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Periodical volume 3. Dezember 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

Sitzung vom 3. Dezember 1913 423
rücksichtigung im  vorliegenden F a lle  dahin interpre­ G ew iß g ib t es Sachen, die natürlich a u s  gewissen 
tie r t, daß d a r in  ein V erstoß gegen die Gesetze zu er­ G rü n d en  nicht zu r Berücksichtigung überwiesen w er­
blicken w äre, so w äre ich, um  die Sache abzukürzen, d en  können; aber oft, w ie auch h ier, g ib t es, ob ich 
natürlich  dam it einverstanden, daß  die P e t i t io n  dem etw as n u r  a ls  M a te r ia l  oder zu r Berücksichtigung 
M ag is tra t a ls  M a te r ia l  überwiesen w ird. überweise, dem  M ag is tra t eine gewisse K en n tn is  von 
der S tim m u n g , daß eben nach Möglichkeit, d. h. soweit 
(S ta d tv .  Dr. C rü g e r: N a  also, dann  sind w ir ja doch es die Gesetzgebung gestattet, die Sache eventuell be­
zusam m en!) rücksichtigt werden so ll; w eiter kann d a s  natürlich der 
M ag istra t nicht berücksichtigen. Ich  nehme zu der 
Stadtv. Braune: M eine  H erren ! B ei der von F rag e  gar keine S te llu n g , ich weiß nicht e inm al 
m ir  angeregten E inschränkung des S tra ß e n h a n d e ls  genau, zu welchem S ch luß  ich selber im  P e t i t io n s ­
w ürde nicht allein  unser A rm enetat, der riesig a n ­ ausschuß gekommen b in ; d a s  ist ja auch gleichgültig. 
gewachsen ist, geschont w erden durch W iederbelebung Ich  meine, w ir können u n s  nun  endgültig entschließen, 
der Geschäfte der ansässigen H ändler, die im anderen ob w ir die P e titio n en  a ls  M ateria l oder zur Berück­
F a lle  m it ihren F a m ilie n  zum  T e il der V erarm ung  sichtigung überweisen wollen.
anheim fallen w ürden, sondern es w ürde auch der U n ­
fug beim  W areneinkauf unserer G ew erbetreibenden Stadtv. Gebert: Ic h  hätte  mich nicht zuinj
beseitigt, der sich m orgens ganz früh in  den M a rk t­ W orte gemeldet,
hallen bei den G ro ß h än d lern  dadurch abspielt, daß 
den ansässigen H änd lern  h ö h e r e  P re ise  abgefordert (Lebhafte R u fe : S ch luß!)
w erden, weil erstere wissen, die Ramscher nehmen 
nachher das Übrigbleibende für ein billiges, meist für wenn nicht H err Kollege G ranitza bean trag t hätte, 
den S traß en h an d e l. E s  w ürden dann also gleich­ diese P e titio n e n  an den P e titionsausschuß  zurückzu­
m äßigere P re ise  entstehen und die guten W aren  auch verweisen. D a  stieg m ir das Gefühl auf: na, der Kuckuck 
zu bedeutend b illigeren  P re isen , a ls  es setzt geschieht, w ird  sicher d as  E i  w ieder legen. M eine  H erren , die 
von unseren Gew erbetreibenden eingekauft werden S i tu a t io n  lieg t doch so.
können, wodurch sie auch leistungsfähiger w ürden. Ich  Je d e s  J ä h r  beschäftigen w ir  u n s  m it derartigen  
w ill d a m it nicht sagen, daß sie teu rer find; denn w as P e titio n en  und w ir haben gesehen, daß die Po lizei ihr 
sie anscheinend teu rer sind, das lä ß t m eistens die Q u a ­ A ugenm erk ganz besonders a u f den S traß en h an d e l 
l itä t  der S traß en h än d le rw are  zu wünschen übrig . 
