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Periodical volume 21. Januar 1914

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1914

12 Sitzung vom 2 . Januar 1914
Verhältnis zu Siemens & Halste wäre für die Jn- Aber in diesem Falle hat die Stadtverordnetenver­
kommunalisierung nicht entscheidend gewesen, sie ist sammlung um die Verbesserung der Verkehrsverhält­
damals aus gapz anderen Gründen unterblieben, aus nisse nach dem Stadtteile von Spandau am Rönnen- 
Gründen, die in den widerstreitenden Interessen der dämm meines Erachtens in keiner Weise mehr Ver­
Kommune Spandau und der Kommune Charlotten- dienste als der Magistrat. W ir haben vom ersten 
lmrg zu suchen sind. Lediglich diese Interessen Häven Tage an, als die Firma Siemens & Halste den 
zu einer anderen Abgrenzung der Gemeindegebiete Wunsch ausgesprochen harte, eine Verbesserung der 
geführt. Das möchte ich hier ausdrücklich feststellen. Verkehrsverhältnisse zu erzielen, alles getan, um das 
Immer wieder tauchen alte bestrittene und unzu­ durchzuführen. W ir wollten ursprünglich den 
treffende Behauptungen auf. Substantiiert werden Ronnenbamm regulieren und haben dann, als das 
sie nie, auch heute sind sie nicht substantiiert. Es nicht durchführbar war, weil die ungeheuren Kosten
fehlt daher an jeder tatsächlichen Unterlage, um sie —  es handelte sich um einen Kostenaufwand von 
im einzelnen zu widerlegen. Ich habe damals ver­ mehr als einer M illion  Mark — nicht ohne weiteres 
sucht, au Hand der Akten das gesamte Material der beschafft werden konnten, mit allem Nachdruck die 
Stadtverordnetenversammlung zu unterbreiten. Wie Verhandlungen wegen Regulierung der Straße 45 
ich feststellen kann, hat sich damals die Stadtverord­ geführt.
netenversammlung mit dieser Auskunft für befriedigt 
erklärt. Ich must mich deshalb wundern, das; immer (Stadtv. Wilk: Die Geschichte mit der Brücke!)
wieder und heule noch einmal dieselben Geschichten 
vorgetragen werden. Der Magistrat ist ganz unvor­ - Ich werde darauf gleich eingehen. — Tie Herren, 
bereitet und gar nicht in der Lage, im Augenblick die über die Verhandlungen der Tiefbaudeputation 
die Einzelheiten nochmals darzulegen, um auch die unterrichtet sind, werden mir zugeben, daß auch ge­
Herren, die neu in die Stadtverordnetenversammlung rade auf diesem Gebiete alles geschehen ist, was ge­
eingetreten sind, über die früheren Vorgänge zu unter­ schehen konnte.
richten. Sie werfen m ir ein: die Geschichte mit der 
Brücke. Meine Herren, es handelte sich um den Bau 
Stadtv. Wilk: Meine Herren! W ir begrüßen des Fußgängerstegs für die Firma Siemens & 
den Antrag des Herrn Kollegen Stadthagen und Halste. Dort haben w ir lediglich unsere Interessen, 
seiner Freunde ebenfalls mit großer Freude und nämlich die Interessen der Stadt Charlottenburg, 
glauben, daß sicherlich einem tiefgefühlten Bedürfnis wahrgenommen. Bisher ist von den Herren, die uns 
abgeholfen wird, wenn eine Straßenbahnlinie über Vorwürfe machen, nie die Frage aufgeworfen wor­
den Fürstenbrunner Weg geführt wird. W ir sehen den: wie liegen denn die Interessen der Stadt Char­
ja schon heute, daß die provisorische Regulierung der lottenburg? W ir haben großes Interesse daran ge­
Straße 45 erheblich zur Bewältigung des riesen­ habt, in jener Gegend die Verfügungsfreiheit für uns 
