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Periodical volume 17. Dezember 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

Sitzung vom 17 Dezember 1918 'i,)1
tomobil-Verkehrs-Gesellschaft, worin er mitteilt, daß Ueberlegung bedarf. Denn unsere Absicht war, ein 
er dazu bereit wäre. Meine Herren, aber ein Schrei­ Unternehmen, das sich dicht vor unseren Toren eta­
ben an die Automobil-Verkehrs-Gesellschaft, die viel­ bliert, in der Hand zu behalten und eine Kontrolle 
leicht später garnicht mehr existiert, kann uns in dem darüber zu üben. Wenn w ir gekündigt werden könn­
Falle nicht genügen, und es müßte doch verlangt wer­ ten, so ist eine Kontrolle für uns unmöglich. —  Wie 
den, daß der Herr M inister die Freundlichkeit hätte ich bereits eingangs sagte, beantrage ich die E in ­
auch an Charlottenburg ein solches Schreiben zu setzung eines Ausschusses von 15 Mitgliedern.
richten. Dann glaube ich, daß man dieser Frage 
eher naher treten könnte. Ich glaube, daß das ein Ltadtv. Gebert: Meine Herren! Auch meine 
wichtiger Punkt bei unserer Zustimmung sein müßte; Freunde stehen auf dem Standpunkt, daß die Vorlage, 
denn w ir erhoffen ja auf diese Weise eine Ausfall­ die uns hier der Magistrat macht, ziemlich unklar ist. 
straße, und es könnte, wenn sich ein Rennplatz daraus A ls w ir uns seinerzeit gegen das Projekt dieser Auto­
entwickeln sollte, das Gegenteil für uns entstehen; mobilstraße ausjprachen, haben w ir damals gleich be­
denn w ir hätten dann nicht Platz, eine Ausfallstraße tont, man sollte sehr vorsichtig sein und nicht m it dem 
zu schaffen. Ich  halte diesen Punkt für sehr wichtig. Gelde der Stadt ein Unternehmen unterstützen, das 
Eine dritte Bedingung war dann die, daß der unter Umständen weitere Ansprüche als die Hergabe 
Königsweg durch einen Erlaß des Polizeipräsidenten des Garantiefvnds an uns stellen könnte. Und nun ist 
für den Autoschnellverkehr gesperrt würde. Das ist noch nicht einmal die Automobilstraße dem Verkehr 
ein spezieller Wunsch des Magistrats. Der Erlaß übergeben, sie befindet sich gewissermaßen noch im 
des Polizeipräsidenten ist m ir aus den Akten auch Rohbau, und da kommt nun schon die Automobil- 
nicht ersichtlich geworden; es wäre ja möglich, daß er ftraßengesellschast herbei und wünscht den im  Jahre 
noch beigebracht werden könnte. Jedenfalls ist das 1913 vereinbarten Vertrag wieder zu ändern.
wohl ein Punkt, bei dem der Magistrat noch speziell Nun, meine Herren, wie dem auch sei, ich muß 
sagen müßte, ob er auf diesem Punkt überhaupt be­ auch offen eingestehen, daß m ir die Vorlage des Mas 
stehen bleibt. gistrals und speziell ihre Begründung ziemlich auf­
Dann käme die Frage, daß sich der Kreis Teltow gefallen ist. Es heißt hier unter anderem, daß die 
in angemessener Höhe ebenfalls an der Garantie be­ Gesellschaft trotz aller Bemühungen kein Geld hätte 
teiligen sollte. Das ist inzwischen geschehen; Teltow auftreiben können, und da habe ich so das Gefühl, als 
hat sich m it 250 000 o f t  an den Obligationen betei­ wenn der Geldverleiher erst eine bestimmte Garantie 
lig t und, wie ich nebenbei bemerken möchte, in den haben wollte. Da hat sich vielleicht die Gesellschaft 
Vertrag dieselben Bedingungen aufgenommen, die gesagt: halt, stopp, hier können w ir wieder einmal 
w ir damals gestellt hatten. Es wäre uns immerhin die Stadt Charlottenburg gebrauchen,
angenehm, wenn uns im Ausschuß noch eine Abschrift 
des Vertrages vorgelegt würde, die ich auch nicht in (Sehr richtig!)
den Akten gefunden habe.
