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Periodical volume 3. Dezember 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

438 Sitzung vom 8. Dezember 1913
Meinung, daß eine derartige Klausel nicht nur in dieser bürg und Spandau. Also 102 sind von außerhalb 
Zeit in die Verträge hineingehört, sondern dauernd und 100 aus der Umgegend, davon aus Charlotten- 
darin enthalten sein sollte, damit stets Charlottenburger burg nur 5. Von dem anderen Unternehmer kann 
Arbeiter soweit wie möglich bei diesen Arbeiten be­ ich Ihnen im Augenblick die Daten nicht geben; aber 
rücksichtigt werden. die Verhältniszahl wird ungefähr die gleiche sein.
Also sie sehen, es ist beim besten Willen nicht 
Stadtbaurat Brcdtschneidcr: Der Herr Redner be­ möglich gewesen —  und Sie werden bei m ir nicht 
findet sich in einem Irrtum , wenn er behauptet, daß zweifeln, daß ich den besten Willen gehabt habe — , 
es der Unternehmer Fiebig sei, der nicht genügend dort Charlottenburger Arbeiter zu beschäftigen. Des­
Arbeiter beschaffen kann. Wenn w ir schon zwischen halb muß ich einer Behauptung, die der Auffassung 
den beiden Unternehmern in bezug auf die Be­ Ausdruck gibt, daß die Bauverwaltung nickn genug 
schaffung von Arbeitern einen Unterschied machen getan habe, ganz energisch entgegentreten.
wollen, dann müssen Sie umgekehrt sagen: die Ver­
einigte Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft ist die­
jenige, die nicht genügend Arbeiter heranbekommen Stadtv. Wagner: Die meisten Herren in der 
kann. Fiebig hat immer genug Arbeiter gehabt. Kanalisationsdeputation haben den Eindruck ge­
Woher das kommt, lasse ich dahingestellt. Es kommt wonnen, daß die Verwaltung in dem Fall sicher ge­
vielleicht daher, daß Fiebig seit längeren Jahren tan hat, !vas sie tun konnte, aber zweifellos von vorn­
ausschließlich in der Umgegend von Berlin arbeitet, herein in dem Gefühl, daß das, was sie getan hat, von 
während die Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft Anfang an vergebens ist. Deshalb ist es besonders 
mehr außerhalb beschäftigt war. anzuerkennen, daß in dieser Weise gerade hier und 
Was nun die Löhne anlangt, so habe ich darüber trotzdem mit dem Arbeitsnachweis von ihr vor­
in der Kanalisationsdeputation nähere Ausführungen gegangen worden ist.
gemacht. Ich habe mich an Ort und Stelle davon Ich glaube aber, meine Herren, daß w ir den 
überzeugt, daß bei der Eisenbahnbau- und Betriebs­ Kern der Sache nicht ganz treffen, ivenn wir bei 
gesellschaft 40 Pf. nur sehr wenige Arbeiter erhal­ dieser Gelegenheit überhaupt von Rotftandsarbeüen 
ten; die meisten beziehen einen Lohn von 45, 50 und reden; das sind keine Notstandsarbeiten, sondern 
60 Pf. Außerdem mache ich darauf aufmerksam, daß Tiefbauspezialarbeiten. Wenn sich die Herren einen 
bei der Eisenbahnbau- und Betriebsgesellickaft ein Galizier ansehen wollen, wie er ein Schippe Sand 
Akkord überhaupt noch nicht geleistet worden ist, die 5 Meter in die Höhe wirft, ohne daß ein Körnchen 
Gesellschaft vielmehr die Arbeiten ausschließlich im vorbeifliegt, so werden Sie einsehen, daß das z. B. 
Tagelohn machen läßt. kein Kupferstecher fertig bekommt, der gerade Arbeit 
sucht und zu derselben Arbeit die doppelte Zeit ge­
(Hört! Hört!) brauchen würde. Weiter darf nicht vergessen werden, 
daß gerade diese Leute, die Galizier, besonders be­
Der Unternehmer Fiebig allerdings hat einige Leute dürfnislos und durch ihre robuste Gesundheit ge­
im Akkord beschäftigt, namentlich solckie Leute, die eignet sind. Also es handelt sich hier um Spezial­
m it Drainagearbeiten beschäftigt werden, wobei sich arbeiten, zu denen gerade Polen und Galizier ge­
ein Akkord leicht berechnen läßt. Hierbei verdienen eignet sind, wie auch damals bei dem Nord-Ostsee- 
die Leute 5 dt bis 5,50 dt pro Tag. Wenn Sie be­ Kanal statistisch festgestellt ist, daß nur m it diesen 
denken, daß der Arbeitstag nur 8 Stunden hat, dann Leuten wirklich gut vorangearbeitet wurde. Und das 
ist nach meiner Auffassung —  und darin werden Sie sind hier eben auch Arbeiten, die schnell bewältigt 
m ir beistimman — ein Lohn von 5 dt bis 5,50 dt werden müssen.
für einen ungelernten Arbeiter ein auskömmlicher 
Verdienst. Es kann also nicht daran liegen, daß die Jedenfalls hat die Mehrzahl der Mitglieder der 
Leute zu wenig verdienen, daß der Lohn zu gering Deputation den Eindruck gehabt, daß die Verwaltung 
ist. getan hat, rvas sie irgend tun konnte. Daß es an 
und für sich nicht gut ist, wenn ausländische Arbeiter 
Ich habe in meinen ersten Ausführungen nicht in das Land hineinkommen, darin stimme ich mit 
bebauptet, es läge daran und daran, sondern ich habe Herrn Wilk durchaus überein; aber hier ist das eine 
nur Vermutungen ausgesprochen, und wenn meine andere Sache und nicht die Gelegenheit, diese ganze 
Vermutungen nicht zutreffend sind, dann bitte ich Frage aufzurollen.
um Entschuldigung; aber Behauptungen über die 
Ursachen habe ich nicht aufgestellt. (Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird ab­
Wenn Herr Stadtv. Gebert auf Äußerungen gelehnt.)
in der Kanalisationsdeputationssitzung hingewiesen 
hat, so muß ich allerdings sagen, daß dort einige (Stadtv. Gebert: Ich verzichte!)
Stimmen laut geworden sind, die dahingehen, der 
Charlottenburger Arbeiter könne die Erdarbeiten Vorsteher Dr. Frentzel: Jetzt steht kein Redner 
nicht machen, er sei nicht daran gewöhnt, sie seien für mehr auf der Rednerliste. Damit ist die Angelegen­
ihn zu schwer; das könnten nur Leute tun, die aus heit erledigt.
der Provinz stammten. Ich möchte bemerken, daß 
ich hier zufällig eine Liste habe, aus der hervorgeht, Ich schließe die öffentliche Sitzung.
woher die Leute stammen. Danach sind 31 aus 
^n.'en, 39 aus Schlesien, 13 aus Westpreußen, 19 (Schluß der Sitzung 10 Uhr 57 Minuten.)
aus Ostpreußen; 100 sind aus Charlottenburg, See-
        
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