schwesterzimmer auskommen. Hier ist nur ein Ta­ kenhausbauten (Kotilenschuppen, Blumen­
gesraum vorgesehen, in dem dienstliche Arbeiten zu halle, Leichlkrankenhäuser und Haus für 
erledigen sind und wo die reine Wäsche aufgespeichert Tpezialbehandluug) entstandenen oder noch 
wird. Ich bin der Meinung, daß man das eine zu erwartenden Ersparnissen zu entnehmen,
kleine Zimmer zwischen den beiden, die mit meh­ 115 000 J l sind bei dem Anleihe-Sammel- 
reren Betten belegt werden sollen, so einrichten kann, sonds zu verrechnen.
daß es, wenigstens in normalen Zeiten, auch als 3. Die an die Grundeigentumsverwaltung zu er­
Schwesternzimmer zu benutzen ist. Das läßt sich stattende Grundstückspacht für 1. 10. 14 bis 
einfach dadurch machen, daß nach beiden Seiten hin 31. 3. 15 im Betrage von 10 000 J l wird aus 
— das eine ist ein Zimmer mit 6 Betten, das an­ dem Dispositionsfonds bewilligt.)
dere mit 4 Betten — große Fenster angebracht wer­
den. Dadurch schafft man einen Aufenthaltsraum Vorsteher Dr. Freutzel: Das Protokoll der heu­
für die Schwester, von dem aus sie die kleinen Kin­ tigen Sitzung vollziehen die Herren M ottet Pan- 
der dauernd beobachten kann, so daß sie nicht dar­ schow und Peesch.
auf angewiesen ist, Tag und Nacht hin- und herzu­
laufen, was bei kleinen Kindern, die in der Infek­ W ir fahren in der Tagesordnung fort mit 
tionsabteilung untergebracht werden, doch vielleicht Punkt 7:
nicht ganz zulässig ist. Bei starker Inanspruch­
nahme der Krankenbetten kann dieses Zimmer dann Vorlage betr. Weiterverpachtung des Ratskellers.
als Notbehelf mit Kranken belegt werden. —  Drucksache 227.
Ferner habe ich einen Wunsch vorzutragen, der 
mehr redaktioneller Art ist. I n  der Vorlage wird Stadtv. Wenig: Meine Herren! Meine
gesagt: die Quarantänestation ist für verschiedene Freunde sind mit m ir der Meinung, daß die Be­
Arten von Infektionskrankheiten eingerichtet, aber gründung, die der Magistrat der Vorlage gegeben 
um Geld zu sparen, ist vorgesehen, daß immer je hat, nicht genügt, insbesondere einige Punkte ver­
zwei Abteilungen Verbindungen für das Pflegeper­ missen läßt, die sehr wohl hätten besprochen werden 
sonal haben; auch das Dienstzimmer, Laboratorium müssen. Wir sind daher der Ansicht, daß ein Aus­
und andere Räume, sogar das Klosett für das schuß eingesetzt werden müsse, den ich hiermit in 
Dienstpersonal sind immer für zwei Quarantäne­ Höhe von 15 Mitgliedern beantrage.
stationen zusammengelegt. Ich möchte das doch für 
nicht angängig halten. Das Pflegepersonal ist, Stadtv. Gebert: Meine Herren! Ich kann
wenn es auch noch so gut geschult ist, im innigen auch im Namen meiner Freunde sagen, daß die 
Verkehr mit den Kranken nicht so infektionsfrei, daß Vorlage des Magistrats uns ein klares Bild nicht 
es nicht zur Uebertragungen von einer Station zur gegeben hat. Auch w ir stehen auf dem Standpunkt, 
andern kommen könnte. Mein Wunsch ließe sich daß es dringend notwendig ist, die Angelegenheit 
ohne jede bauliche Veränderung erfüllen. Man in einem Ausschuß vorzuberaten. Ich möchte mich 
brauchte jetzt nur zwei Quarantänestarionen vorzu­ dem Antrage des Herrn Kollegen Wenig anschließen.
sehen und die Verbindung, die erfolgen soll, nur im 
Notfälle schließen, um in den seltenen Fällen, wo (Die Versammlung beschließt die Ueberweisung 
mehr als zwei Stationen benutzt werden, noch eine der Vorlage an einen Ausschuß von 15 Mitgliedern 
dritte und vierte zur Verfügung zu haben. Das ist und wählt in diesen Ausschuß die Stadtverordneten 
nur eine redaktionelle Aenderung, die ich bloß her­ Bade, Bollmann, Braune, Dunck, Erdmanns- 
vorheben möchte, um nicht diese Verbindungen dörffer, Gebert, Kantzenbach, Laskau, Leupold, 
zwischen zwei Infektionsabteilungen als berechtigt Panschow, Rackwitz, Walter, Weise, Wenig und 
zuzulassen. Wenzke.)
Tann ist die Frage, ob ein Laboratorium in Vorsteher Dr. Frentzel: Punkt 8:
dieser Quarantänestation erspart werden könnte. 
Wesentlich ist es nicht. Professor Umber meinte Vorlage betr. Gründung einer Mietdarlehnskasse.
aber, wenn Pocken zur Beobachtung kämen, wäre — Drucksache 228.
ein besonderes Laboratorium wünschenswert. Die 
Sache ist finanziell nicht so wesentlich, um sie zu be­ Stadtv. Meyer: Meine Herren! Ich werde be­
mängeln. antragen, die Vorlage einem Ausschusse von 15 M it­
Ich glaube daher, daß wir, namentlich um eine gliedern zu überweisen, und in der Annahme, daß es 
Verzögerung zu vermeiden, das Projekt ohne Aus- diesem Ausschusse vorbehalten bleiben muß, die zahl­
ichußberatung annehmen sollen, damit möglichst bald reichen wichtigen Einzelheiten der Vorlage einer 
die dringend notwendige Infektionsabteilung eröff­ gründlichen Erörterung zu unterziehen, beschränke 
net werden kann. ich mich heute auf einige wenige, mehr grundsätzliche 
(T ic Versammlung beschließt mit großer Bemerkungen.
Mehrheit nach dem Antrage des Magistrats, wie Unsere heutige Tagesordnung enthält z we i  
folgt: V o r l a g e n ,  die im wesentlichen darauf gerichtet sind, zur Aufrechterhaltung des Wirtschaftslebens 
1. Der Errichtung von Leichtbauten auf den während des Krieges einen unter der jetzigen Lage 
städtischen Grundstücken Neuer Fürstenbrnnner notleidenden Teil der Bevölkerung, nämlich den 
Weg 10— 14, die zur Aufnahme von Jnfek- H a u s b e s i tz, zu stützen. Die eine dieser Vorlagen 
tionskranken dienen sollen, wird zugestimmt. wird nachher als dringliche unserer Beratung unter-
        
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