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Periodical volume 24. Juni 1914

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1914

234  Sitzung vom :4. Junt 1914
gewisser M itg lieder der S tad tvero rdnetenversam m ­ wiederholen —  in diesem F a lle  g ib t d as  neue Gesetz 
lung  a ls  M itg lieder der S chuldeputation nicht m ehr der R egierung die H andhabe, von sich a u s  ein M it­
erfolgte. glied der S chu ldepu tation  zu ernennen — , er konnte 
M a n  mag nu n  über den Rechtsstandpunkt, wie auch ein anderes M itg lied  der sozialdemokratischen 
er dam als bestand, so oder so denken, jedenfalls be­ P a r te i  präsentieren, oder aber er konnte sagen: da 
steht heute ein anderer Rechlsstandpunkt; denn vor bei d er P rä sen tie ru n g  eines anderen M itg liedes der 
wenigen J a h re n  hat ja  die R egierung  bei dem Schul- sozialdemokratischen F ra k tio n  die B estätigung seitens 
Unterhaltungsgesetz diese M aterie , die m it der Schul- der R egierung  versagt werden w ird, so wollen w ir 
U nterhaltung absolut gar nichts zu tu n  hat, von neuem davon absehen und ein anderes M itg lied  der V er­
gesetzlich m it geregelt, und der preußische L andtag, sam m lung präsentieren.
der ih r in  derartigen Bestrebungen ja  im m er w illig D er W ahlausschuß hat diesen letzteren Weg ge­
F o lge leistet, h a t ih r denn auch das gesetzliche Recht w ählt; er p räsen tie rt nicht ein M itg lied  der sozial­
zuerkannt, die M itg lieder der städtischen Schul- demokratischen F rak tio n , sondern den Kollegen 
D eputationen zu bestätigen. E s  kann also heute über Dr. S tad th a g en . M eine F reu n d e  sind aber der M e i­
Den gegenw ärtigen gesetzlichen S tan d p u n k t keine nung, daß dieser W eg nicht ganz richtig w ar, sondern 
F rag e  sein; nach dem heute geltenden Recht hat die daß angesichts der N ichtbestätigung seitens der R e­
R egierung zweifellos das Recht, ein M itg lied  der gierung w iederum  ein M itg lied  der sozialdem okrati­
S chu ldepü lation  zu bestätigen. schen F rak tio n  gewählt werden sollte. Freilich kann 
D ie  B estätigung ist n u n  versagt worden, und m an sagen, daß d a s  eine leere D em onstra tion  sei; es 
zw ar, wie ich auf A nfrage gehört habe, ohne jede A n­ w ürde die B estätigung w ieder versagt werden, und 
gabe eines G rundes. A ber m an braucht ja nach einem wenn w ir dann w iederum  ein M itg lied  der sozial­
G runde  nicht zu suchen, tvenn m an sich d aran  e r­ demokratischen F rak tio n  präsentierten , das dann  
in n e rt, daß vor 16 J a h re n , a ls  die F ra g e  noch un te r vielleicht w ieder gewählt w ürde, so w ürde die B e­
dem früher geltenden Recht in  B e rlin  akut wurde, stätigung von neuem versagt. D ie  Sache zieht sich 
seitens des K u ltu sm in is te riu m s ein E rlaß  h erau s­ ziemlich lange h in , und innerhalb  der ganzen Z e it 
gegeben wurde, in  welchem klipp und klar ausge­ fehlt in  der S chu ldepu tation  ein M itg lied , die Schul- 
sprochen w ar, daß sich M itg lieder der sozialdem o­ Deputation leidet in  ih rer A rbeitsfähigkeit.
kratischen P a r te i  zu M itg liedern  einer Schuldepu- M eine H erren , das ist ein  A rgum ent, dessen, ich 
ta tio n  nicht eignen, und daß die R egierungen a n ­ w ill e inm al sagen, V ernünftigkeit, dessen R a tio  m eine 
gewiesen werden, M itg liedern  der sozialdemokra­ F reunde sich keineswegs völlig verschließen; aber es 
tischen P a r te i  die B estätigung zu versagen. E s  ist frag t sich eben, ob dieses A rgum ent, das  an sich ver­
denn auch seitdem in  konsequenter P ra x is  die B e­ nünftig  ist und  sich hören lassen kann, gegenüber der 
stätigung versagt w orden, und so kann m an ohne B etonung  des W illens der R egierung, die M itg lieder 
w eiteres annehm en, daß auch im vorliegenden F alle  der sozialdemokratischen F ra k tio n  nicht a ls  gleichbe­
