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Periodical volume 22. Januar 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

32 Sitzung vom 2:2. Januar 1913
H i e r  k a n n  u n z w e i f e l h a f t  f e s t g e s t e l l t  D ie  S täd te tage  -  - hier sind die Verhältnisse in 
w e r d e n ,  d a ß  d e r  M a r k t  f ü r  z w e i t e  H y ­ großen S tä d te n  und kleinen S täd ten 'g an z  gleich, hier 
p o t h e k e n  i m  L a u f e  d e r  Z e i t  n a h e z u  ist ein harmonisches Interesse von allen S täd ten  des 
g a n z  g e s c h w u n d e n  i st . Deutschen Reiches vorhanden -  sollten ihren E in ­
fluß auf die Gesetzgebung durch Resolutionen und 
(S e h r  richtig!) durch im m er wiederholte Fassung von Resolutionen 
aufbieten, dam it die Hypothekengesetzgebung eine ent­
D ie G ründe, die vorangeführt sind, gelten natürlich sprechende Reform  erfährt. Ich  glaube auch, daß es 
auch hierfür. B ei den zweiten Hypotheken kommt möglich wäre, die Reform  herbeizuführen; denn be­
jedoch noch etw as sehr Wesentliches hinzu, w as erst rechtigte Interessen werden dadurch nicht gefährdet, 
in  den letzten Ja h re n  mehr und mehr bemerkt und und so gut m an das Bürgerliche Gesetzbuch wenige 
dadurch fühlbar geworden ist. D a s  sind die L  ü  ck e n J a h re  nach seinem In k ra fttre ten  der H aftung des 
d e s  d e u t s c h e n  H y p o t h e k e n r e c h t e s .  E s  T ie rhalters  wegen geändert hat, ebenso gut und noch 
sind in  unserm Hypothekenrecht namentlich drei M ä n ­ leichter w ird m an sich dazu entschließen können, aus 
gel, die zu einer schweren Verletzung des G läubigers derartigen schwerwiegenden G ründen an eine Reform  
zweiter Hypotheken führen. Ich  werde sie wenigstens der Hypothekengesetzgebung heranzugehen.
kurz hier anführen; ich werde auch nachher sagen, Alle diese M om ente, die ich kurz zusammengefaßt 
weshalb ich es tue, obwohl ich ja weiß, daß sie allen habe, haben nun  dazu geführt, daß heute die G läubi­
Anwesenden wahrscheinlich bekannt sind. ger der zweiten Hypotheken, soweit solche notabene 
M eine H erren, das E ine, w as unsere Hypo­ überhaupt noch gefunden werden, in  überaus häufigen 
thekengesetzgebung versäumt hat, ist, daß sie das für F ällen  und namentlich in  solchen, wo ihnen nicht 
den Hypothekengläubiger sichergestellt hat, w as eigent­ starke K ontrahenten gegenüberstehen, die Lage zu 
lich und hauptsächlich die Sicherheit fü r die V erzin­ p r i v a t e n  V e r t r ä g e n  ausnutzen, d i e , 
sung der Hypothek bietet, nämlich die M iete und die ä u ß e r s t  b e d e n k l i c h e r  A r t  sind. S ie  wissen, ’ 
Pacht. D ie  H a f t b a r k e i t  v o n  M i e t e  u n d  daß von denjenigen, denen m an Geld für eine zweite 
P a c h t  ist zwar theoretisch vorhanden, aber sie ist Hypothek gibt, nicht n u r  ein hoher Z in sfuß  gefordert, 
völlig dadurch d u r c h l ö c h e r t ,  daß der Besitzer sondern außerdem  eine A b s c h l u ß p r o v i s i o n  
nicht n u r  darüber verfügen kann, sondern daß auch verlangt w ird —  nicht fü r die V erm ittlung, sondern 
D ritte  auf dem Wege der P fändung  darüber ver­ dafür, daß m an das Geld gibt, wofür m an doch schon 
fügen können solange, b is der G läubiger in  der Lage die Zinsen erhält; und S ie  wissen, daß ein „D am no" 
ist, auf G rund  seiner rechtlichen Befugnisse eine B e­ berechnet w ird, der besonders hoch ist, wenn sich der 
schlagnahme auszubringen und diese Beschlagnahme G läubiger dazu versteht, von seinem K ündigungs­
auch wirklich ausbring t. recht einige J a h re  keinen Gebrauch zu machen. Kurz 
D a s  Zweite, w as hier zu erwähnen ist, ist die und gut, es herrscht hier eine unzweifelhafte Notlage, 
Möglichkeit der Z  i n  s  z e s s i o n e n , die Möglich­ eine N otlage, un ter der nicht n u r die schwachen E le­
keit, daß der erste Hypothekengläubiger einem D ritten , mente des H aus- und Grundbesitzes leiden, sondern 
der die Zinsen der ersten Hypothek bezahlt, die Z in ­ auch die soliden, der gesamte M ittelstand der H au s­
senforderung zediert und daß nachher diese Zinsen­ und Grundbesttzerklasse.
