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Periodical volume 24. Juni 1914

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1914

Sitzung vom 24. Juni 1914 233
A m  26. A p ril  1912 erschien die F r a u  Therese D a s  ist a lle rd in g s ein bißchen knapp, Dann haben 
S leßerm ann in  dem Geschäftszim m er der S chu ldepu­ w ir innerhalb  14 T agen  zwei S itzungen, dagegen 
ta tio n  und zeiche an, daß ihre Tochter E lla , Schü lerin  vom 16. D ezem ber b is  zum  13. J a n u a r ,  also vier 
der I I  0  der 18. Gemeindeschule, vor W eihnachten Wochen lang, keine S itzu n g . A ber, m eine H erren , 
beim T u rn en  gefallen und seit dieser Z e it in  ärztlicher w ir  müssen u n s  ganz nach dem S to ff  richten, ob es 
B ehand lung  sei. A rm  und B e in  der rechten S e ite  eventuell nötig  sein w ird , noch eine S itzung  ein­
seien geschwollen, Aussicht auf Besserung sei vorläufig  zuschieben. Ic h  habe zunächst nichts dagegen.
nicht vorhanden. D urch A nfrage bei dem zuständigen 
R ektor w urde festgestellt, daß F ra u  K ellerm ann diesem (S ta d tv . Dr. L i e p m a n u : Ic h  w ürde es auch 
m itgete ilt hatte, ihre Tochter w äre w ährend einer befürw orten!)
T urnstunde  im  M o n a t N ovem ber hingefallen. A u s 
der V ersäum nisliste  geht hervor, daß die Schülerin  D ie  V ersam m lung ist m it dem Vorschlage des H errn  
K ellerm ann im  N ovem ber 1911 die Schule regel­ Kollegen M a n n , statt d e s  23 . D ezem ber den 16. D e ­
m äßig  besucht hat, ebenso in  den M o n a ten  D ezem ber zem ber zu nehm en, einverstanden.
und J a n u a r .  I m  F e b ru a r  1912 fehlte sie an drei D a m it  ist unsere T agesordnung  erledigt.
T agen . E rst vom 29. F e b ru a r  ab fehlte sie dauernd. 
B e i der K lassenlehrerin w urde sie zunächst wegen Ic h  schließe die öffentliche S itzung .
R h e u m a tism u s und sodann wegen B lu tv e rg iftu n g  
entschuldigt. W ir  tre ten  nunm ehr in  die geheime Sitzung 
D ie  den T u rn u n te rric h t leitende L ehrerin  kann ein, der voraussichtlich eine weitere öffentliche S itzung  
sich au f einen U nfall der S chü lerin  w ährend einer folgen w ird .
T u rn stu n d e  nicht entsinnen. N u r  zwei M itschüle­ (T ie  öffentliche S itzung  w ird  um  7 U hr 
rin n en  behaupten, daß  E lla  K ellerm ann w ährend 29 M in u te n  unterbrocken und um  7 U hr 31 M in u ten  
e ines R u n d la u fs  gefallen und von der T u rn le h re rin  w ieder ausgenom m en.)
aufgehoben w orden sei. D en  T ag  verm ögen diese 
S chü lerinnen  auch nicht ungefähr anzugeben. E in e  Vorsteher Dr. Frcntzel: D ie  Oeffentlichkeit ist 
S chü lerin  sagt a u s , der U nfall hätte  sich am  V o r­ w ieder hergestellt. I c h  eröffne die öffentliche S itzu n g  
m ittag  zugetragen, w ährend die fragliche L ehrerin  zu m it der
der angegebenen Z e it den T u rn u n te rrich t in  dieser 
Klasse n u r  nachm ittags erteilte. Beratung über die Wahl eines Mitgliedes der Schall 
F a l ls  die K rankheit wirklich au f einen U nfall deputation.
zurückzuführen w ar, w as ärztlicherseits zw ar ange­
nom m en w ird , aber nicht bewiesen werden kann, so Stadtv. Dn Borchardt: M eine  H e rre n ! E s  
steht doch nicht fest, daß sie dem angeblichen U nfall in handelt sich h ier um  die W ähl eines M itg lied es der 
d e r Schule zuzuschreiben ist. D a s  K ind kann auch S chu ldepm ation , und der W ahlausschuß schlägt vor, 
zu Hause oder au f der S tr a ß e  gefallen sein. S e lb st hierzu den Kollegen Dr. S ta d th a g en  zu w ählen. 
