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Periodical volume 3. Dezember 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

422 Sitzung vom 3. Dezember 1913
gewiesen w urden, vermutlich —  m an  kann ja  nicht W enn m eine F re u n d e  h ier b ean trag t haben, die 
wissen, welches die inneren  G ründe w aren — , weil P e t i t io n  dem  M a g is tra t a ls  M a te r ia l  zu überweisen, 
sich in  der S tra ß e  eine F abrik  befand, in der gestreikt dann  haben w ir  u n s  dabei im  wesentlichen au f den 
wurde und die jungen M ädchen dort a ls  sogenannte S ta n d p u n k t des H e rrn  B ü rg erm eis te rs  gestellt, daß 
Streikposten standen. D a s  dam alige Vorgehen der doch im m erh in  in  der P e t i t io n  vielleicht dieses oder 
P o lize i w ird von allen denjenigen L euten, die in  jenen jenes vom  verkehrstechnischen S ta n d p u n k t a u s  be­
S tra ß e n  von Verkehr und daher auch von V erkehrs­ achtlich ist. I c h  gaube, daß  diese D ifferenz zwischen 
hindernissen nichts merken konnten, für gesetzwidrig den H erren  von  links und  u n s  a u f  diesem  G ebiet nicht 
gehalten. Aber wenn m an n un  vielleicht auch a u s  dem so außerordentlich  w eit ist. Ic h  w in d e  es  a lle rd in gs 
dam aligen Vorgehen der P o lize i den Gedanken schöp­ wünschen, daß  auch die G ru p p e  der libera len  F rak ­
fen kann, die P o lize i sei vielleicht zu einem gesetzwidri­ tio n , die sich von u n s  g e tren n t h a t, d ie  A ngelegenheit 
gen V orgehen zugunsten von L euten  geneigt, denen sie nochm als p rü f t und sich streng auf den B oden  des 
ein besonderes In teresse  entgegenbringt, wie dam als Gesetzes stellt,
der betreffenden Fabrik , so könnte m an  sich ja m it einer 
solchen P e titio n , in gesetzwidriger Weise „a u s  verkehrs­
polizeilichen G rü nd en" im Interesse der Gewerbe­ (S ta d tv . E rd m a n n sd ö rffe r : D a s  ist nicht m o d ern !)
treibenden den S traß e n h an d e l zu beschränken, obwohl 
keine Verkehrsinteressen vorliegen, an  die P o lize i w en­ —  allein  durch die gesetzlichen W ege le iten  lä ß t und 
den. A ber m an kann a u s  dem dam aligen Vorgehen m it u n s  fü r d ie U eberw eisung a ls  M a te r ia l  stim m t.
der P o lize i doch nicht den Schluß ziehen, daß auch 
unser M ag is tra t zu einer derartig  gewaltsam en A u s­ Stadtv. Scharnberg: M eine  H erren ! Ich
legung der Gesetze geneigt sein w ird, und m an  soll auch möchte doch nicht unterlassen, S ie  au f d ie  augenblick­
nicht versuchen, ihn  durch eine solche Ueberweisung ge­ lich herrschende wirtschaftliche K risis hinzuw eisen, in  
neigt zu machen, einer derartigen gewaltsamen I n t e r ­ der, glaube ich, auch die K om m une die P flicht und 
pre tation  etwa gern seine Z ustim m ung  zu geben. Schuldigkeit h a t, fü r  b illige und  gute L eb ensm itte l zu 
D esw egen halte ich es fü r ganz unangebracht, m it sorgen. B e rlin  hat, wie S ie  gelesen haben w erden, 
einer solchen P e titio n , die ja letzten E ndes n u r  darauf eine erhebliche S u m m e  zugesetzt, d am it die Einwohner- 
h in au släu ft und h inauslaufen  kann, verkehrspolizeiliche b illiges Fleisch erhalten . N u n  haben w ir, m eine ich, 
G ründe im In teresse der Gew erbetreibenden C har- g a r  keine V eranlassung, durch e in  V erbo t d es  S tra ß e n -  
lo ttenburgs, wie die B efü rw orter des A n tra g s  sagen, Handels den E in w o h n ern  von C h arlo tten b u rg  noch 
geltend zu machen, also da, wo ein Verkehrsinteresse die L eb en sm itte l zu v erteu ern ; denn sie kaufen doch 
gar nicht vorliegt, sondern ganz andere In teressen  ob­ entschieden b illige r bei den H än d le rn , w as  ja  d ie  B e ­
w alten, an  d e n 'M a g is tra t heranzugehen, und ich kann g rü nd un g  d e r  P e ti t io n e n  beweist, in  d e r  d a rau f  h in ­
S ie  n u r  b itten , über die P e ti t io n  zur T agesordnung gewiesen w ird , daß  den G ew erbetreibenden  K on­
überzugehen. kurrenz gemacht w ird . W enn  es aber ein  Gelverbe- tre ibender ehrlich m e in t und  w en n  er fü r  g u te  und 
M eine  A u sfü h ru n g en  sind frische W aren  sorgt, so kann ihm  der S tra ß e n h a n d e l Stadtv. Gebert: 
d a m it erledigt. n u r  w enig K onkurrenz machen. I c h  habe m ir  ver­schiedenen L eu ten  über den S tra ß e n h a n d e l ge­
sprochen; sie fühlen  sich durch ihn  abso lu t nicht ge­
Borsteher Dr. Frentzel: S ie  verzichten also? h indert, sie haben  -ihre beständige Kundschaft und 
legen W ert au f gute W aren . D esh a lb  kann ihnen der 
(S ta id tv . G eb ert: J a w o h l! ) S tra ß e n h a n d e l n ichts a n tu n .
