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Periodical volume 26. Februar 1914

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1914

106 Sitzung vom 26!. Februar 1914
Stadtv. Dr. Liepmann: M eine H erren! D er —  D a s  behaupte ich auch gar nicht, daß hier der 
vorgerückten S tu n d e  halber werde ich mich recht kurz M ag istra t vorgegangen ist.
fassen. D an n  erinnere ich S ie , meine H erren, an m ei­
nen P ro test vom 28. M a i vorigen J a h re s , a ls  es 
(B rav o !) sich um  Festlegung auf ein umfassendes P ro g ram m  
für die Fach- und Fortbildungsschulen handelte, und 
Ic h  Werde den A nträgen des H errn  B erichterstatters ich verlangte, daß w ir, bevor w ir ein P rogram m  anneh­
zustim m en. M eine F reunde und ich stimmen aber men, mag es u n s auch sachlich noch so gefallen, doch 
nicht leichten H erzens zu und können sich n u r sehr erst übersehen m üßten, welche Kosten die Durchfüh­
schwer zu der E rhöhung der Einkom m ensteuer auf rung macht, und daß w ir es nicht billigen dürfen, 
1 1 0 % , insbesondere zu der E rhöhung der Schätzung bevor w ir nicht darüber Aufschluß vom M agistra t 
der Einkommensteuer, wie sie von dem H errn  Kolle­ bekommen hätten ; dam als sind S ie  entfach über m ei­
gen M eyer beantragt worden ist, entschließen, weil nen P ro test hinweggegangen.
Wir nach den Erklärungen, die un s seitens des M a ­ D an n  erinnere ich S ie  an die heutige D ebatte 
gistrats im  Etatsausschuß gegeben worden sind, sehr über den A rm enetat. M eine H erren, derA rm enetat ist 
große Zweifel hegen, ob m an der E rhöhung der E in ­ m einer Ansicht nach nicht der geeignetste P unk t, andern 
kommensteuer bei u n s  m it irgend welchem O p tim is ­ m an an erster S telle  Sparsamkeitsrücksichten und 
m u s entgegensehen kann. finanzielle Gesichtspunkte geltend macken darf, son­
M eine Herren, wenn w ir der Erhöhung auf dern hier sollte man m it w arm em  Herzen geben, w as 
110%  zustimmen, so geschieht es, weil w ir wissen, notwendig ist. Aber Wenn W ilm ersdorf, wenn S t a ­
daß Wir eigentlich höher hätten gehen müssen. lin , wenn alle anderen V ororte, die un ter den glachen 
j B edingungen stehen, pro Kops der Bevölkerung m it 
(S ta d v . Hirsch: N a also!) erheblich geringeren Sätzen auskom men, dann können w ir doch, die w ir im m erhin eine sehr günstige V erhält- 
T e n n  sowohl der V ortrag  au s  dem Ueberschuß des niszahl zwischen M inderbem ittelten und Wohlhabenden 
V o rjah res  von über 800 000 J( a ls  die En tnahm e haben, wirklich bei unserem Voranschläge sagen: w ir 
a u s  dem Ausgleichsfonds von etwa 450 000 Ji, w er­ n-.ymen u n s  diese Verhältnisse zum M uster '.end be­
den Wir fü r das nächste E ta ts ja h r  kaum gutbringen rechnen danach die S u m m en , die notwendig werden. 
können und deshalb jedenfalls fü r das übernächste S o llten  diese S um m en überschritten werden müssen, 
J a h r  eine noch erheblichere Erhöhung der E in ­ so werden eben, Wie heute, Nachforderungen, die 
kommensteuer über uns ergehen lassen müssen. W enn später zur V erhandlung gestellt sind, erhoben werden. 
ich dieses sage, dann kann ich aber zugleich erklären, Dagegen reizen S ie , meine Herren, durch allzureiche Bemessung der zur Verfügung gestellten M itte l die 