die R egierung die B estätigung deswegen versagt rechtigt anzusehen, ausschlaggebend sein m uß. G e­
hat, w eil es sich um  ein M itg lied  der sozialdem okrati­ w iß, solange es sich lediglich um  eine re in  C h arlo tten ­
schen F rak tio n  handelt. burger Angelegenheit handelt, würde ich I h n e n  sagen: 
D a s  Bestreben, die M itg lieder der sozialdemo­ m eine H erren . S ie  haben ganz Recht, es ist eine D e­
kratischen P a r te i  zu B ü rg ern  m inderen Rechtes zu m onstra tion , die zu nichts fü h rt; w arum  sollen w ir 
machen und sie lediglich a u s  d er Tatsache ihrer sozial­ da einige Wochen, vielleicht ein halbes J a h r  oder g a r  
demokratischen G esinnung h erau s m it einem m o ra li­ ein J a h r  lang dem onstrieren und dadurch die ord­
schen M akel zu behaften, ist ja  nicht neu und ist auch nungsm äßige Besetzung unserer S chuldeputation  h in t­
in  der letzten Z e it bei der R egierung noch stärker her­ anhalten  und möglicherweise auch die o rd n u n g s­
vorgetreten a ls  in  den letztvorhergegangenen Z eiten. m äßige E rled igung  ih rer Geschäfte etw as verzögern. 
A ber, m eine H erren, dieses Bestreben hat zum  m in ­ G ew iß, m eine H erren , w enn es sich n u r  um  C h a r­
desten in  diesem S a a le  keinen A nklang gefunden. lo ttenburg  a lle in  handelte, hätten  S ie  Recht; aber es 
S elb st d iejenigen M itg lied er dieser V ersam m lung, handelt sich hier um  eine ganz allgem eine prinzipielle 
die in  den M aßnahm en  gegen die sozialdemokratische F rage, die in  allen  anderen großen S tä d te n  genau 
P a r te i  der R egierung am  weitesten zu folgen gewillt so liegt und  behandelt werden m üßte wie in  C h a r­
sind, haben doch durch ihre S te llu n g n ah m e gerade lo ttenburg .
auch in  der vorliegenden F rag e  bisher im m er bekundet, M eine H erren , wenn S ie  wirklich der feisten 
daß sie die M itg lieder der sozialdemokratischen P a r te i  M einung  sind, w enn S ie  wirklich die Ueberzeugung 
nicht fü r B ü rg er zweiten R an g es erklären wollen, haben, d aß  in  dem gegenwärtigen V orgehen der R e ­
sondern daß sie die sozialdemokratischen M itg lieder gierung nicht n u r  ein Unrecht gegen die sozialdemo­
der V ersam m lung m it den anderen M itg liedern  a ls  kratische P a r te i ,  sondern dadurch auch ein Unrecht 
durchaus gleichberechtigt anerkennen, und sie haben gegen die gesamte Bevölkerung liegt, w enn S ie  der 
das vor wenigen Wochen noch dadurch bekundet, daß M ein u n g  sind, daß diese S te llu n g n ah m e der R e­
sie, dem Vorschlage des Wahlausschusses folgend, das g ierung erschüttert und sie zu einer andern  Auffassung 
vorgeschlagene M itg lied  der sozialdemokratischen veran läß t werden m uß. Dann kann das doch n u r  da­
P a r te i  einstim m ig w ählten . S i e  haben d am als  be­ durch geschehen, daß nicht n u r  eine einzelne S ta d t,  
re its , ich w ill nicht sagen: gew ußt, aber doch m it sondern sämtliche großen S tä d te , sämtliche liberalen 
einem hohen G rade von Wahrscheinlichkeit verm uten S tä d te , alle L iberalen in  den großen S tä d te n  m it 
können, daß die R egierung  ihren S tan d p u n k t in  der großer E inm ütigkeit im m er und im m er w ieder er­
Zwischenzeit nicht geändert h a t und eine B estätigung klären: w ir stehen au f dem Boden des gleichen R echts 
nicht aussprechen, sie vielm ehr versagen w ird, w ie das "ür alle, w ir sind der M einung , daß die sozialdemo­
ja denn auch eingetreten ist. Nachdem die B estä ti­ kratischen M itb ü rg e r nicht B ü rg er zweiten G rad es 
gung versagt w ar, sah sich der W ahlausschuß vor die sind, w ir  sind der M einung , die sozialdemokratischen 
F ra g e  gestellt, nunm ehr einen neuen Vorschlag zu B ü rg e r haben genau so viel Recht zu verlangen, wie 
machen. E r  konnte entw eder denselben Vorschlag w ie alle anderen M itb ü rg e r auch. W enn eine solche ein-
        
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