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Periodical volume 8. Oktober 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

350 Sitzung vom 1. Oktober 1913
Was nun ein möglichst bequemes Umsteigen? Erde erscheint überhaupt nichts; auch der Verkauf 
Daß man möglichst wenig Treppenhöhen zu überwin­ der Fahrkarten kann in dem unterirdischen Gange 
den hat. erfolgen.
Eine zweite Möglichkeit war die: der Vetvin- 
(Sehr richtig!) dungsgang für Die Umsteigenden wird unter den 
Gleisen angeordnet; die Gleise brauchen nicht gesenkt 
Kür die Anordnung der Untergrundbahn auf dem zu werden, sie bleiben in der Höhe liegen wie die alten 
Wittenbergplatz kommen, was das Umsteigen betrifft, Gleise. Ich verweise in dieser Beziehung auf den 
drei Möglichkeiten in Betracht. Erstens: Man baut Bahnhof Bismarckstraße, wo Sie so etwas sehen. 
eine unterirdische Anlage über den Gleisen. Eine Diese Anlage hat den Vorteil, daß sie verhältnis­
Halle, die oberirdisch in die Erscheinung tritt, kommt mäßig billig ist; sie würde nicht einmal so teuer ge­
dabei nicht in Betracht, ihre Decke schließt mit der worden sein wie die, die wir setzt haben. Die Treppen 
Straßenoberfläche ab; sie wird von oben beleuchtet für die Ankommenden und für die Abfahrenden sind 
durch Oberlicht, und sie führt über den Gleisen, die oequem, nämlich 4,3 m lief. Die Treppen für die 
unter ihr liegen, also in 2,8 m Höhe über den Bahn­ Umsteigenden sind aber höchst unbequem; sie werden 
steigen hinweg. Das setzt boraus, daß die sämtlichen nämlich zweimal 4,35 m gleich 8,7 m tief. Es ist also 
Gleise, sowohl die bestehenden, als auch die neu aus­ eine Höhe von 8,7 m gegen 6,0 m bei der ersten Mög­
zuführenden, tiefer angeordnet werden, und zwar um lichkeit zu überwinden, also 2,7 m mehr! Die Vor­
mehr als 3 m tiefer. Wenn Sie bedenken, daß die teile einer solchen Anlage sind, daß keine Halle er­
tiefere Lage nicht auf die Strecke beschränkt werden richtet zu werden braucht. Ich glaube aber, die Nach­
kann, wo Die zum Umsteigen erforderliche Anlage sich teile sind nicht allein darin zu suchen, daß die Um­
befindet, sondern aus die ganze Länge des Bahnhofs steigenden einen großen Weg zurückzulegen haben, 
ausgedehnt werden muß, und daß es sich noch ferner sondern auch in der großen Unübersichtlichkeit für die 
rechts und links auf die anschließenden Rampen zu er­ Abfahrenden. Denn was wird an der Oberfläche 
strecken hat, dann werden Sie die Schwierigkeiten, die erscheinen? An der Oberfläche erscheinen drei 
sich der Ausführung eines solchen Planes entgegen­ Treppeneingänge, und daneben muß ein Fahrkarten­
stellen, ermessen. Dazu kommt, daß die Gleise der häuschen stehen. Jeder also, der abfahren will, muß 
Tauentzien- und Kleiststraße von Gleisen, die aus der an den Fahrkartenschalter herantreten und eine gewisse 
Nürnberger Straße und dem Kurfürstendamm her­ Länge des Weges im Freien zurücklegen, um zu seiner 
kommen, unterfahren werden, und daß an der Luther- Treppe zu kommen. Meine Herren, wenn Sie be­
straße in späterer Zeit gleichfalls ein Gleis drunter weg denken, daß heute schon Klagen darüber geführt wer­
geführt werden soll. Alle diese Gleise hätten gleichfalls den, daß die Treppeneingänge zu der Untergrund­
entsprechend tiefer eingebaut werden müssen. Man bahn nicht überdeckt sind, dann möchte ich einmal den 
kann also ermessen, daß eine solche Anordnung viel sehen, der den Mut hat, eine solche Anlage zu be­
teurer würde als die jetzt vorhandene, — ich habe es fürworten. Eine solche Anlage, bei der der Weg vom 
nicht ausgerechnet, aber ich glaube, um mehrere M illio­ Fahrkartenschalter bis zu den Einsteigetreppen im 
nen. Meine Herren, bei Verkehrsanlagen kommt es Freien ohne Schutz zurückzulegen ist, ist verkehrs­
doch schließlich auf die Wirtschaftlichkeit an. Was technisch ganz unmöglich.
