Path:
Periodical volume 26. Februar 1914

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1914

Sitzung vom 2( . Februar 1914 9 3
unseren A ntrag  begründet bat, kann ich mich sehr N u n , meine H erren, möchte ich der Anschauung 
kurz fassen. Ic h  m uß sagen, daß ich erstaunt w ar entgegentreten, die hier in der S tad tvero rdne ten ­
—  ich habe ja leider den V erhandlungen des E ta ts ­ versammlung schon so oft, zum Ausdruck gekommen 
ausschusses nicht beiwohnen können — , zu lesen, daß ist, a ls ob w ir in  C harlottenburg so ungeheuer viel 
der Etatsausschuß die baren Ausgaben im Kapitel für unsere A rm en tun . Ich  habe hier eine S ta tis tik  
A rm enetat um 100 000 Jl gekürzt hat. Ich  dachte über die A usgaben in den G roßberliner Gem einden. 
erst, es wäre das ein verfrühter Fastnachtsscherz des N u n  schicke ich voraus, daß gerade die vergleichende 
Etatsausschusses: denn ich konnte m ir nicht denken, S ta tis tik  auf dem Gebiete des Armenwesens n iem als 
daß die M ehrheit des Etatsausschusses, w enn sie aus ganz zuverlässig ist, weil die G rundlagen  ganz ver­
Kollegen besignden hätte, die auf dem Gebiete des schieden bemeßen sind. Aber die Z ahlen, die ich 
Arm enwesens E rfahrungen haben, zu einem solchen Ih n e n  jetzt anführen werde, laßen sich m iteinander 
Beschluß kommen könnte. vergleichen, und da rau s ergibt sich, daß C harlo tten­
burg durchaus nicht so freigebig wirtschaftet, wie das 
D er H err O berbürgerm eister ha t ja  bereits hingestellt w ird. D ie laufende Unterstützung auf 
darau f hingewiesen, daß w ir u n s in  der heutigen den Kopf des einzelnen Unterstützungsempfängers 
S itzung  m it einem A ntrag  des M ag istra ts  auf Nach­ beträgt in C harlottenburg im J a h re  1912 17,71 Jl, 
bewilligungen im A rm enetat fü r das laufende J a h r  in  W ilm ersdorf 15,64 Jl,
zu befaßen haben. N u n  ist es doch n u r logisch, daß 
w ir die Jstausgaben  dieses J a h re s  zugrunde legen (H ört! hört!)
u n d  dann  entsprechend der gestiegenen E inw ohner­
zahl die A usgaben steigern. A nders vorzugehen, in  B e rlin  15,44 Jl
läge n u r dann ein A nlaß  vor, wenn die wirtschaft­
lichen Verhältnisse plötzlich erheblich besser geworden '(N a  also!)
w ären. D a s  ist aber nicht der F a ll, und ich glaube, 
es w ird keinen un te r u n s  geben, der etwa der M ei­
nung ist, daß sich die wirtschaftlichen Verhältnisse und in  Schöneberg 15,07 Jl, also in  C harlo ttenburg  
im  nächsten J a h r  wesentlich bessern werden. Schon etw as mehr a ls  in  den übrigen hier genannten G e­
die A rm endirektion hat die Ansätze des früheren D e­ m einden. D am it ist noch nicht gesagt, daß w ir zu 
zernenten ganz erheblich gekürzt, und es hat wirklich freigebig wirtschaften: es kann ja  auch daran  liegen, 
kein G run d  vorgelegen, nun  noch eine weitere H er­ daß die anderen Gem einden zu wenig geben.
absetzung vorzunehmen. (H eiterkeit.)
