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Periodical volume 26. Februar 1914

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1914

Siyung vom 26. Februar 1914 91
Gesichtspunkte ein Weilchen in die Ecke gestellt wer-! Erfolg des Unterrichts wesentlich ab. Wir würden 
den. Wenn dann Herr Kollege Stadthagen weiter einen Rückschr i t t  bedenklichster Art machen, 
fortfährt: was schadet es denn, wenn sich der Magi­ wenn wir hier eine Anzahl von Lehrer- und Lehre- 
strat die Aeußerung des Kümmerers aus der Ple­ rinnensteüen streichen wollten, wie der Magistrat 
narsitzung zu eigen macht, daß es sich nur um eine vorgeschlagen hat. Mag man im Notfälle und vor­
vorübergehende Vermehrung der Klassenfrequenz übergehend einmal die Klassensrequenz etwas steigern 
handle, —  nun, meine Herren, was bei solcher „vor­ müssen, grundsätzlich aber muß sie auf der bei uns 
übergehenden" Vermehrung der Klassenfrequenz üblichen Höchstziffer und auf einer erträglichen 
herauskommt, wissen wir. Denken w ir nur an Stufe erhalten werden.
unsere fliegenden Klassen und an die Zahl unserer Ich kann Sie nur bitten, dem Antrage des 
Mietsklassen! Wenn wirklich die Vermehrung nur Etatsausschuffes zuzustimmen und hier die Mehr­
vorübergehend wäre, dann würde eine dauernde Ver­ einstellung zu genehmigen.
mehrung der Mietsklassen herausspringen. Daß das 
eine wie das andere in gleicher Weise bedauerlich Stadtv. Otto (Schlußwort): Meine Herren! Als 
und vom pädagogischen Standpunkt aus beklagens­ wir seinerzeit an die Reform unseres Gemeindeschul­
wert ist, wird mir vielleicht sogar Herr Kollege wesens gingen, war der erste Satz, der in den Vorschlä­
Stadthagen zugeben. Aber es soll eben gespart wer­ gen des Magistrats stand: in der Grundklasse darf die 
den, und darum kann man ja die Klassenfrequenz in Schülerzahl 45 nicht überschreiten. Diesen ersten Satz 
den Volksschulen erhöhen. Es schadet ja nichts, sagt heben Sie auf, wenn Sie dem Vorschlage des Herrn 
Kollege Stadthagen; w ir haben ja auch in den Kollegen Dr. Stadthagen folgen.
höheren Schulen zu 50 bis 60 zusammengesessen, 
ohne daß es uns etwas geschadet hat. Nun, ich weiß (Stadvt. Dr. S t a d t h a g e n :  Nur vorübergehend!)
nicht, welche Klassen Herr Kollege Stadthagen meint. 
Wenn er die Klassen des alten Friedrichsgym­ — Jawohl, nur vorübergehend, und um das „vor­
nasiums in Berlin meint, so ist mir nicht bewußt, übergehend" gleich vorwegzunehmen: Herr Dr. Stadt- 
daß dort eine Klassensrequenz von 50 vorhanden hagen, wie denken Sie sich technisch eine vorüber­
war, namentlich nicht in den höheren Klassen, und in­ gehende Erhöhung der Schülerzahl, wenn eine Klasse 
wieweit eine solche starke Belegung der Klaffe, in der mit der höheren Schülerzahl von unten herauf an­
der Kollege Stadthagen war, ihm nicht geschadet hat, fängt?
kann man doch so ohne weiteres auch nicht beurteilen. (Stadtv. Dr. §  t a d t h a  g. e n : Ich bitte, den M a­
gistrat zu fragen!)
(Stadtv. Dr. Stadthagen: Bei Ihnen auch nicht!)
— Den Magistrat zu fragen, habe ich a ls  Fach ­
—  Ich war in so belegten Klaffen nicht. Jedenfalls m a n n  nicht nötig; aber lassen Sie sich darüber auf­
