Path:
Periodical volume 10. September 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

Sitzung vom 10. September 1913 325
A rbeitsgelegenheit und dam it auch die Z ah l der den andere Gesellschaft wendet.
Krankenkassen angemeldeten M itg lieder zunim m t. 
Je tzt müssen w ir das Umgekehrte konstatieren, und (S e h r richtig! bei den Sozialdem okraten.)
d a s  läß t un s wiederum darauf schließen, daß sich die 
S i tu a t io n  im Herbst und im W inter nach ganz be­ Unser A ntrag  verlangt in seinem ersten Teil, daß 
deutend verschärfen w ird. D azu kommt, meine alle A rbeiten, fü r die das Hoch- und T iefbauam t die 
H erren, daß in  einer fü r unser W irtschaftsleben sehr M itte l bewilligt erhalten hat, schleunigst in A ngriff 
wichtigen In d u s tr ie , der B auindustrie , schon seit ge­ genomm en werden. Ich  will bei dieser Gelegenheit 
raum er Z e it eine chronische Krise herrscht. D ie  B a u ­ nicht dem M agistra t irgendwie eine U nterlassungs­
industrie und die darin  beschäftigten A rbeiter sind sünde vorwerfen, sondern möchte nu r besonders be­
davon au f das härteste betroffen. W ir haben fest­ tonen, daß der A ntrag , wenn er angenommen w ird, 
stellen müssen, daß von den B auarbe itern  nahezu doch auch in sinngem äßer Weise zur A usführung kom­
23'-% arbeitslos sind, und zwar arbeitslos über Z e it­ men m uß, indem bei der Vergebung der städtischen 
räum e von 13, 14, 20 Wochen und noch mehr. Jed e r B au ten  den U nternehm ern zur Pflicht zu machen ist, 
einzelne von Ih n e n , der sich ein kleines B ild  davon in  erster L in ie  ortsansässige A rbeiter zu berücksichti­
machen kann, w as eine so lange Arbeitslosigkeit für gen und die gegenwärtige wirtschaftliche Depression 
den A rbeiter bedeutet, w ird zugeben müssen, daß es nicht dazu zu benutzen, die A rbeitslöhne herunterzu­
dringend nötig ist, für die A rbeitslosen etw as zu tun . drücken.
Diese E rkenntn is hat sich auch weit über die D a s  Schwergewicht legen aber meine Freunde 
Kreise m einer P arte ifreund e  hindurch B ahn ge­ auf den zweiten T eil des A ntrages. W enn w ir hier 
brochen, und allenthalben w ird anerkannt, .daß setzt fordern, daß der M ag istra t ersucht w ird, erneut eine 
etw as getan werden m uß. B ish e r haben sich ja —  V orlage einzubringen, die auf G rund des G enter 
d a s  ist Ih n e n  auch nicht unbekannt —  lediglich die S ystem s A rbeitslosenunterstützung gewährt, so ist es 
A rbeiter selbst Lurch ihre gewerkschaftlichen O rganisa­ ja  nicht nötig, daß w ir u n s zur B egründung dieses 
tionen der A rbeitslosen angenom m en, während die A ntrages speziell an die Adresse des M agistrats  wen­
öffentlichen Körperschaften, die K om m unen sich dann den, sondern es ist nötig, daß w ir u n s an die M ehr­
erst gem üßigt gesehen haben, fü r Arbeitslose etwas heit dieses Hauses wenden. D er M agistrat hat ja 
zu tun , wenn sie soweit herun ter waren, daß sie bewiesen, daß er in  dieser Richtung etw as tun  wollte, 
A rm enunterstützung in  Anspruch nehmen m ußten. während die M ehrheit des Hauses diesen W eg u n ­
M eine H erren, die Leistungen, die die Gewerkschaften gangbar gemacht hat. D a s  G enter System  ist nach 
fü r ihre A rbeitslosen machen, sind in  der letzten Zeit allen R ichtungen hin erörtert und besprochen worden. 