forderung, ohne daß der zweite G läubiger eine M eine Herren, es fragt sich nun zunächst, ob 
A hnung hat, sich zwischen die erste und zweite Hypo­ diese allgemeinen Betrachtungen auf C h a r l  o t t e n- 
thek schiebt und gewöhnlich oder wenigstens in  vielen b u r g  in vollem Umfange zutreffen. Ich  glaube, 
F ällen  zu einer E n tw ertung  der zweiten Hypothek sagen zu dürfen und im  In teresse unseres G rund­
führt. besitzes sagen zu müssen, daß hier die Lage nicht 
D a s  D ritte , w as vielleicht das Schlimmste ist, schlimmer ist a ls  anderswo, daß sie vielleicht teilweise 
das ist die ungeheure U e b e r l a s t u n g  d e s  E r ­ nicht so schlimm ist. Z um  mindesten im  letzten J a h re  
st e H e r s  i n  d e r  Z w a n g s v e r s t e i g e r u n g ;  hat sich in C harlottenburg das E rgebnis sowohl der 
das ist, daß bei der Zw angsversteigerung außer durch freiw illigen Verkäufe a ls  der Zwangsversteigerungen 
die Fälligkeit der ersten Hypothek, auch durch die günstiger gestaltet als im  Durchschnitt von B erlin , 
außerordentlich hohe S um m e von S tem pel und wobei allerdings m it in  Betracht kommt, daß gewisse 
Kosten —  bekanntlich w ird der Berechnung hierfür besondere Umstände m itw irkten, auf der einen S e ite  
nicht der tatsächlich bei der Zw angsversteigerung er­ zur S te igerung  der freiw illigen Verkäufe der Verkauf 
zielte P re is  zugrunde gelegt, sondern der gemeine der Häuser am  Kurfürstendam m , auf der andern 
W ert, der auf G rund einer Schätzung erm ittelt S e ite  zur V erringerung der Zwangsversteigerungen 
w ird — , daß durch alle diese M aßnahm en schließlich der M angel an  B autätigkeit. Aber trotzdem können 
eine Last herauskomm t, die der zweite Hypotheken­ w ir doch davon ausgehen, daß bei u n s  k e i n e s ­
gläubiger —  und hier darf m an getrost sagen: im w e g s  a b n o r m  u n g ü n s t i g e  Z u s t ä n d e  
Regelfälle —  zu tragen nicht imstande ist. o b w a l t e n ,  und ich lege gerade im  Interesse der 
M eine Herren, ich habe diese M ängel der Hypo­ Kreditfähigkeit des C harlottenburger Grundbesitzes 
thekengesetzgebung angeführt, obwohl ich wiederum auf diese Tatsache einen ganz besondern T on. Ich  
weiß, daß w ir unm itte lbar nichts daran  ändern kön­ werde dam it auch um  so weniger einem Widerspruche 
nen; denn es ist Sache der Gesetzgebung. Aber ich begegnen, a ls  es keineswegs dazu führt, etwa M a ß ­
meine, daß gerade hier sich e i n e  A u f g a b e  z u r  nahmen, wie sin in  dem A ntrage gefordert sind, für 
B e f r u c h t u n g  d e r  G e s e t z g e b u n g  f ü r  d i e  überflüssig zu erachten. Diese M aßnahm en werden 
S t ä d t e t a g e  böte, für die deutschen S täd tetage, gerade um  so wertvoller fein, je mehr sie sich von 
fü r die preußischen und für die brandenburgischen vornherein nicht darstellen a ls  den Versuch, einen 
S täd te tage , die sehr oft viel weniger wichtige D inge B runnen  zuzudecken, nachdem das K ind in s  W asier 
auf ihren T agungen verhandeln. gefallen ist, sondern je mehr sie sich darstellen a ls  
V o r b e u g u n g s m a ß n a h m e n ,  m it denen 
(B ravo !) noch Erfolge praktischer A rt erzielt werden können.
        
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