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Periodical volume 8. April 1914

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1914

150 Sitzung vom S. A pril 1914
ist, die in  einem großen Teile der Bevölkerung m it denn Leute, die 7- und 8000 Jl  M iete zahlen, meine 
Recht B efrem den und nicht B efriedigung erzeugt hat, D am en und H erren —  —
bring t fetzt de r M ag istra t eine V orlage, um  d a s  U n­
recht. das seinerzeit durch ein unbegreifliches V er­ (S türm ische Heiterkeit.)
sehen —  ich weiß nicht, au f welcher S e ite  —  begangen 
w orden ist, -wieder gutzumachen. Ich  weiß genau, Borsteher Dr. Frcntzcl (unterbrechend): H err 
daß ein T e il m einer wenigen F reunde Kollege G ranitza, ich darf S i e  wohl d a rau f aufmerk­
(Heiterkeit) sam machen, daß das passive W ahlrecht der F rau en  fü r die S tad tverordnetenversam m lung noch nicht ein­
m it m ir darin  einig ist, daß w ir n u r sehnlichst geführt ist.
wünschen können, daß der M ark t auf dem W itten ­
bergplatz verschwindet. D ie  H erren B ergm ann und (H eiterkeit.)
Genzm er beurteilen eine der eminentesten und wich­
tigsten städtebaulichen Entwicklungen nach dem Preise S tad tv . G ranitza (fo rtfah rend): Ich  meine, 
des K ohls, der auf dem W ittenbergplatz feilgehalten fü r diejenigen F ra u e n , die selbst oder deren Eheleute 
w ird. eine derartige  M iete  zahlen, kommt ein M ark t au f dem W ittenbergplatz nicht in  F rag e . Diese H err­
(Heiterkeit.) schaften werden beim E inkauf ihrer W aren  w eit 
V ergegenw ärtigen S ie  sich, wie die ganze Entwick­ besser in  den Spezialgeschäften bedient, die sich dort 
lung a u s  dem Z en trum  B erlin  nach dem Westen etablieren werden. W er aber in  der dortigen Gegend 
drängt, wie der W ittenbergplatz im V erein  m it dem noch p reisw ert einkaufen w ill, der möge ruhig  die 
Nollendorfplatz d a s  künftige Z en trum  G ro ß -B erlin s  S tad tm ärk te  aufsuchen, an  denen ja  m einer Ueber­
sein w ird, dann werden S ie  erkennen, daß cs absolut zeugung nach C harlo ttcnburg  sonst noch einen 
notw endig ist, diese Entwicklung nicht aufzuhalten , großen Ueberfluß hat.
sondern zu beschleunigen. W as zu stürzen droht, das N u n  die finanzielle S e ite !  W ir bekommen 
soll m an nicht halten, sondern m an soll den S tu rz  Geld von der U ntergrundbahn einfach geschenkt, um  
beschleunigen. N u r  so können T ie  dem ganzen F o r t ­ einen wunderschönen P latz herzurichten oder um  den 
schritt nutzen. E in  w ahrhaft liberaler M an n  w ird nicht wunderschönen P latz jetzt wunderschön zu ge­
in  diesem F a lle  dafür stim m en: stalten. Ic h  meine doch, w ir sollten das G eld, d a s  u n s  geboten w ird, nicht abweisen. D enn  nachher, 
(H eiterkeit) wenn die P o lize i u n s  erst dazu zwingt —  und sie zw ingt u n s  sicher, den M ark t zu beseitigen, ganz 
weg m it dem M ark t vom W ittenbergplatz, denn w ir gleich, ob I h r  Wunsch, einen andern  P latz fü r den 
wollen eine W eiterentwicklung, eine bessere G estaltung M ark t zu finden, erfü llt w ird oder nicht — , d an n  
haben! müssen w ir das Geld au s  unserer Tasche nehm en, 
N u n  w ird gesagt: w ir wünschen, daß der M ark t um  den W ittenbergplatz auszustatten. Also nehmen 
