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Periodical volume 19. Februar 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

82 Sitzung born 1! Februar 1913
ist feine Steigerung vorhanden. W ir haben uns aus noch 3,13 %  vorhanden. M eine Herren, wenn S ie  
den ewigen Unterbilanzen bei der Grundsteuer eine diese Prozentziffer vergleichen m it den Prozentziffern 
Lehre gezogen. Bei der Umsatzsteuer haben w ir den­ der nach der Größe getrennten W ohnungen, dann 
selben Betrag bestehen lassen; w ir hoffen, daß er auf­ werden S ie  erkennen können, daß bereits bezüglich 
kommen wird. Bei der Wertzuwachssteuer haben wir der kleinen W ohnungen ein erheblicher W ohnungs- 
eine kleine S teigerung vorgenommen, Alles in allem m a n g e l  eingetreten ist und baß die Ziffer auf 
werden S ie , glaube ich, m it m ir konform gehen, daß 3,13 %  lediglich dadurch gebracht worden ist, daß bei 
an dem Kapitel irgendeine S teigerung, wenn S ie  den großen W ohnungen noch ein Satz von 6 %  zu 
nicht die Zuschläge ändern wollen, n i c h t  eintreten verzeichnen ist. Wie anders die Verhältnisse bei uns 
kann. sind als in anderen V ororten, erkennt man, wenn 
M eine Herren, diese Höhe der Einnahm en haben m an die Ziffern von Schöneberg, W ilm ersdorf und 
w ir angenommen trotz der, wie ich schon bemerkte, Neukölln zum Vergleiche heranzieht. Gegenübe; 
nicht recht günstigen Faktoren, die zurzeit vorliegen. den 3,13 %  in Charlottenburg haben S ie  P rozen t­
Ganz allgemein betrachtet, werden S ie  wohl m it m ir ziffern in  Berlin-W ilm ersdorf von 6,37 ■ -  im Durch­
darin  einig fein, daß die Hochkonjunktur so ziemlich schnitt selbstverständlich — , in Neukölln 6,20 und in 
vorbei ist. D ie Verhältnisse, die w ir auf dem w irt­ Schöneberg 3,43. S ie  sehen also, daß Charlottenburg 
schaftlichen M arkte gehabt haben, sind durch die poli­ für den Zuzug insofern ungünstiger gestellt ist, als 
tischen W irren, durch die ewige Ungewißheit so beein­ nicht foviele W ohnungen zur Ausw ahl vorhanden 
flußt worden, daß jetzt die Geschäfte wesentlich sind wie in Schöneberg, in Neukölln und insbesondere 
schlechter gehen. W ir haben überall Preisaufschläge in W ilmersdorf.
zu verzeichnen, und ich glaube, w ir werden uns m it D er Bericht sagt weiter, daß der geringe Bestand 
dem Gedanken vertraut machen müssen, daß die Dinge der leer stehenden W ohnungen in der Hauptsache auf 
eher nach unten als nach oben gehen. Freilich ist das die schlechtere B autätigkeit zurückzuführen ist, und 
ungewiß. Prophezeien kann auf diesem Gebiete nie­ bemerkt bann, daß, während das J a h r  1910 ein 
mand, und ich will daher auch keinen Grundsatz auf­ Rekordjahr war, in  dem 6828 W ohnungen hergestellt 
stellen. E in s  ist aber sicher —  das missen w ir ganz wurden, im Ja h re  1911 bloß 3092 und im Ja h re  
genau aus der Veranlagungskommifsion - , daß bei 1912 im  ersten H albjahr nur 1305 W ohnungen fertig­
einer großen Anzahl von B ürgern erhebliche Verluste gestellt wurden, so daß m it aller Bestimmtheit anzu­
eingetreten sind - wo sollen denn z. B . die K urs­ nehmen ist, daß das J a h r  1913 in der Ziffer ganz 
verluste an der Börse geblieben sein? — , daß ferner wesentlich zurückbleiben wird. D arau s schließt das 
bedeutende Kategorien von Zenfiten von der schlechten statistische Am t meines Erachtens völlig zu Recht, 
Konjunktur des Grundstücksmarkts in viel höherem daß der Zuzug nach Charlottenburg gegenüber an­
M aße beeinflußt worden sind, a ls inan gemeinhin deren Ja h re n  wesentlich zurückgeblieben ist. M an 