heißt es denn, wenn man in den Zeitungen lieft, der Schließlich die dritte Möglichkeit: die oberir­
Hochbahngesellschaft kann man auch die unterirdische dische Anlage befindet sich über den Gleisen, aber 
Herstellung der Umsteigemöglichkeit zumuten. Bei dem Gelände gegenüber vertieft. Das ist die An­
allen Unternehmungen kommt es doch in erster Linie lage, die heute gebaut worden ist. Sie ist teurer als 
darauf an, daß sich die nötigen Anlagekapitalien ver­ die zweite, bedeutend billiger als die erste. Die 
zinsen. Wenn die Verzinsung ganz oder auch nur zum Treppen für die Ankommenden und Abfahrenden sind 
Teil aufhört, so leidet darunter nicht allein die Ver­ bequem, nur 4,3 m tief, die Treppe für die Umstei­
kehrsgesellschaft, sondern auch der öffentliche Verkehr. genden möglichst bequem: man hat nur zweimal 
3,0 m gleich 6 m Höhe zu überwinden —, und es 
(Sehr richtig!) wird die denkbar größte Uebersichtlichkeit dabei er­
zielt. Die Herren, die heute die Halle besichtigt 
Wir haben ein lebhaftes Jnteresie daran, darauf hin­ haben, werden mir das bestätigen. Wer einen Blick 
zuwirken, daß es den Gesellschaften, bei denen wir mit­ in die Halle geworfen hat, wird sofort sehen: das 
zuwirken haben, an denen wir interessiert sind, gut geht; ist eine Anlage, die dem größten Verkehr zu genü­
gen geeignet ist. Und wozu bauen wir eine Unter­
(Sehr richtig!) grundbahn? Doch sicher nur des Verkehrs wegen!
wir haben nicht dahin zu wirken, daß es ihnen schlecht 
geht. (Sehr richtig!)
Dann kommt bei einer solchen unterirdischen 
Anlage noch folgender Mißstand in Frage. Die Die anderen Rücksichten, sofern sie nicht von beson­
Treppen für die Ankommenden und Abfahrenden — derer Bedeutung sind, müssen natürlich den Ver­
ich unterscheide setzt zwischen Ankommenden und Ab­ kehrsrücksichten weichen. Die dritte Möglichkeit 
fahrenden und zwischen Umsteigenden — werden sehr wurde gewählt, weil sie die beste verkehrstechnische 
tief. Jeder, der auf den Bahnsteig heruntergeht, Einrichtung bot.
muß eine Treppenhöhe von 6,3 m überwinden. — Nun werden seit einiger Zeit gegen die Halle 
Vielleicht haben die Herren die Liebenswürdigkeit, auf dem Wittenbergplatz lebhafte Klagen erhoben 
sich die Zahlen zu notieren. — Die Umsteigenden in den Tageszeitungen, namentlich im „Berliner Lo­
hätten es ebenso bequem wie bei der fetzigen Anlage; kalanzeiger", dann aber auch von einzelnen Personen 
sie haben zweimal 3 m — nicht 2,8 m, wie ursprüng­ und zuletzt von einer Versammlung, die. wie ich 
lich beabsichtigt — zu überwinden. Der Vorteil, den höre, gestern stattgefunden hat. Andere Zeitungen, 
diese Anlage bietet, liegt in folgendem: Ueber der die „Nationalzeitung", die „Vossische Zeitung", die
        
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