daß  un s, mich und meine speziellen F reunde, die Arm enverwaltung geradezu an, bei ihren Bewilligungen 
V eran tw ortung  h ierfür nicht trifft, sondern die M eh r­ über das erforderliche M aß  hinauszugehen, Wenn S ie  
heit. D a s  hat sich heute wieder gezeigt; heute war eine Position, die der Ausschuß nach genauer P rü fun g  
die M e h r h e i t  w i e d e r  i n  m e h r e r e n  
P u n k t e n  p ä p s t l i c h e r  a l s  d e r  P a p  st ,  i n ­ und Berechnung gestrichen hat, Wieder einsetzen, wie 
d e m  s i e  d e n  A n t r ä g e n  d e s  M a g i s t r a t s  cs die M ehrheit heute Wieder getan hat.
a u f S p a r s a m k e i t W i d e r s p r u c h e n t g e g e n -  Borsteher Dr. Frentzel: H err Kollege Dr. Liep­
s e tz te .  Ich  erinnere nu r an die Anträge hinsichtlich m ann, Wir Wollen doch nicht die ganze V erhandlung 
der neuen Lehrerstellen, bei denen der M agistrat zu­
nächst noch m it weniger Lehrkräften auskommen zu über die bereits absolvierten K apite l w ieder auf­
können glaubte. H ier sollte endlich einm al versucht rollen. Ich  glaube. S ie  Würden sich den D ank der 
Werden, sich nach der Decke zu strecken und schlimmsten­ V ersam m lung verdienen, wenn S ie  sich etw as kürzer 
falls einmal vorübergehend ein paar Kinder mehr in faßten.
Schulräum en unterzubringen, a ls  es nach der von uns 
aufgestellten N orm  angängig sein soll. E s  ist bereits Stadtv. Dr. Liepmann: H err Vorsteher, ich 
ganz richtig darauf hingewiesen worden, daß w ir alle habe vorher angeregt, ob Wir u n s nicht vertagen 
früher m it viel mehr Mitschülern zusammen unterrichtet Wollen. W ir können doch unsere gesamten p r in ­
Wurden und trotzdem kräftige Menschen geworden sind, zipiellen Bedenken nicht deshalb unterdrücken, weil 
die einen gehörigen P u f f  vertragen können, den ja w ir hier in vorgerückter S tu n d e  beraten. W enn w ir 
auch Wohl der H err Kollege Hirsch, wenn er sich nach auch jetzt in M in o ritä t sind, werden Wir doch mal zur 
m ir zum W orte meldet, jetzt auf meine Rede setzen M a jo r itä t  Werden.
Wird. W enn nun der M agistrat einen solchen V er­ (H eiterkeit!)
such der Sparsam keit machen w ill, w ird von der 
M ehrheit der V ersam m lung W iderstand geleistet. J a ,  Vorsteher Dr. Frentzel: Z u  Ih r e n  A usführungen 
m eine H erren, dann  können S ie  sich nachher auch War Z e it bei den einzelnen K apiteln .
nicht darauf berufen, daß sie in W ahrheit S p a rsam ­
keit üben wollen. Stadtv. Dr. Liepmann: N ein, da konnte m an 
F ern er, meine H erren, erinnere ich S ie  daran, das nicht vorbingen.
daß S ie  heute dem Bestreben, das aus der libralen Ic h  komme, um mich kurz zufassen, n u r noch auf 
F rak tion  heraus durch die Lehrervereine und durch die F rag e  der B au ten . D a  w ird m ir der H err V o r­
sonstige sachverständige G utachten unterstützt wird, steher erlauben, daß ich hier kurz eine S te lle  aus der 
den Nachhilfeunterricht zu sparen, widersprochen, daß Rede des Landtagsabgeordneten von Pappenheim , 
S ie  N ein gesagt und  den Ansatz wiederum um  des Vorsitzenden des Provinzialausschusses der P r o ­
10 000 dt in  die Höhe gebracht haben. vinz Hessen-Nassau, verlese, die der H err am 23. F e ­
b ru a r dieses J a h re s  im  Abgeordnetenhause gehalten 
(Z urufe .) hat. D a  sagt er:
        
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