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Periodical volume 5. Februar 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

68 Sitzung vom r .  Februar 1913
Die Zahl der Schüler ist außerordentlich ge­ Wenn es irgendwie zu vermeiden ist, soll man es 
stiegen, und die Zukunft ivird uns immer mehr vermeiden, daß man Schüler in  Baracken unter­
Schüler bringen; es ist daher unsere Pflicht, bei bringt. Ich lasse das im Falle eines Krieges gelten; 
Zeiten für die entsprechenden Räume zu sorgen. wenn man nicht anders kann, baut man Baracken, 
Hätten wir früher für die Fortbildungsschule sorgen um Verwundete unterzubringen. Aber um Schüler 
können, dann hätten w ir heute diese Raum-Not nicht. unterzubringen, halte ich einen derartigen Ausweg 
Aber ein Schulmann kann nie und nimmer dem zu­ der Stadt Charlottenburg nicht für würdig.
stimmen, daß derartige Zustände weiter andauern. Tie Ausgabe von 41 000 c/Z ist ja bei der
Die kostbaren Apparate sind zum Teil so aufbewahrt, ständig zunehmenden Bevölkerung Charlottenburgs 
daß sie nicht benutzt werden können oder daß sie erst schließlich nicht hinausgeworfen. Ich bin der Mei­
durch das ganze Gebäude hindurchgeschleppt werden nung, daß, wenn w ir auch erst in 3, 4 oder
müssen. Ich kann in der Beziehung nur Wort für 5 Jahren dazu kommen, ein größeres Gebäude für 
Wort das unterschreiben, was der Herr Bericht­ unser Fortbildungsschulwesen zu errichten, dann 
erstatter ausgeführt hat, und billige ebenso den von allerdings schon so viel Räume erforderlich sein 
Herrn Kollegen Richter vertretenen Standpunkt. werden, daß wir die jetzt in Aussicht genommenen 
Ich meine, alle Fraktionen haben die Pflicht, Räume ganz gut für andere Zwecke verwenden
unnütze Ausgaben zu vermeiden; aber w ir müssen können. Ich gebe zu, daß Herr Kollege Zander
darauf hinweisen, woran es liegt, daß hier solche sparen will. Ja, aber w ir wollen auch sparen und 
Ausgaben nötig sind. Keiner von uns möchte diese w ir wären froh, wenn Ivir hier einen anderen Aus­
Aufwendungen gern machen; aber w ir müssen es, weg wüßten. Aber da sich hier keine andere Mög­
w ir sind es der Fortbildungsschule schuldig. Nach­ lichkeit bietet, müssen wir in den sauren Apfel beißen 
dem hier die Entwicklung der Fortbildungsschule heute und die 41 000 dH bewilligen.
dadurch retardiert worden ist, daß der Magistrats­ Allerdings hätte ich bei dieser Gelegenheit den 
antrag, für den ich pure eintrete, leider gefallen ist, Wunsch auszusprechen — ich glaube, der Herr Refe­
können w ir es nicht auf uns nehmen, am selben Tage rent hat das auch vorgetragen, ich war bei seinem 
der Fortbildungsschule zum zweiten Male dadurch Bericht nicht anwesend — , daß w ir Vorlagen, die 
Schaden zuzufügen, daß w ir die Schaffung der so m it solchen Ausgaben verknüpft sind, wenn möglich 
notwendigen Räume verhindern. Ich bitte Sie da­ früher bekommen, damit w ir uns darüber schlüssig 
her dringend, im Interesse der Sache, für die w ir werden können, ob nicht vielleicht andere Räume für 
alle so viel übrig haben, der Vorlage glatt zuzu­ diese Zwecke in Frage kämen. Wie die Sache aber 
stimmen. zurzeit liegt, können w ir nicht anders; w ir müssen 
der Vorlage, wie sie uns vom Magistrat zugegangen 
(Bravo!) ist, ohne irgend welchen Vorbehalt zustimmen.
