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Periodical volume 29. Oktober 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

Sitzung vom 29. Oktober 1913 373
—  einige meiner Freunde, nicht die ganze Fraktion, um die Nötigen Schulbauten erst später auszuführen. 
das habe ich auch gesagt — , an  Ansprüche gewöhnt D as ist denn doch etwas ganz anderes. Aber ich unter­
wird, die sie in ihrer Häuslichkeit nickt befriedigen streiche noch einmal, daß dem Herrn Vorredner die 
kann, so daß sie mit ihrer Lage nicht mebr zufrieden Schulbauten zu gut sind.
ist, und dadurch das Heer der Unzufriedenen vermehrt. D as gleiche gilt von den Krankenhausbauten. Ich 
Vor allen Dingen aber glauben wir, daß wir wünsche ja dem Herrn Vorredner nicht, daß er mit einer 
uns nach der Decke strecken müssen und, da die jetzige Krankenhausbehandlung sürlieb nehmen mv«. wie die 
Geldmarktdecke sehr knapp ist, Zeiten abwarten sollen, ist, mit der sich die übergroße Mehrzahl der Bevölke­
von denen wir annehmen können, daß sie in dieser Be­ rung zufrieden geben muß. Aber ich konstatiere nur, 
ziehung günstiger liegen. Insbesondere bestärkt uns in daß der Herr Vorredner die gegenwärtige A rt der 
dieser Meinung.die Ansicht der Finanzsachverständigen, Krankenhausbehandlung für so vorzüglich und für so 
die glauben, daß innerhalb der näckiten Zeit eine be­ vortrefflich hält, daß es, um die Menrtzeit der Bevöl­
deutende Erleichterung des Geldmarktes nicht zu er­ kerung nicht an einen unnötigen Luxus *u gewöhnen, 
warten ist. notwendig ist, die A rt der Errichtung und der Einrich­
(Rufe: Doch!) tung unserer Krankenhäuser wieder aus ein früheres unmodernes M aß zurückzuschrauben. D as wird sich die 
—  Ich würde mich freuen, wenn es der Fall wäre; Mehrheit der Bevölkerung ad notam  nehmen.
das würden wir ja bei der Begebung unserer Anleihen Noch einen dritten Punkt möchte ich aus der 
sehr spüren. Rede des Herrn Vorredners konstatieren. I n  dem 
Meine Herren, wenn nun auch die M ajvritä ' J a h r  der nationalen Jubelfeier berührt es außerordent­
nicht dazu zu bringen ist und wir es heute auch nicht lich angenehm, von einem Vertreter derjenigen Gruppe, 
versuchen wollen, bei der Anleihe noch größere Ab­ der der Herr Vorredner angehört, versichern zu hören, 
striche zu machen, so glauben wir, daß wir jedenfalls der Wehrbeitrag habe die reichen ~eute derartig ver­
auch an  dieser S telle wieder den Appell erheben müssen, bittert und verdrossen gemacht, daß sie für öffentliche 
. daß wir bei derartiger weiterer Anspannung unseres und für soziale Zwecke schon gar nickt mehr bereit sind, 
Kredits für Erhaltung unserer Kreditfähigkeit und un­ irgend etwas zu geben. E s ist anerkennenswert und 
serer Steuerkraft besorgt sein müssen. Dieses werden in gewisser Beziehung dankenswert, daß der Herr Vor­
wir nur erreichen, wenn wir bei den laufenden Aus­ redner das mit dieser klaren Offenheu ausgesprochen hat.
gaben die allergrößte Sparsamkeit walten lassen. Wer Stadtv. Scharnberg: M eine Herren! Ich will 
nt sozialen und politischen Bestrebungen sich betätigt, auf die vorangegangenen Auseinandersetzungen nicht 
wird schon bemerkt haben, daß jetzt, wo die neuen weiter zurückkommen; ich glaube, daß die Vorlage 
Steuern und der Wehrbeitrag in Aussicht stehen, selbst schon durch die Ausschußberatung gründlich behandelt 
unsere gebefreudigen und reichen Leute kaum mehr dazu worden ist. Ich möchte nur noch erwähnen, daß die 
zu bekommen sind, Leistungen freiwilliger N atur auf Beratungen an Gründlichkeit nichts übrig gelassen 
sich zu nehmen. Die Privatwohltätigkeit, die mit den haben. Die Dezernenten sowie auch die Verwaltungs­
Gemeindewohlfahrtsbestrebungen Hand in Hand gehen direktoren haben alles daran setzen müssen, um einzelnen 
muß, wird das ganz besonders merken; auch alle die­ Herren im Ausschuß klar zu machen, daß diese Forde­
jenigen werden es, glaube ich, erfahren, die jetzt für rungen —  ich verweise hier nur auf die Errichtung von 
politische Bestrebungen Geld sammeln. Lassen S ie  da­ Krankenanstalten, über die w ir lange Zeit verhandelt 
her uns wenigstens ferner unsere Steuerkraft schonen haben —  unbedingt notwendig sind.