sind in den höheren Schulen meines Erachtens solche klären, daß diese vorübergehende Erhöhung nach nor­
Belegungsziffern nicht üblich, namentlich nicht bei malen Erfahrungen 8 Jahre dauert. Ob das vor­
uns. M ir  ist eher zu Ohren gekommen, daß wir übergehend heißt, überlasse ich Ihnen selbst zu be­
z. B. in einer Klasse einer unserer höheren Lehran­ urteilen.
stalten zu wenig Schüler hätten, in einer Prima sage Nun hat sich aber der Etalsausschuß grundsätzlich 
und schreibe 4 Schüler! Würde man da an eine Er­ auf den Standpunkt gestellt — und das möchte ich 
höhung der Klassenfrequenz denken, so würde ich das hier besonders hervorheben — : unsere Schulreform 
begreiflich finden. Dieses Beispiel dürfte aber schon darf niemals dazu führen, die Sorge für die nor­
der Behauptung widersprechen, daß in den höheren malen Schulkinder zu vernachlässigen. Das ist der 
Schulen ohne weiteres 50 bis 60 Schüler in der leitende Gesichtspunkt für den Antrag des Etatsaus­
Klaffe sitzen. schusses gewesen. Die normalen Kinder sind in Char­
Also, meine Herren, man kann, glaube ich, lottenburg wie überhaupt sonst bei weitem in der 
wenn man pädagogische Gesichtspunkte in den Vor­ Ueberzahl, und diese würden Sie auch durch eine 
dergrund stellt, dem Etatsausschuß nur dankbar sein, „vorübergehende" —  ich setze dieses Wort jetzt in 
daß er an dem Gemeindebeschluß festgehalten hat. Anführungsstriche — Erhöhung der Klaffenfrequenz 
Höchstens kann man sein Bedauern darüber aus­ schädigen. Aus- diesem Grunde bitte ich Sie drin­
sprechen. daß der Etatsausschuß aus dieser seiner gend, dem Antrage des Etatsausschuffes zu­
Stellungnahme nicht die vollen Konsequenzen ge­ zustimmen. Herr Kollege Dr. Landsberger hat ganz 
zogen, daß er nicht auch auf einen beschleunigten recht: wenn Sie diese Erhöhung der Schülerzahl ge­
Bau von Schulen gedrungen hat, der ja ebenfalls nehmigen, so leiten Sie damit einen empfindlichen 
notwendig wird. Rückschritt in unserem Volksschulwesen ein, und das 
So wie die Dinge liegen, kann ich Sie nur werden Sie nicht wollen.
bitten, dem Vorgehen des Etatsausschuffes zuzu­
stimmen. ' (Die Versammlung lehnt den Antrag des Stadt­
verordneten Dr. Stadthagen ab und stellt Kapitel I I I
Stadtv. Dr. Landsberger: Ich kann Herrn Kol­ — Bürgermädchenschule, Gemeindeschulen und 
legen Stadthagen nicht begreifen, daß er dafür plä­ Kindergärten —  in Einnahme und Ausgabe nach dem 
diert, jetzt einen Grundsatz zu bekämpfen, der in Voranschläge des Magistrats mit den auf Druck­
aller Pädagogik und aller Hygiene und bei allen seiten 51, 52 und 54 der Vorlagen angegebenen Aen­
Ausblicken auf Fortschritte unserer Volksbildung derungen sowie mit der durch Annahme des An­
stets maßgebend war, nämlich den, daß man die trages des Stadtv. Jastrow eigetretenen Aenderung 
Schulklassenfrequenz nicht über ein bestimmtes Maß fest und beschließt im übrigen entsprechend den vom 
anwachsen lassen darf, sondern sie möglichst herunter­ Berichterstatter Stadtv. Otto mitgeteilten Anträgen 
zudrücken beflissen sein muß. Davon hängt aller des Etatsausschuffes.)
        
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