I n  puncto V erkehrsinteresse b itte  ich zu berück- 
Stadtv. Dr. Krüger: Ic h  hatte  eigentlich nach lis tig en , daß d ie  W agen  doch m eist an  den Ecken 
den A u sfü h ru n g en  des H e rrn  S ta d tv . G ran itza  a n ­ holten , wo ein  F uhrw erksverkehr nicht in  F ra g e  
genom m en, er w ü rde  sich zu unserm  A n tra g  bekennen. komm t. D ie  K rä m er stellen ihre W aren  doch auch 
a u f  d as  T ro t to ir .  D a s  w ird  ja zw ar von  der P o liz e i 
(S ta d tv . G ran itza : J a w o h l! ) m eisten teils inh ib iert, aber es geschieht doch im m er 
wieder.
D a n n  dürfen  S ie  aber nicht fü r die A nnahm e des Also ich g laube, daß w ir  abso lu t keine V er­
A n tra g es  d e s  P etitionsausschusses p läd ieren . W ir  anlassung haben , in  die Sache einzugreifen . Ic h  
werden u n s  also dann  vielleicht au f Ueberweisung a ls  möchte S ie  wirklich d a ru m  b itte n , U ebergang zu r 
M a te r ia l  verständigen. T ag eso rd n u n g  zu beschließen.
(S ta d v . G ran itza : N e in !) Stadtv. Granitza: H e rr Dr. C rü g e r h a tte  ge­
g laub t, ich w ürde fü r seinen und  den Vorschlag seiner 
—  J a ,  d an n  müssen S i e  sich erst e inm al m it  sich F re u n d e  p läd ieren . I c h  w ußte nicht, w as  er vo r­
selbst einig werden. geschlagen h a tte , da er ja  b is  d ah in  noch nicht d as  
W o rt genom m en hatte , ich w uß te  auch nicht, zu w el­
(S e h r  richtig!) cher G ru p p e  seiner F re u n d e  er gehört. Ich  habe 
mich au f den S ta n d p u n k t des P etitionsausschusses 
Vielleicht ist es bei d ieser wichtigen A ngelegenheit gestellt, der h ie r Ü berw eisung an  den M a g is tra t zu r 
angebracht, sie noch e in m a l an  den P e titio n sau ssch u ß  Berücksichtigung b ean trag t. W enn  n u n  dem P e ­
zurückzuverweisen, d am it er sich d ie entsprechenden titio nsausschu ß  d ie  gesetzlichen B estim m ungen  nicht 
gesetzlichen B estim m ungen  ansteht. E s  ist ja  m it gegenw ärtig gewesen sind, er sie hierbei also äu ßer acht 
Recht d a ra u f  hingew iesen w orden , d aß  der A n tra g , ließ, so tväre e s  m e in er Ansicht nach d a s  Logische, 
den u n s  der P e trtio nsaussch uß  h ie r  u n te rb re ite t hat, diese M a te r ie  nochm als a n  den P e titio n sa u ssc h u ß  zu 
m it den Gesetzen nicht v ere inb ar ist. verweisen. W enn  m an  aber die Überweisung zu B e-
        
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