am  W ittenbergplatz solange bleibe, b is ein anderer w ir das G eld, d a s  u n s  jetzt m it vollen H änden ge­
Platz gefunden w ird . Ich  glaube, da werden w ir u n s  boten w ird, und vertrösten w ir u n s  nicht au f den 
auf einen T ag  vertrösten müssen, den w ir n iem als T ag , b is w ir einm al etw as anderes finden. A uf 
erleben werden. Ich  w üßte nicht, welche geeigneten die Suche nach neuen Plätzen möchte ich nicht gehen.
Plätze dort noch in  der Nähe frei sind. W enn ich M ein es Erachtens ist die Ueberweisung der M a ­
meine Wünsche in  dieser Beziehung nicht befriedigen gistratsvorlage an  einen Ausschuß —  ich spreche nicht 
kann, so m uß ich sic zugunsten einer besseren Sache fü r meine Fre.nnde, sondern fü r mich persönlich —
unterdrücken.
D er H err Kollege Ja s tro w  erwähnte, es sei ja  (H eiterkeit)
n u r eine S tö ru n g  von 12 b is 2 Uhr. M eine H erren, 
die S tö ru n g  ist nicht von 12 b is 2 U hr, sondern die ganz überflüssig; die F rag e  ist so b reit und so reich 
B uden werden schon um  4, 5 U hr des M orgens au f­ erörtert, daß jeder Verkehrstechniker, jeder, der die 
geschlagen, und der R ad au  beginnt m it dem ersten städtebauliche Entwicklung unserer G roßstädte in
Sonn en strah l, den m an, G o tt sei D ank, noch auf dem London und P a r i s  s tud ie rt hat, w eiß : der M ark t auf 
W ittenbergplatz sieht. dem W itteubergplatz ist ein Uebel, also weg m it ih m !
S o d a n n  w urde von dem Kollegen B ergm ann in  
geradezu steinerweichenden W orten auf den Abzug S tad tv . M eyer: M eine H erren! Ic h  habe das 
der C harlottenburger B ürger nach W ilm ersdorf h in ­ seltene V erg n ü g en ,. m it H errn  Kollegen Dr. B or- 
gewiesen. chardt übereinzustim m en, nämlich da rin , daß auch 
m einer Ueberzeugung nach die heutige Diskussion 
(W iederspruch des S ta d tv . B e r g m a n n . ) die Z iele verkennt, die eine D iskussion in  der V oll­
—  P a rd o n , e s  w ar ein anderer Kollege. —  J a ,  sie versam m lung hat, w enn ein Ausschuß eingesetzt 
ziehen gerade weg, weil der M ark t da ist. W enn S ic  werden soll. W ir täten  gut, u n s  die S te llu n g  zu 
den W itteubergplatz so ausgestalten, wie W ilm ersdorf den D eta ilfragen  vorzubehalten, nachdem der A u s­
seine Plätze ausgestaltet, w enn S ie  so vorgehen wie schuß beraten und u n s  über d as  E rgebn is  seiner 
W ilm ersdorf, das die M ärkte auf seinen P lätzen ab ­ B era tungen  berichtet hat. Ic h  werde mich dem gem äß 
tu t, bann bekommen S ie  auch ein steuerkräftiges auch m it all diesen D eta ilfragen  nicht befassen; ich 
P ublikum  dahin. Ic h  stimme durchaus dem zu, daß habe mich n u r zum W orte gemeldet, u m  au f zwei 
der M ark t auch gewisse Bevölkerungskreise anzieh t; P u n k te  einzugehen, deren K lärung  im  P len u m  
aber von den B ew ohnern, die do st in F rag e  kommen, a lle rd ings notw endig erscheint.
wäre das n u r  die kleinste M inderheit, D a s  eine n u r ganz kurz gegenüber H errn  K ol­legen G ranitza, der ausgefüh rt hat, daß jeder w ahr­
(S ta d tv . R u ß :  S e h r  richtig!) haft liberale M a n n  fü r die Aufhebung des M ark tes
        
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