und das bei jeder einzelnen Position, die wir bewilligen, Außerdem beantrage ich, daß die 200 000 dt. für 
und bei dem kommenden E tat zum Ausdruck bringen. den Durchlaß zur Verbindung der beiden Teile des 
Darauf, meine Herren, möchte ich Ih re  Erwägungen Lietzenseeparks wieder in Ansatz gebracht werden. I m  
auch in diesem Moment lenken und S ie  bitten, danach allgemeinen war im Ausschuß für die Bewilligung 
vorzugehen. dieser Forderung keine Stim m ung vorhanden; als aber 
Stadtv. Dr. Borchardt: Meine Herren! Nicht der Magistrat diese Position noch um 50 000 dt zu 
das Gewicht der Ausführungen des Herren Vorredners erhöhen ersuchte, schwand vollständig die Bereitwillig­
ist es, weswegen ich hier das W ort nehme, zumal ich keit, weiter auf die Sache einzugehen, so daß es sich nicht 
aus Zwischenrufen glaube annehmen zu können, daß lohnte, ein W ort darüber zu verlieren.
der Herr Vorredner für einen verhältnismäßig kleinen Ich möchte den Herren, die schon längere Jah re  
Teil seiner eigenen Freunde gesprochen hat. Aber ich in der Stadtverordnetenversammlung sitzen, doch in 
glaube, es ist doch gut, nicht etwa die Ausführungen Erinnerung zurückrufen, daß wir uns schon häufig 
des Herrn Vorredners zu widerlegen, sondern sie noch darüber unterhalten haben, wie wir unsere Park­
einmal deutlich und klar zu unterstreichen, damit cs in anlagen, Spielplätze usw. ausgestalten können, und 
recht weiten Kreisen bekannt wird, was für Anschau­ in  Wahrheit besitzen wir doch augenblicklich in Char­
ungen eben dort auf der Seite, wo der Herr Vorredner lottenburg sehr wenig Parkanlagen. Hier, wo uns 
sitzt, vorhanden sind. die Gelegenheit geboten wird, wäre es doch unbe­
Der Herr Vorredner beklagt sich darüber, daß un­ dingt notwendig, an dieser Forderung festzuhalten 
sere Schulbauten modern sind. Nebenbei bemerkt, ist und uns wirklich einen Park herstellen zu lasten, wie 
ihm da ein kleiner Ir r tu m  unterlaufen. I m  Ausschuß ihn die Vororte nicht besitzen. Ich erinnere daran, 
haben seine Freunde nicht etwa beantragt, die B au­ was Wilmersdorf und Schöneberg für Parkanlagen 
kosten für die Schulgebäude herabzusetzen, um diese ausgegeben haben; Charlottenburg stellt sich aber auf 
Schulen einfacher auszubauen und zu gestalten; im den Standpunkt, daß für diesen Zweck Anleihemittel 
Ausschuß ist von seinen Freunden nur desbalb davon nicht flüssig gemacht werden können. N un bemühen 
geredet worden, diese Baukosten herabzusetzen, um die wir uns ständig, reiche Steuerzahler hierher zu ziehen. 
Schulbauten überhaupt zu vertagen, Wenn wir aber eine solche Politik treiben, wenn wir uns auf einen solchen engherzigen Standpunkt stellen, 
(Stadtv. Dr. Liepmann: Sehr richtig, das habe ich dann ist es wohl ausgeschlossen, daß sich reiche Steuer­
auch gesagt!) zahler in Charlottenburg niederlasten.
        
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