haften Verkehrs nach den Siemenswerken beiträgt. zu behalten, und haben lediglich unter diesem Ge­
Die Linienführung über den Fürstenbrunner Weg sichtspunkt unsere Wünsche geäußert, haben aber in 
wird nicht nur den Arbeitern und Angestellten der keiner Weise etwa gegenüber der Firma Siemens 
Firma Siemens & Halste zugute kommen, auch für & Halste ein Unfreundlichkeit begehen wollen. Das 
die große Anzahl der Friedhofsbesucher, die sehr ist alles von den zuständigen Deputationen unter 
häufig dort hinausgehen, wird sie eine große An­ Mitwirkung derjenigen Herren Vertreter der Stadt­
nehmlichkeit bedeuten. verordnetenversammlung erörtert worden, die Sie mit 
Ich möchte dann noch auf die Aeußerung über Ihrem Vertrauen beehrt und in die Deputationen 
bje unerquicklichen Verhältnisse zwischen der Firma hineingeschickt haben. W ir haben also nur nach 
Siemens & Halste und dem hiesigen Magistrat zu­ objektiven Gesichtspunkten, einzig und allein nach 
rückkommen. Es war vor Jahren ein offenes Ge­ dem Gesichtspunkte der Wahrnehmung der Interessen 
heimnis, daß das Verhältnis tatsächlich gespannt war, der Stadt Charlottenburg gehandelt. Es ist uns gar 
und auch hier ist seinerzeit unwidersprochen gerügt nicht im Traume eingefallen, irgend jemand aus 
worden, daß gerade im Magistrat jemand gewesen irgendwelcher Ranküne Schwierigkeiten zu bereiten. 
sei, der ausdrücklich erklärt habe, er wolle die I n ­ Wenn Sie sich einseitig informieren lassen —  die 
dustrie hier in Charlottenburg ausräuchern. Das ist Firma Siemens & Halste selbst wird Sie nicht infor­
in aller Munde gewesen. Wenn ich nicht irre, hat mieren, sie kann diese Behauptungen nicht aufstellen 
man den Herrn Stadtbaurat im Verdacht gehabt, der und wird es auch nicht tun, aber von seiten einzelner 
Urheber dieser Aeußerung zu sein. Ich weiß nicht, Personen, die wahrscheinlich nicht einmal ordentlich 
inwieweit das wahr ist. Jedenfalls ist das Tatsache, unterrichtet sind —, dann bedaure ich das. Ich kann 
daß man damals der ganzen Entwicklung der nur feststellen, daß keine Unfreundlichkeiten begangen 
Siemens & Halske-Werke und überhaupt der Er­ worden sind, sondern daß w ir lediglich in Wahr­
schließung der Wege dort große Schwierigkeiten nehmung berechtigter Interessen gehandelt haben.
machte. Unsere Stadtverwaltung war nicht immer Ich will darauf im einzelnen nicht eingehen. 
gewillt, alles mögliche zu tun, um irgendwelche Ver­ Ich stelle aber anheim, meine Herren, wenn Sie es 
kehrserleichterungen zu schaffen. Rur durch das wünschen, diese Sache einmal auf die Tagesordnung 
ewige Drängen und Treiben der Stadtverordneten­ zu setzen. Dann werden w ir Ihnen über jeden ein­
versammlung ist erst etwas Positives zustande ge­ zelnen Punkt Rechenschaft ablegen. Ich möchte 
kommen. bitten, daß endlich einmal mit diesem Gerede auf­
gehört wird, das in keiner Weise begründet ist.
Bürgermeister Dr. Maier: Meine Herren! Ich 
w ill der Stadtverordnetenversammlung ihre Rechte Antragsteller Stadtv. Dr. Stadthagen (Schluß­
absolut nicht verkürzen und w ill auch alle Ruhmes­ wort): Meine Herren! Die Ausführungen des 
taten der Stadtverordnetenversammlung in der Glo­ Herrn Stadtbaurats könnten vielleicht so aufgefaßt 
riole erscheinen lassen, die sie beanspruchen kann. werden, als wäre mein Antrag bestellte Arbeit, als
        
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