Ttadtv. Bergmann: Ich gehöre auch nicht zu Stadtv. Dr. Stadthagen: Meine Herren! Die 
denen, die so sehr bewilligungsfreudig sind, wenn es Herren von der liberalen Fraktion sagen, sie wollten 
sich um größere Ausgaben und besonders um Aus­ auch sparen. Gewiß, aber ich glaube, hier wäre eine 
gaben handelt, die den Anschein erwecken, als wären Gelegenheit zu sparen, und hier gehen Sie nicht 
sie nutzlos. Ich kann aber die Berechnungen, die mit uns.
Herr Kollege Zander aufgestellt hat, nicht als ganz 
richtig anerkennen. (Sehr richtig!)
Herr Kollege Zander sagt, w ir kämen mit vier 
Baracken aus. Nach der Richtung hin müssen wir Nun behaupten Sie ja, es bestehe keine andere Mög­
doch aber Herrn Baurat Winrerftein mehr glauben, lichkeit; es wird behauptet, daß die andere Lösung, 
wenn er sagt, es wären fünf Baracken notwendig, die Herr Kollege Zander vorgeschlagen hat, nicht 
um diese Räume zu schaffen. Wenn Sie die Aus­ weniger Kosten verursachen würde.
gaben dafür pro Baracke nur m it 15 000 J l  an­ Was zunächst die Berechnung des Herrn Kol­
nehmen, so werden w ir auf 75 000 oH unb nach dem legen Bergmann anbelangt, so ist sie nicht ganz zu­
Urteil der Sachverständigen mit Nebenkosten auf treffend. Ich w ill ihm zugeben, daß nach Ansicht 
100 000 c/Z kommen. des Herrn Stadtbaurats und des Herrn Dezer­
nenten fünf Baracken nottvendig wären, ich will ihm 
(Widerspruch des Stadtv. Zander.) auch zugeben, daß eine 10%ige Verzinsung und 
Amortisation notwendig ist. Dann haben w ir eine 
- - Es kann sich höchstens um ein paar tausend Mark jährliche Aufwendung von 10 000 J !  und die Ba­
weniger handeln, die ich Ihnen gern konzedieren racken. Demgegenüber stehen die 13 000 dH an 
will. — Diese 100 000 müssen mit 5 % verzinst Mietsausfall und die Ausgaben für den Umbau in 
werden, und w ir müssen annehmen, daß die Ba­ Höhe von 41 000 c/Z, die Sie nun etwa auf 4 Jahre 
racken in 20 Jahren nicht mehr benutzbar sind; denn verteilen müssen. Das sind pro Jahr 10 000 c/Z. 
wie alles im Leben nutzt sich auch das ab. W ir haben Dazu kommt dann eventuell die Wiederumgestaltung 
deshalb mit weiteren 5 % zu rechnen —  das sind des Hauses nach 4 Jahren, wenn die Schule heraus­
insgesamt 10 % — , so daß w ir also auf eine Amor- genommen wird. Sie kommen daher mindestens 
tisations- und Zinsenquote von 10 000 c/Z kommen. auf einen Betrag von 20 000 dH. Herr Kollege 
Denen stehen die Mieten gegenüber, die w ir mit Zander hat nicht Unrecht gehabt, wenn er einen Be­
13 000 c/Z verlieren, und die 41 000 cH für diese ein­ trag von 30 000 c/Z und darüber ausrechnete. Aber 
malige Ausgabe. nehmen Sie meinetwegen nur 20 000 dH, dann 
Meine Herren! Es wird m ir jeder zugeben, haben Sie immer noch die doppelte Ausgabe wie 
daß Baracken nur einen ungenügenden Notbehelf ionst.
'bilden. Nun wird einmal gesagt, die Baracken seien 
ungenügend. Das bezweifle ich. Ich kann darauf 
(Widerspruch des Stadtv. Zander.) hinweisen, daß w ir auch bei den höheren Schulen
        
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