Nun sollte ein Schnellomnibusverkehr ein Stück 
in die Stadt hinein über diese Straße hinweg ein­ die eine größere Garantie übernehmen kann; um so 
gerichtet werden. Ich glaube, daß diesem Punkte ge­ leichter bekommen w ir dann eventuell Geld.
nügend durch die Vorlage des Magistrats Rechnung Ich weiß mich eines Ausspruches zu erinnern, der 
getragen ist; denn wenn die Gesellschaft zwei Jahre dahin geht: w ir wollen unseren Magistratsinitgliedern 
lang m it einer Unterbilanz von 5000 c H  gearbeitet ruhige Nächte bereiten. Ich nehme ja an, daß diese 
hat, kann es nicht in unserem Interesse liegen, daß ruhigen Nächte darauf zu beziehen sind, daß die 
die Gesellschaft das im dritten Jahre auch noch tut, Herren Magistratsmitgli eder recht sparsam zu Werke 
denn dann würden ja unsere Garantieverpflichtungen gehen sollen. Ich meine, w ir können nach dieser Rich­
um so eher in Anspruch genommen werden. tung hin doch nicht so ins Uferlose wirtschaften, wie 
Nun kommt ein Punkt, bei dem von uns ver­ es sich diese Gesellschaft vielleicht denkt. Unser ver­
langt wurde, daß nur in den Morgenstunden Probe- storbener Oberbürgermeister Schuftehrus, der seiner­
und Uebungsfahrten dort abgehalten werden und zeit recht warm für das Projekt eintrat, sagte damals 
richt mehr als zwei Rennen im Jahre stattfinden unter anderem: weiter haben w ir nichts zu über­
sollten. W ir haben das damals aus dem wohlüber­ nehmen als diese Garantie, und für die Zukunft wird 
legten Grunde getan, damit uns dort nicht eine große auch weiter nichts kommen. Aber jetzt ist noch nicht 
Rennstraße hingebaut würde, die vielleicht dem einmal der Vertrag perfekt, und da soll schon an ihm 
öffentlichen Verkehr im größten Teil des Jahres ent­ geändert werden. Ferner heißt es auch in der ganzen 
zogen würde, so daß w ir dort schließlich einen ähn­ Magistratsvorlage: es dürfte, es kann usw.; aber 
lichen Platz wie den Flugplatz Johannisthal bekom­ etwas Bestimmtes ist in der ganzen Vorlage nicht zu 
men könnten. Wer z. B. die Brooklyn-Rennbahn finden.
bei New-Uork kennt, wird zugeben, daß ein derar­ W ir stehen auch auf dem Standpunkt, daß diese 
tiges Getöse und ein solcher Geruch, wie er auf dieser ganze Magistratsvorlage doch einmal eingehend ge­
Bahn vorhanden ist, die ganze Umgegend stört, und prüft werden müßte. W ir können uns auch nicht da­
es wäre die Gefahr vorhanden, daß die Gegend beim mit einverstanden erklären, daß, wenn die Gesellschaft 
Exerzierplatz, die w ir dort zu einer schönen Wohn­ eine Unterbilanz hat, sie dann das Recht haben still, 
gegend ausbilden wollen, geschädigt würde. Ich den Kraftwagenschnellverkehr plötzlich einzustellen. 
glaube, daß man die Konventionalstrafen, die hier­ W ir können doch nicht zugeben, daß ein Verkehrs­
in der Vorlage eingesetzt sind, sehr unter die Lupe mittel, das unter Umständen m it Unterstützung oder- 
nehmen und vielleicht einige davon noch erhöhen unter Zustimmung der Stadt geschaffen wird, plötz­
müßten. lich aus dem Verkehr gezogen wird. Das dürfen w ir 
Unter Punkt 4 soll der Gesellschaft die Möglich­ nicht aus der Hand geben. Es wurde ja seinerzeit von 
en uegeben werden, den Vertrag, den w ir m it ihr dem Magistratsvertreter ausdrücklich betont, daß 
schließen wollen, in  kurzer Zeit zu kündigen. Ick, dieses Verkehrsmittel bis in das Herz der Stadt Char- 
glaube, daß das auch ein Punkt wäre, der sehr der lottenbnrg hineingeführt werden sollte. Was ergibt
        
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