H ierbei kommt auch noch in  F rage , ob w ir nicht auch richtet, d e r dadurch erheblich eingeschränkt ist. W enn 
das In teresse  der H au sfrau en  zu w ahren haben, die m an  n u n  aber behauptet, wie es besonders H err Kollege B ra u n e  getan hat, daß der S traß en h an d el 
bei den Ladcngeschäftsinhäoern jederzeit die W are a u s  re in  hygienischen G rü n d en  beseitigt werden 
umtauschen können, w enn sie sich nicht gu t bedient m üßte , so b itte  ich S ie ,  sich doch einm al nach den 
glauben oder m al verdorbene W are bekommen haben. S e iten straß en  zu begeben, die sich von den großen 
Ic h  empfehle, wie auch die Entscheidung a u s ­ Verkehrsstraßen abzweigen, und dort zu beobachten, 
fallen m ag, d a s  von m ir A usgeführte  bei der weite­ wie in  m uffigen, o ftm a ls  stinkigen L äden W aren ver­
ren B e ra tu n g  dieser F rag e  im  M ag is tra t zu berück­ kauft werden, wo w ah rhaftig  nichts von hygienischen 
sichtigen und unsern steuerzahlenden G ew erbetreiben­ Rücksichten zu spüren ist. W enn b a n n  gesagt w ird, 
den die Eristenzm öglichkeit zu erhallen im In teresse  die W arenhäuser verabfolgen Schleuderw aren, so 
unserer S ta d t. halten  S ie  doch einm al eine U m frage u n te r der B e­
völkerung und S ie  werden finden, daß die meisten 
Stadtv. Dr. Ttadtl-agcn: M eine H erren! H ier in  den W arenhäusern  kaufen. Also dieser K am pf w ird 
ist davon  die R ede gewesen, daß idem P e t i t io n s ­ tatsächlich m it verkehrten W affen geführt. D a s  ein­
ausschuß die rechtliche Lage nicht bekannt gewesen zige M itte l  ist d a s , w as H e rr  Kollege Scharnberg a n ­
w äre. D a  befinden sich die H erren , die  d a s  h ie r a n ­ führte : gu te  W aren , e in  den Verhältnissen entsprechen­
genom m en haben, vollkommen im  I r r t u m :  denn es der P r e i s  und gute B ed ienung , d a n n  w itb  das P u b l i ­
ist über diese rechtliche Lage eingehend im  P e t i t io n s ­ kum zufrieden gestellt und auch d e r K arrenhandel ver­
ausschuß verhandelt w orden. D e r H err ^Bericht­ schwinden, der so wie so schon erheblich eingeschränkt 
erstatter ist ja  selber J u r i s t ,  er h a t u n s  die  Sachlage ist. D a  w ir nach iden gesetzlichen B estim m ungen den 
auseinandergesetzt; der H err StaidtstzNdikus ist auch S tra ß en h a n d e l a n  sich überhaup t nicht ausschalten 
dabei gewesen und h a t sich ebenfalls dazu  geäußert. können, so verstehe ich nicht, w eshalb  w ir  diese P e t i ­
Also diese F rag e  ist selbstverständlich auch vom  S ta n d ­ tionen  nochm als an  den Ausschuß zurückverweisen 
punkt der Gesetzgebung betrachtet worden und eine sollen. Ich  möchte Ih n e n  v ielm ehr den A n trag  des 
Rückverweisung der P e titio n e n  an den P e t i t io n s ­ H errn  K ollegen Scharnberg  auf Uebergang zu r T ages­
ausschuß a u s  diesem G ru n d e  w ürde m eines E rachtens o rdnung  zu r A nnahm e empfehlen.
ganz zwecklos sein.
D ie  Ansichten darüber, ob es sich em pfiehlt, die Berichterstatter Stadtv. Dr. Fricdlaender (Schluß­
P e tit io n e n  a ls  M a te r ia l  oder zur Berücksichtigung zu w o rt): Ich  möchte mich gegen die A usführungen des 
überweisen, sind auch im  P etitionsausschuß  au se in ­ H errn  Dr. C rüger wenden. D er Ausschuß ist der A n­
andergegangen und m an  kann m eines E rachtens nicht sicht gewesen, daß, wenn die P e titio n en  dem M agistrat 
so deduzieren, daß wegen der gesetzlichen Lage der zur Berücksichtigung empfohlen werden, der M agistrat 
D inge  eine Ueberw eisung z u r  Berücksichtigung über­ dann bei dem Polizeipräsidenten die Einschränkung des 
haup t ausgeschloffen ist; das geht nicht. O b m an  S traßenhandels, soweit das gesetzlich möglich ist, be­
etw as a ls  M a te r ia l  oder zur Berücksichtigung über­ antragen kann, d. H., den S traßenhandel zu verbieten, 
weisen will, ist m ehr ein E m pfindungsunterschied. soweit er durch Fuhrw erke betrieben w ird, und ihn nur 
auf Tragkörbe und Gefässe, die eine Person tragen 
(W iderspruch.) kann, zu beschränken.
        
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