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Periodical volume 10. September 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

Sitzung vom 10. September 1918 333
M eine Freunde haben allerdings auch hier in dieser ren von der liberalen P a rte i den Arbeitern nicht ge­
Versammlung den Punkten der ersten Vorlage des M a ­ rade die freien gewerkschaftlichen O rganisationen emp­
g istrats zugestimmt, welche über das Genter System  fehlen, sie werden ihnen weit mehr die sogenannten 
h inaus den K reis der durch städtische M itte l zu U nter­ Hirsch-Dunckerschen O rganisationen empfehlen, aber 
stützenden begrenzen wollten, die auch eine U nter­ empfehlen tun sie jedenfalls auch den Zusammenschluß 
stützung derjenigen, die nach dem Ausdruck des H errn zu Organisationen. Nicht in der Vereinzelung soll 
Kollegen S tad thagen vorhin dessen am meisten be­ der A rbeiter bleiben, in  der Vereinzelung kann er nicht 
dürften, ins Werk setzen wollten. E tw as Aehnliches diejenige Fürsorge für seine Zukunft treffen, die auch 
ist auch in Schöneberg in  der dortigen O rdnung ent­ S ie , meine Herren, zu treffen ihm empfehlen. D a 
halten. m uß m an doch sagen: wenn S ie  das anerkennen, dann 
W enn aber meine Freunde entschlossen waren, sollen und dürfen S ie  den A rbeiter nicht a ls unm ündig 
seinerzeit diesen Bestimmungen der M agistratsvorlage behandeln und erklären: ja, wenn er sich den freien 
zuzustimmen, so geschah es m it dem klaren Bewußtsein, Organisationen anschließt, denen, die S ie  a ls sozial­
dag Liese Bestimmungen sehr zweifelhafte Ergebnisse demokratisch bezeichnen, dann wollen w ir von einer 
zeitigen, daß sie eine Arbeitslosenkasse ohne M itglieder Anbewegungsetzung öffentlicher M itte l auf dieser 
in s Leben rufen würden —  genau wie w ir' das in G rundlage nichtstviffen; schließt er sichHirsch-Tuncker- 
Schöneberg gesehen haben und überall sehen, wo auf schen O rganisationen  an, dann ist die Sache anders, 
dieser G rundlage Arbeitslosenunterstützung in s  Leben oann wollen w ir m it un s reden lassen. D as  ist doch 
gerufen w ird. F ü r  u n s w ar die Z ustim m ung zu einem ein S tandpunkt, den S ie  heutzutage den deutschen 
solchen Experiment nu r dadurch gegeben, daß eben Arbeitern gegenüber nicht mehr einnehmen sollten. S ie  
dasjenige m it in s  Leben gerufen werden sollte, w as ein sollten heute die deutschen Arbeiter als mündig be­
greifbares, ein positives Ergebnis haben würde, näm ­ handeln und es ihnen selbst überlassen, in welche ge­
lich die Unterstützung nach dem G enter System. D a  werkschaftliche O rganisation sie sich zusammenschließen 
das von Ih n e n  gestrichen wurde, so w ar es ganz selbst­ wollen.
verständlich für meine Freunde, daß w ir nicht zu einem 
Experim ent die H and bieten konnten, welches un ter (S e h r richtig! bei den Sozialdemokraten.)
! dem E tiquette: „E inführung einer Arbeitslosenunter-
J stützung für Charlottenburg" eine Kasse in s Leben rief, Auch die deutschen Arbeiter, soweit sie in den Hirsch- die zwar eine Arbeitslosenunterstützungskasse hieß, Dunckerschen O rganisationen vereinigt sind, stehen aber in Wirklichkeit keine war, weil Arbeitslosenunter­ meines Wissens einm ütig auf dem S tandpunkt, daß stützung daraus gar nicht gezahlt werden könnte, m an­ die Kommunen alle Veranlassung haben, gerade auf 
gels der Arbeitslosen, die dafür berechtigt waren. D a r­ Grundlage des G enter System s in eine Arbeitslosen­
aus in  erster Linie bezieht sich auch das zweifelhafte unterstützung einzutreten. Diejenigen unter Ih n en , 
E rgebnis in Schöneberg. meine Herren, die vielleicht noch nicht ganz fest ent­
D er eigentliche G rund, aus dem die M ehrheit schlossen sein sollten, möchte ich gerade auf. diese 
dieses Hauses das G enter System  ablehnte, ist heute S tellungnahm e der Hirsch-Dunckerschen A rbeiter h in ­
gar nicht genannt worden, er ist seinerzeit in beit D e­ weisen, die in dieser Beziehung m it den freien Ge­
batten genannt worden: das ist der G rund, daß die werkschaften durchaus auf demselben S tandpunkt 
M ehrheit dieses Hauses befürchtete, es liege darin  die stehen.