ganz enorm gestiegen. I m  J a h re  1912 haben die M an  kann aber feststellen, daß die W iderstünde, die 
Z entralverbände allein 8,9 M illionen  M aA  an A r­ gegen dieses P r in z ip  vorhanden sind, doch an den ver­
beitslosenunterstützung ausgezahlt und hier in  B erlin  schiedensten S te llen  zu schwinden beginnen. Ich  will 
von dieser S u m m e allein 2,1 M illionen . H ierzu n u r daran  erinnern , daß sich die S ta d t  Neukölln 
kommt die in  B e rlin  von den Gewerkschaften gezahlte entschlossen hat, einen A ntrag  an den Zweckverband 
Krankenunterstützung im  B etrage von 1,7 M illionen zu richten, der eine A rbeitslosenunterstützung auf 
M ark . D ie  Tatsache, daß bisher die A rbeiter auf sich G run d  des G enter P r in z ip s  vorsteht. D es weiteren 
selbst gestellt w aren, ist ja  allgemein anerkannt. Aber ist auf der letzten Tagung der in ternationalen  K on­
es ist des öfteren schon betont worden, daß die K raft ferenz zu r Bekäm pfung der Arbeitslosigkeit, zu der 
der A rbeiter der großen Arbeitslosigkeit gegenüber auch die S ta d t  C harlottenburg einen V ertre ter ent­
versagt und versagen m uß, daß die M itte l, die die sendet hatte, festgestellt worden, daß dieses P rin z ip  
A rbeiter aus sich heraus aufbringen können, den A n­ das a lle in  richtige ist, dasjenige, das am meisten den 
forderungen nicht gewachsen sind. E s  ist interessant, E rfolg verbürgt. E s  ist interessant, zu verfolgen, wie 
d arau f hinzuweisen, daß selbst liberale B lä tte r, so dieses G enter System  an seinem U rsprungsort selbst 
das B erlin er Tageblatt, die F rage  auswerfen, w as gewirkt hat. A uf der in ternationalen  Konferenz stellte 
jetzt getan werden soll. D a s  Tageblatt äußert sich der P räsiden t dieser E inrichtung in G ent fest, daß 
dazu folgenderm aßen: die Z ah l der Almosenem psänger sich vom Tage der 
B ish e r hat m an die ArbeitsloscNfürsorge fast G ründung  der Arbeitslosenkasse an fortgesetzt verm in­
ausschließlich der Selbsthilfe der A rbeiter über­ dert h a t: sie betrug im  J a h re  1900 5879 Personen, 
lassen, und die O rganisationen  der deutschen im J a h re  1912 n u r noch 3158. D as  ist, wenn m an 
Arbeiterschaft haben alljährlich M illionen auf­ die Bevölkerungsverm ehrung in Betracht zieht, eine 
gewendet, um  die arbeitslosen Kollegen zu V erm inderung um rund 5 0 % . Gerade durch diese 
unterstützen. Diese Tatsache sollten auch unsere Zahlen w ird bewiesen, daß dieses System  nicht n u r  
politischen und gewerkschaftlichen Scharfmacher einen großen V orteil fü r die A rbeitslosen, sondern 
berücksichtigen, die in  den Gewerkschaften n u r auch fü r die G em einden m it sich bringt, und daß auch 
staatsfeindliche Elem ente sehen. D ie  Gewerk­ der moralische E rfolg dieser Einrichtung em inent 
schaften können von sich aus aber auf die D au e r groß ist. W eil w ir annehmen, daß d a s  V ordringen 
das Uebel nicht allein lindem , zum al auch zahl­ dieses durchaus gesunden Gedankens schließlich auch 
reiche A rbeitslose einer O rgan isa tion  nicht a n ­ in Ih re m  Kreise zu spüren sein w ird, haben w ir uns 
gehören. H ier hat die Gesellschaft die sittliche veranlaßt gesehen, einen entsprechenden A ntrag  ein­
Pflicht, einzugreifen. zubringen.
E s  ist allerdings nicht gesagt, meine H erren, welche M eine H erren, a ls  die vorige Krise tiefe W un­
Gesellschaft hier eingreifen soll. Ob h ierm it die libe­ den unserm W irtschaftsleben und vor allen D ingen 
rale Gesellschaft gemeint ist, weiß ich nicht. Aber den A rbeitern schlug, da w aren S ie  bereit, in  E r ­
nach dem Interesse, das S ie  dem jetzt zur D ebatte wägungen einzutreten, wie m an die N o t der A rbeits­
stehenden P u n k t entgegenbringen, scheint m ir, a ls losen lindern  könnte. S ie  haben die Sache hin und 
wenn sich das liberale B erlin e r Tageblatt an eine her erwogen. D ie  K risis ist inzwischen vorüber-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.