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Periodical volume 22. Januar 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

2 6  Litzung vom 21 . Januar 1913
für die ztunstgewerbeschule überwiesen und beide Nachdem man nun diese grundlegenden Fragen 
nahmen Veränderungen und Verbesserungen daran erörtert halle, hieß es, die Fortbildungsschule weiter 
vor, die sie für nötig hielten. D ie verbesserte Vortage auszubauen. F ü r  den Besuch der Fortbildungsschule 
ging an den M agistrat und wurde schon im  A pril kommen d r e i  g r o ß e  G r u p p e n  in Betracht: 
v. I .  genehmigt; aber sie kam hier nicht zur Vorlage, einmal die Schar der Lehrlinge, die dem H a n d ­
weit die Platzsrage vorher noch erledigt werden sollte. w e r k  u n d  G e w e r b e  angehören, zweitens die­
Am Schluß der Vorlage befindet sich nämlich ein An­ jenigen, die in  den k a u f m ä n n i s c h e n  B r a n ­
trag bezüglich der Platzsrage, und es hieß, ein so großes che n  tätig sind, und schließlich die große Zahl der 
Grundstück zu finden, das es zuließ, darauf die ganzen u n g e l e r n t e n  A r b e i t e r .  S o  teilt sich auch 
Baulichkeiten unterzubringen. Um die Platzfrage zu die Pflichtfortbildungsschule in  diese drei Zweige.
erörtern, tra ten  D eputation und K uratorium  wieder­ D er allgemeinen g e w e r b l i c h e n  F o r t ­
holt zusammen; m an kam schließlich im  November b i l d u n g s s c h u l e  sollen alle Lehrlinge angehören, 
dahin, ein passendes Grundstück gefunden zu haben, die im Handwerk und Gewerbe stehen. E s sollen dort 
und im  Dezember haben w ir dann das große Zimmer- Fachklassen gebildet werden, die die Schüler in drei 
mannsche Grundstück erworben, auf dem nun diese aufeinander folgenden Jahrgängen durchmachen, um 
Schulen erbaut werden sollen. dann m it einem gefestigten Wissen später a ls  Gehilfen 
N un  lassen S ie  mich noch über die Organisa- oder Gesellen tätig  zu sein. I n  diesen Kursen soll 
tionssragen sprechen. D i e  w i c h t i g s t e  F r a g e ,  zum Teil schon den Schülern Gelegenheit gegeben 
d i e  z u e r s t  e n t s c h i e d e n  w e r d e n  m u ß t e ,  werden, in Werkstätten zu arbeiten. D a s  ist n a tü r­
w a r  d i e  d e r  A b g r e n z u n g  d e r  R e c h t e  lich im Rahm en der wenigen S tunden , die der F o rt­
u n d  P f l i c h t e n  d e r  K u n s t g e w e r b e s c h u l e  bildungsschule zur Verfügung stehen, nicht möglich; 
u n d  d e r  F o r t b i l d u n g s s c h u l e .  W ir haben es kann nur dann geschehen, wenn die Jn ram gs- 
in der Kunstgewerbeschule, wie ich vorhin schon an­ meifter sich verpflichten, die Schüler über die Grenze 
deutete, eine Reihe von Betrieben gehabt, die m it der Stundenzahl hinaus, die ihnen sonst bewilligt ist, 
Kunstgewerbe nichts zu tun  hatten. D ie E ltern  die Fortbildungsschule weiter besuchen zu lassen und 
brachten aber ihre S öhne sehr gern nach der Kunst­ sie den Werkstätten zuzuführen. Diese Werkstätten, 
gewerbeschule hin, weil ih r ganzes Aeußere vornehmer die früher von den Inn u n g en  sehr stark bekämpft 
und feiner gehalten w ar a ls  die Fortbildungsschule, wurden, erobern sich immer mehr und mehr Boden, 
und da die Schüler von der Pflichtfortbildungsschule und in anderen S täd ten  sind sie schon von ganz her­
dispensiert wurden, so w ar der A ndrang zur Kunst­ vorragender Wichtigkeit geworden. Natürlich wird 
gewerbeschule so groß, daß w ir z. B . im Ja h re  1911 
un ter 1800 Schülern, die die Kunstgewerbeschule be­ dort eine Fachaufsicht von den Werkmeistern geübt, 
suchten, ungefähr 730 hatten, die dem A lter nach der die auch hier vorgesehen ist.
Pflichtfortbildungsschule zugehörten, d. H. zwischen D en Schülern, die die Pflichtfortbildungsschule 
14 und 18 Ja h re n  standen. D a s  also war in  erster nun drei Jah re  lang besucht haben, soll dann Ge­
Linie zu regeln. legenheit gegeben werden, sich weiter auszubilden. 