w enn  aber angenom m en werden sollte, daß sich der M eine  F re u n d e  haben Einspruch dagegen erhoben. 
behauptete U nfall tatsächlich in  der Schule zuge­ Ich  möchte aber sofort betonen, d a ß  sich dieser E in ­
tragen  hätte  und die K rankheit auf diesen zurückzu­ spruch nickt gegen die P erson  des H errn  Kollegen 
führen  w äre, so könnte doch weder die L eh re rin  noch Dr. S ta d th a g en , sondern dagegen richtet, daß bei 
die S tad tg em ein d e  au f Schadensersatz in  Anspruch diesem Vorschlag d as P r in z ip  ve rlaßen  w orden ist, 
genom m en werden. D en n  w ährend des S p ie le n s  im  die Besetzung der D ep u ta tio n en , also auch der Sckul- 
R u n d la u f  ist eine H ilfsste llung  unmöglich, und ö epu ta tion , entsprechend der S tä rk e  der einzelnen 
w enn ein K ind dabei fä llt, so ist das. w enn nicht auf G ruppen  in  dieser V ersam m lung vorzunehm en. D ie  
eigenes Verschulden, eben n u r  au f einen unglück­ V ersam m lung selbst hat ja  dieses P r in z ip  ebenso wie 
lichen Z u fa ll zurückzuführen, für den n iem and ver­ d e r W ahlausschuß dadurch anerkannt, daß . a ls  vor 
antw ortlich gemacht w erden kann. einigen Wochen die N euw ahl erfolgen sollte, ein M i t ­
A u s  diesen G rü n d en  und w eil eine Ersatzpflicht glied m einer F rak tio n  vorgeschlagen w urde, das 
der S tad tgem einde  fü r etw aige A m tspflichtver­ dann auch von der V ersam m lung  einstim m ing gew ählt 
letzungen der Lehrer überhaup t nicht begründet ist, wurde.
h a t der M a g is tra t die gestellten Schadensersatz- N u n  wissen S i e  alle, m eine H erren , daß zur 
anspräche u n te r  dem 18. S ep tem ber 1912, also vor W ahl der M itg lied er der S ch u ld ep u ta tio n  sich die 
etw a 1 %  J a h re n , abgelehnt. E in e  K lage ist da­ R eg ierung  seit langer Z e it ein B estätigungsrecht, m an 
gegen nicht erhoben w orden. m uß sagen: u su rp ie rt h a t. D en n  die R egierung  
U n te r diesen U m ständen beantrage ich, über die verlangte gegen ^ d a s  bestehende Gesetz das Recht, 
P e t i t io n  zu r T ageso rdnung  überzugehen. M itg lied er d e r S chu ldepu ta tion  zu bestätigen, —  oder auch nicht zu bestätigen, denn in  dem Recht der 
(D ie  V ersam m lung -Beschließt dem gem äß.) B estätigung  liegt natürlich  auch das Recht der Nicht- 
Vorsteher Dr. F r e ic h e ! :  P u n k t 11 der T ages­ Bestätigung, lieber dieses Recht oder Nichtrecht der 
o rdnung : R egierung  ist ja  in  B e rlin  ein jah re langer K am pf ge­
füh rt w orden, und M a r  m it dem E rfo lg , daß die 
Festsetzung der Sitzungstage für das II. Halbjahr 1914. R egierung  stets zurückgewichen ist und  de fa c to  
I n  Vorschlag werden gebracht der 9. und dieses Recht, das sie theoretisch zu haben behauptete, 
2.3. S ep tem b er, der 14. und 28. Oktober, der 11. dann doch im m er nicht ausgeübt hat. D a s  w ar ein 
und 25. N ovem ber und der 9. und 23 . D ezem ber. K am pf, der etwa 40 J a h re  lang  geführt w inde und &ct_ dem die B e rlin e r  S tad tvero rdnetenversam m lung  
(S ta d tv .  M a n n :  Ic h  bitte, anstelle des 23. D e ­ aus ihrem  Rechte Bestand. A ber vor 16 J a h re n  
zem ber den 16. D ezem ber zu nehm en; der 23. D e­ änderte  die B e rlin e r  S tad tvero rdnetenversam m lung  
zem ber ist ein schlechter T ag , da er u n m itte lb a r vor ihren S ta n d p u n k t und eignete sich die Auffassung der 
H eiligabend lieg t!) R eg ierung  an , so daß von da an eine B estätigung
        
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