Unterstützung gewerkschaftlicher O rganisationen. S o  Deshalb also, um  Ih n e n  die Gelegenheit zu geben, 
lautete immer der Ausdruck. Wie ich ausdrücklich noch einmal Charlottenburg in dieser großen K ultur- 
hervorhebe, handelt es sich bei der Arbeitslosenunter­ frage m it in den Vordergrund zu stellen, deshalb haben 
stützung nach dem G enter System  nicht um U nter­ w ir diesen A ntrag gestellt.
stützung einer gewerkschaftlichen O rganisation. E iner D er H err B ürgerm eister h a t allerdings m it 
gewerkschaftlichen O rganisation wird nach diesem vollem Recht darauf hingewiesen, daß. eine solche E in ­
System  auch nicht ein Pfennig aus öffentlichen M it­ richtung einer einzelnen Kommune in dem großen ein­
teln  zugeführt. Aber die M ehrheit dieses Hauses be­ heitlichen W irtschaftsgebiet von G roß-B erlin  doch n u r 
fürchtete, eine Unterstützung gewerkschaftlicher O rgan i­ ein ganz geringes Stückwerk sein wüvde, das kaum ge­
sationen liege in  diesem System , mindestens eine mo­ eignet wäre, irgendwelche großen Erfolge zu zeitigen. 
ralische Unterstützung, und jede Unterstützung gewerk­ S eh r richtig, d as  ist ein P unk t, den w ir seinerzeit 
schaftlicher Organisationen au s  öffentlichen M itte ln , auch m it großem Nachdruck hervorgehoben haben. 
auch die moralische, sei grundsätzlich abzulehnen, weil Nebenbei bemerkt, betone ich, daß, selbst wenn in 
darin  eine Unterstützung sozialdemokratischer Bestre­ G roß -B erlin  diese Arbeitslosenunterstützung au f dieser 
bungen liegen würde. D a s  w ar der G run d  und ist G rundlage durchgeführt w ird, meine Freunde nicht 
fü r viele der Herren noch der G rund, dem G enter S y ­ glauben, daß dam it nun schon ungeheuer viel ge­
stem feindlich gegenüber zu stehen. leistet ist; aber es ist doch e t w a s  geschehen. W enn 
N u n  liegen die D inge doch so, daß von einer w ir, trotzdem w ir der Ueberzeugung w aren, daß auch 
Unterstützung, wie ich schon sagte, der gewerkschaftlichen in  diesem geringen Umfange etw as wirklich F ruch t­
O rganisationen selbst gar keine Rede ist. A llerdings bares n u r  in  G roß-B erlin  geschehen kann und nicht 
wird anerkannt —  das möchte ich in  keiner Weise ver­ in einer einzelnen Kom m une, m it so großem  Nach­
schleiern, das ist auch von V ertretern der liberalen P a r ­ druck im m er darauf hingewiesen haben: w ir w ün­
tei, die m it meinen Freunden stimmten, hervorgehoben schen, daß C harlottenburg vorangehe, da eine E in i­
worden— , es wird anerkannt und soll anerkannt wer­ gung in B erlin noch nicht herbeizuführen ist — , so 
den, daß es die Pflicht eines Arbeiters ist, in  jeder haben w ir auch nie erm angelt, zu betonen, daß w ir 
Weise für seine V erhältniße vorzusorgen, auch für die von einem solchen Vorgehen C harlo ttenburgs ein a n ­
Z e it  der Arbeitslosigkeit vorzusorgen, und daß er das feuerndes Beispiel erw arten, d as  in  anderen G em ein­
natürlich nu r im Zusammenschluß m it seinesgleichen den G roß -B erlin s Nachahmung finden w ird, so daß 
tu n  kann, daß es die Pflicht des Arbeiters ist, sich einer sich dann auch fü r G roß -B erlin  eine Einrichtung w ird 
O rganisation anzuschließen. Freilich werden die Her- treffen lassen. Leider hat C harlottenburg auf diesem
        
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