D ie Pslichtfortbildungsschule verlangte, daß alle E s  sind Kurse für Gesellen und Gehilfen vorgesehen, 
Schüler, die in  dem A lter stehen, das der F o rtb il­ die noch mehr als bisher den Werkstättenunterricht 
dungsschule unterworfen ist, ih r angehörten, und so fördern sollen, und es sind schließlich noch Meister- 
hat m an sich denn auch über diese grundsätzliche Frage kurse in Aussicht genommen, die nicht etwa zur 
geäußert und beschlossen, daß in Zukunft sämtliche Ausbildung von M eistern dienen sollen, sondern so 
Schüler vom 14. bis zum vollendeten 17. Ja h re  der gedacht sind, daß hier den M eistern Gelegenheit ge­
Pflichtfortbildungsschule angehören. E inige A us­ geben werden soll, sich über alle Fragen, die sie in 
nahmen kommen allerdings dabei vor. Z . B . hat die ihrem kleinen Betriebe nicht übersehen können, zu 
M alerinnung alte Gerechtsame, nach denen die Lehr­ orientieren. E s  sollen dort Zeichensäle eingerichtet 
linge der M alerinnung etwas früher auf die Kunst­ werden, in  denen die M eister m it Unterstützung von 
gewerbeschule gehen können, und m an w ill auch be­ ausgebildeten Lehrern Zeichnungen entwerfen können; 
fähigten Schülern der sogenannten Kunstgewerbe, wie sie sollen Gelegenheit haben, sich dort über M ateria­
sie hier in  unserer Vorlage auf S .  8 angegeben sind, lien erkundigen zu können und auch einfache M a­
das sind M aler, Bautechniker, Glaser, Bauzeichner, schinen, die sie selbst anschaffen oder erproben können, 
G ärtner usw., die eigentliche kunstgewerbliche I n te r ­ zu prüfen, um sie eventuell für ihren Betrieb nutzbar 
essen vertreten, Gelegenheit geben, die Kunstgewerbe­ zu machen. —  D as  wäre ungefähr dasjenige, was 
schule zu besuchen, um sich hier namentlich im Zeichnen die gewerbliche Fortbildungsschule bieten soll.
auszubilden. S ie  sollen in  Zukunft m it E inw illigung Ich  komme nun zunächst zu dem dritten Zweige, 
des D irektors der Pflichtfortbildungsschule bereits d. h. zu demjenigen Teile der Fortbildungsschule, der 
vom vollendeten 16. Lebensfahre ab das Recht haben, für die ungelernten Arbeiter bestimmt ist. Diese A r­
die Kunstgewerbeschule zu besuchen. Aber sie müssen beiter bildeten bis jetzt den schwersten Ballast für 
doch noch am Unterrichte auf der Pflichtfortbildungs­ unsere Pflichtfortbildungsschule; denn sie sind ein 
schule bis zum 17. Ja h re  in den Fächern teilnehmen, Element, das fortgesetzt im F lu ß  ist, sie verziehen, 
die sich auf das allgemeine Wissen beziehen. sind schwer zu kontrollieren und an  diesem Unterricht 
D a s  i st d e r  w i c h t i g  st e B e s c h l u ß ,  d e r  nicht so interessiert wie die aus dem Handwerk und 
f ü r  d i e  Z u k u n f t  v o n  e m i n e n t e r  B  e - dem Gewerbe kommenden Lehrlinge. Deshalb soll für 
d e u t u n  g w e r d  e n  w i r d  ; d e n n  d i e K u n s t  - diese Personen ein besonderer Schulzweig eingerichtet 
g e  w e r b e  s c h u l e  m u ß  v e r l a n g e n ,  d a ß  werden. E s müssen hierfür auch ganz besonders vor­
i h r e  S c h ü l e r  e i n  H a n d w e r k  k ö n n e n .  gebildete Lehrkräfte herausgesucht werden, die in  der 
D i e  K u n s t  i m  H a n d w e r k k a n n  n u r d a n n  Lage sind, diese Massen so zu regieren und in die 
g e f u n d w e r b e n ,  w e n n  s i e  v o n d e r T e c h -  Hand zu bekommen, daß wirklich etwas Gedeihliches 
n t k  a u s g e h t  u n d  d a s  M a t e r i a l  g r ü n d ­ beim Unterricht herauskommt. Auch diese Schüler 
l i c h  k e n n e n  g e l e r n t  h a t . haben drei Jah re , vom 14. bis zum 17. Jah re , an
        
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