D er H err Oberbürgerm eister regte die F rage  
an , ob es vielleicht möglich sei, durch eine A enderung Aber, meine H erren, ich bitte  S ie , weiter zu be­
der organisatorischen G rundlagen  die A usgaben im denken, daß, wenn B erlin  15,44 Jl auf den Kopf 
Armenwesen zu reduzieren. Auch dieses P ro b lem  ist der Bevölkerung ausgib t und C harlo ttenburg  17,71 
ja  nicht neu. S ie  werden sich erinnern , daß w ir M ark, dann Charlottenburg verhältnism äßig noch 
u n s  vor längeren J a h re n  schon einm al sehr ein­ weniger gibt a ls  B erlin . Ich  habe schon vorhin  ge­
gehend m it der F rage  beschäftigt haben, ob es m ög­ sagt
lich sei, die A usgaben unserer A rm enverw altung her­
abzum indern. E s  w ar das die Zeit, wo gegen (Z urufe  des S ta d tv . Dr. S tad th ag en .)
H errn  S ta d tr a t  S a m te r  die heftigsten A ngriffe er­
hoben w urden, weil angeblich zu freigebig im  A rm en­ —  H err Kollege S tad th ag en , w arten S ie  n u r ab, 
wesen gewirtschaftet wurde. E s  haben dann in  w as ich sagen w ill; ich habe S ie  ja  auch stundenlang 
einem Ausschuß, der die halben Nächte getagt hat, anhören müssen! —
Sitzungen über S itzungen stattgefunden, jeder ein­
zelne F a ll  ist geprüft worden, und es hat sich heraus­ (H eiterkeit.)
gestellt, daß an keiner S te lle  etwas gekürzt werden 
kann. Ich  glaube deshalb, daß auch die P rü fu n g  der Ich  habe schon angedeutet, daß die A usgaben des 
organisatorischen G rundlagen, die jetzt in  Aussicht A rm enetats zum  wesentlichen Teile durch die Höhe 
gestellt ist, nicht zu dem E rgebnis führen w ird, daß der M ietspreise beeinflußt werden. N u n  wissen S ie , 
w ir  die A usgaben der A rm enverw altung wesentlich daß in  B erlin  im  Durchschnitt der ganzen S ta d t  die 
herabsetzen können, und zw ar aus dem sehr einfachen W ohnungen billiger sind a ls  im  Durchschnitt von 
G runde nicht, weil die Höhe der Ausgaben nicht von C harlottenburg, und wenn w ir gezwungen sind, jah r­
unserem  guten oder schlechten W illen, sondern von ein jahraus hohe Ausgaben zu machen, um Ex­
den wirtschaftlichen V erhältn ißen  abhängt. W ir m ißionen abzuwenden, dann  ist es ganz natürlich, 
können die Urusachen, die dazu führen, daß soviele daß in  demselben M aße, wie die W ohnungsm ieten 
E inw ohner gezwungen sind, die A rm enverw altung im P reise  steigen, auch die A usgaben d e r A rm enver­
in  Anspruch zu nehmen, im  großen und ganzen nicht w altung höher werden.
au s der W elt schaffen, wenigstens nicht, so lange die 
heutige W irtschaftsordnung besteht. W enn w ir das (Z u ru f: I n  W ilm ersdorf?)
tu n  wollen, w as a ls  G em einde in  unseren Kräften 
steht, dann  werden w ir dazu übergehen müssen, —  E s  w ird m ir zugerufen: W ilm ersdorf. I n  W il­
billigere W ohnungen zu schaffen, w ir werden M a ß ­ m ersdorf sind an sich die W ohnungsm ieten nicht 
nahm en zur Bekäm pfung der Arbeitslosigkeit er­ billiger a ls  in  C harlo ttenburg; aber die W ohnungen, 
greifen müssen. D adurch werden w ir allerdings die fü r die A rm en in  Betracht kommen, sind in  
einen T e il der A rm enlasten beseitigen, aber ganz W ilm ersdorf nicht so teuer wie in  C harlo ttenburg .
werden w ir die A usgaben der A rm enverw altung 
auch nicht ersparen können. (N a, n a !)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.