glaubt. D a s  erkennt man erst an den nackten Ziffern, muß tatsächlich —  und das ist betrübend bis auf 
wenn man z. B . bei einzelnen N otaren die Einnahm e die Ja h re  1901 und 1902 zurückgehen, um überhaupt 
sieht. gleich schlechte absolute Zahlen des Bevölkerungs­
zugangs zu finden. E ine g l e i c h  schlechte P r o ­
(S eh r richtig!) z e n t  ziffer finden S ie  überhaupt nicht; soweit ich 
habe zurückgehen können, habe ich derartige Prozent- 
E s  sind keine Geschäfte abgeschlossen worden, infolge­ ziffern nicht feststellen können. W ir haben im  Ja h re  
dessen sind die notariellen Akte ausgeblieben und da­ 1912 bloß einen prozentualen Zugang von 2,16 ge­
m it die Einnahm en. S o  zeigt sich die Ungunst der habt. D er ungünstigste Zugang, den ich habe fest­
K onjunktur auf dem Gruvdstücksmarkt an den ver­ stellet! können, war im  Ja h re  1899 m it 2,57. D ie 
schiedensten S tellen  und wird sich späterhin noch absolut schlechte Z ahl m it 7000 Seelen ist selbstver­
mehr bei den Kaufleuten zeigen, die nach dreijährigem ständlich schon einmal früher gewesen; aber man muß 
Durchschnitt rechnen. E s  ist selbstverständlich, daß berücksichtigen, daß sie dam als nicht die hohe Bedeu­
die Architekten sehr schlechte Geschäfte gemacht haben, tung gehabt hat, weil die S ta d t kleiner war, während 
da nichts gebaut worden ist und die Grundstücks­ jetzt hunderttausend Einwohner mehr sind. Auffällig 
händler zum T eil große Verluste zu verzeichnen ge­ ist es —  und das deckt sich vollständig m it dem 
habt haben. Schluffe des statistischen A m ts -  , daß entsprechend 
D ie Verhältnisse des Grundstücksmarktes habe ick der größeren Zahl von W ohnungen in W ilm ersdorf 
eben ganz kurz skizziert. Ich  möchte weiter darauf wie in den anderen S täd ten  der Zuzug doch immerhin 
hinweisen, daß die Verhältnisse auf dem Baumarkte erfreulich gewesen ist. D ort haben S ie  einen Zugang 
gegenwärtig so schlecht sind, wie w ir sie seit vielen von 8,51, einen Seelenzugang von 10 300 rund. 
Ja h re n  nicht gehabt haben. S eh r interessante M it­ I n  Schöneberg betragen die Ziffern 2,83 und rund 
teilungen enthält eins der letzten Hefte unseres sta­ 5000, bei uns 2,21 und 7000. D as  sind Ziffern, die 
tistischen Am tes. S ie  werden es vielleicht gelesen für uns als nicht sehr erfreulich zu bezeichnen sind. 
haben, vielleicht ist es Ih n e n  auch gar nicht so auf­ M eine Herren, S ie  werden m ir auf G rund dieser 
gefallen; ich möchte, da es in  ganz vorzüglicher Weise Erwägungen wohl darin  recht geben, daß es für den 
die Zahlen hier zusammenstellt und die W irkung der M agistrat gefährlich sein würde und gefährlich ge­
einzelnen Zahlen bespricht, ganz kurz darauf eingehen. wesen wäre, die Einnahm en n o ch  weiter zu erhöhen, 
E s  heißt in dem Heft, daß „der Rückgang der leer als er es bereits getan hat. J a ,  wir sind sogar der 
stellenden W ohnungen" an sich ja für die H aus­ M einung, daß die Einnahm en von uns schon reichlich 
besitzer ein erfreuliches Zeichen, für den Baum arkt hoch angesetzt worden sind.
ein schlechtes — , der 1911 eingesetzt hat, auch jetzt M eine Herren, trotz dieses Streichens bei den 
weiter angehalten hat. Während im Ja h re  1910 noch Ausgaben und trotz dieser großen Erhöhung der E in ­
6,59 %  leere Wohnungen gezählt wurden, waren im nahmen haben wir im M agistrat eine Balance beim 
Ja h re  1911 n u r noch 3,81 und im  Ja h re  1912 bloß E ta t nicht finden können. M it 100 %  den E ta t
        
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