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Periodical volume 12. August 1914

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1914

2 44 Außerordentliche Sitzung vom 12. August 1914
sei es direkt von Stadt wegen, sei es durch Bildung Stabtö. Vogel: Ich habe darauf zu bemerken, 
einer besonderen Organisation, eine Darlehnskasse zu daß ich keine Vorlage einbringen, sondern mir nur 
gründen, welche die Möglichkeit gibt, auf andere Ver­ Auskunft erbitten w ill über einen Antrag, der schon 
mögenswerte als solche, die die Kriegsdarlehnskassen vor 10V2 Jahren eingebracht worden ist, der inzwi­
nehmen, Gelder zu erhalten. Ich weise darauf hin, schen zur Erwägung gestanden hat und wohl lange ge­
daß die Kriegsdarlehnskassen selbst gut fundierte nug zur Erwägung gestanden hat. Was mich gerade 
Aktien in der Regel nicht nehmen werden, daß Hand­ jetzt dazu veranlaßt, diese Anfrage zu stellen, das ist 
werksmeister sicher eingehende ausstehende Forderun­ allerdings der Vorgang bei den Privatleihanstalten. 
gen in Tausenden von Mark haben können und daß Diese weisen die meisten Sachen zurück, sie nehmen 
es ihnen nicht möglich ist, darauf auch nur einige hun­ überhaupt nur Gold und Juwelen. Dagegen nehmen 
dert Mark zu bekommen, um ihren Betrieb aufrecht­ die Leihämter von Neukölln und Lichtenberg  --------
zuerhalten. Ich weise ferner darauf hin, daß es Haus­
besitzer in großer Zahl gibt, die wertvolle Häuser (Glocke des Vorstehers.)
haben, welche ihnen in regelmäßigen Zeiten einen Vorsteher Dr. Frentzel: Herr Kollege Vogel! Die 
Ucberschutz abwerfen, der ganz bedeutend ist, Praxis der privaten Leihämter
(Unruhe) (Stadtv. V o g e l :  Das sind städtische!)
und daß auch diese Mitbürger unter der Not leiden, auch der städtischen beschäftigt uns jetzt nicht. Ich 
M itte l flüssig zu machen. kann nicht zulassen, daß hier Anfragen gestellt werden, 
(Unruhe.) die mit dem Thema nichts zu tun haben.
Eine solche Darlehnskasse soll z. B. in Wilmersdorf (Stadtv. V o g e l :  Ich stelle keinen Antrag, sondern 
errichtet werden. nur eine Anfrage!)
(Andauernde Unruhe und Zurufe.) —  Auch keine Anfrage. S ie haben gesagt. Sie wollen 
Vorsteher Dr. Frentzel (unterbrechend): Herr eine Anfrage stellen. Herr Kollege Vogel, nötigen 
Kollege Liepmann! Sie weichen entschieden sehr weit Sie mich nicht, Ihnen das Wort zu entziehen. Das 
vom Thema ab. Ich habe Sie bisher sprechen lassen; würde m ir sehr leid tun.
aber Sie sehen, selbst in den' Reihen Ih re r Kollegen Da sich niemand mehr zum Worte gemeldet hat, 
wird es übel empfunden, und ich muß den Herren fannjeb die Debatte'hiermit schließen.
recht geben. (Die Versammlung beschließt einstimmig nach dem Antrage des Magistrats, wie folgt:
Stadkv. Dr. Liepmann: Ich wollte weiter nichts, Zur Durchführung von Maßregeln der 
als die Gedanken der Versammlung und insbesondere Lebensmittelversorgung behufs Steuerung einer 
des Magistrats aus diese Frage hinzulenken und zu Lebensmittelteuerung wird ein Betrag bis zur 
bitten, mit möglichster Beschleunigung eine Vorlage Höhe von 1 M illion  Mark als Betriebskapital 
vorzubereiten, welche geeignet ist, dieser Not in breiten aus bereiten M itte ln (Vorschüssen) zur Per­
Klassen der Bürgerschaft zu steuern. fügung gestellt.)
Bürgermeister Dr. Maier: Ich halte die Anregung W ir kommen nun zum Nachtrage zur Tages­
des Herrn Dr. Liepmann für durchaus dankenswert ordnung, Punkt 1:
und mache darauf aufmerksam, daß eine solche Vor­
lage in Vorbereitung ist, über die w ir morgen im Vorlage betr. Bewilligung von Mitteln zur Ver­
Magistrat beraten werden, so daß möglicherweise am pflegung von Truppen, die den Bahnhof Westend 
nächsten Mittwoch bereits hier darüber Beschluß gefaßt passieren. —  Drucksache 186.
werden kann. Hierzu ist ein Antrag von den Herren Dr. Liep­
(Bravo!) mann, Dr. Byk, Neumann, Otto, Riesenberg und ver­
Stadt». Vogel: Meine Herren! Ich möchte auch schiedenen anderen Herren eingegangen, der folgender­
noch an die Anregung anknüpfen und an einen An­ maßen lautet:
trag erinnern, den w ir schon vor über 10*4 Jahren Der Volks-Kaffee- und Speisehalle zu 
eingebracht haben, nämlich an den Antrag auf Errich­ Charkottenburg wird für die Zwecke der Trup­
tung eines städtischen Leihamtes. W ir haben ja schon penspeisung in Charlottenburg eine Summe von 
eine ganze Reihe von Hilfsaktionen unternommen; 1000 dH zur Verfügung gestellt.
aber für gewisse Kreise-------- Das Wort hat der Kollege Liepmann.
Vorsteher Dr. Frentzel (unterbrechend): Herr Stadt». Dr. Liepmann: Meine Herren! Die 
Kollege Vogel! Auch hier ist es m ir nicht möglich, Truppenspeisung ist der Volks-Kaffee- und Speise­
den Zusammenhang Ihres Vorschlages mit dem, was hallengesellschaft schon vor IV 2 Jahren durch Vertrag 
w ir zu beraten haben, festzustellen. Es ist sehr aner­ von der Armeeverwaltung übertragen worden, aller­
kennenswert, wenn die Herren- Kollegen sich bemühen, dings nur insoweit, als noch nicht eingekleidete Reser­
dem Magistrat und • der Stadtverordnetenversamm­ visten und Landwehrleute in Betracht kommen. Nach 
lung noch Wege zu weisen, wie der augenblicklich herr­ den Plänen, die über die Transporte von der Armee­
schenden Not und dem Drang abgeholfen werden kann. verwaltung der Gesellschaft übergeben worden sind, 
Das kann aber nicht in der Weise geschehen, daß irgend­ handelte es sich um 80 000 Mann; es sind aber so 
eine Vorlage herausgenommen wird und, an diese an­ viele eingeschoben worden, daß fast die doppelte An­
knüpfend, alle möglichen anderen Themata angeschla­ zahl von Truppen durch die Gesellschaft verpflegt 
gen werden. Ich möchte S ie bitten —  Sie hören, daß worden ist. Die Verpflegung sollte entgeltlich sein und 
w ir bereits in nächster Woche wieder Sitzung haben nach einem vereinbarten Tarifsatze von den transpor­
werden— , einen Antrag vorzubereiten, damit auch die tierten Mannschaften bezahlt werden. Die Gesellschaft 
übrigen Fraktionen dazu Stellung nehmen können. hat es für richtiger gehalten, die Verpflegung unent-
        
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