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Periodical volume 25. Juni 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

304 Litzmifl Dom 25. J i» ii  11)13
stützung n u r  die L eiter der A nstalten  ausgenom m en eine n e u e S te lle  verschaffen m u ß ; d a s  ist ein  V erlan gen , 
yatte, an  denen konfessionelle Beschränkungen bestehen, das zu w eit geht. W er sich in ein U nternehm en begibt, 
aber nicht die Lehrkräfte. D ie  S tad tvero rdne tenver­ bei dem er später sieht, daß er nicht hineingehört, w ird 
sam m lung hatte durch einen Zusatz gerade ihren ent­ nicht verlangen können, daß  m an  ihm ohne w eiteres 
gegengesetzten S tan d p u n k t besonders m arkiert, und es ein anderes Unterkom m en bietet. Ich  glaube auch gar 
rom nü  einem fast so vor, a ls  wenn diese neue V orlage, nicht, daß der F a ll  so häufig vorkomm t. Ic h  verharre 
welche die Sache auf einer ganz neuen G rundlage^ zu also vor allem  unbedingt auf dem S tan d p u n k t, daß 
regeln vorschlägt, ihre Entstehung lediglich der Absicht m an in  erster L inie jede gehässige und engherzige B e­
verdankt, jenen Beschluß der S tadtverordnetenversam m ­ schränkung bekämpfen m uß.
lung bei dieser Gelegenheit überflüssig zu machen. M eine H erren, die V orlage, wie w ir sie hier haben, 
W iederholt ist auch heute der S tan d p u n k t der G e­ i s t  äußerst kompliziert, auch in  ihren finanziellen B e­
rechtigkeit geltend gemacht worden, zuerst von dem stim m ungen von einer höchst undurchsichtigen K om vli- 
H errn  R eferenten in  nach m einer M einung  durchaus z ierthe it, und trotz dieser K om p liz ie rth e it h a t sie noch 
richtiger Weise, d ann  aber von dem H e rrn  B ü rg e r­ eine Lücke: ich sehe z. B . nicht ein, weshalb die A u s­
meister in d e r  Weise, daß es sich hier um  eine G e­ nahm e sich n u r  auf k o n f e s s i o n e l l  beschränkte 
rechtigkeit gegen die L ehrerinnen  handeln  müsse. H ier S chulen  beziehen soll. Ic h  kann m ir  vorstellen, daß 
steht eine Auffassung gegen die andere, und S ie  haben sich auch eine ad lige  Schule e tab lie rt, und  ich w ürde 
kein Recht zu behaupten, daß das eine gerecht und das n iem als geneigt sein, einem L eiter oder den Lehrkräf­
andere ungerecht ist. J e d e r  von u n s  w ird fühlen, daß ten, uie lym  zur S e ite  stehen, eine städtische U nter­
im  einzelnen F a lle  eine Lehrerin  zu beklagen ist, wenn stützung zu gewähren, wenn er seine Schule lediglich für 
ih r die von der S ta d t  generell zu gewährende U nter­ adlige K inder halten  w ill. M a n  kann ihm  d as  nicht 
stützung nicht zu teil w ird. W enn m an aber einen verwehren, er mag es tun , wenn er w ill; aber er m uß 
Grundsatz in  der ernsten Absicht durchführen will, einen auch wissen, d aß  er dann  nicht die Aussicht hat, von 
Schaden auszu ro tten , der wie ein Krebsschaden an  u n ­ der S ta d t  eine Unterstützung zu beziehen. Glücklicher­
serer Bevölkerung friß t, so kann m an nicht nach rechts weise haben w ir dergleichen in  C harlo ttenburg  nicht, 
oder links sehen und kann nicht den Schaden berück­ wohl aber an  anderen S te llen .
sichtigen, der für den einzelnen d a rau s  entstehen könnte, G enug, ich stehe auf dem S tand pu nk t, daß m an 
wenn er sich nicht rechtzeitig rettet.
H err Kollege Ja s tro w  hat vielleicht in  einer über­ nicht n u r  den Vorschlag des H e rrn  B ürgerm eisters , der die M agistra tsvorlage aufrecht erhält, ablehnen m uß, 
sprudelnden A eußerung  seines ensten E m p fin d en s den sondern ich gehe sogar so w eit, daß ich auch m it dem 
A usdruck gebraucht: „jüdische" S ta d tv e ro rd n e te  erklär­ A usschußantraq nicht zufrieden bin. Ic h  hatte  im  A u s­
ten, daß das Gerechtigkeitsgefühl der Bevölkerung ver­ schuß den A n trag  gestellt, daß diejenigen Lehrkräfte von 
letzt würde. Ic h  und viele von u n s , die in gleicher der städtischen U nterstützung auszuschließen w ären , die 
S i tu a t io n  sind, fühlen sich nicht a ls  jüdische S ta d tv e r­ .^vorwiegend" an  A nstalten  m it konfessioneller B e ­
ordnete, sondern lediglich a ls  S tad tv ero rd ne te  von schränkung tä tig  sind. Ic h  konnte mich m it dem A n ­
C h arlo ttnb u rg , trag , wie er vorliegt und der sagt, daß eine Lehrkraft, 
(S e h r  richtig!) oic gleichzeitig an  einer Schule m it beschränkter und an einer m it unbeschränkter A ufnahm e tä tig  ist, ohne wei­
und  a ls  solcher m uß  ich s e d e Beschränkung e in e sT e ils  teres die städtische Unterstützung erhält,' nicht einver­
m einer M itb ü rg er, jede gehässige Ausschließung, die au s  standen erklären. Aber der Ausschuß verw arf meine 
G ründen  der Konfession dem E inzelnen zugefügt w ird, schärfere Fassung. Ich  will jetzt nicht noch einm al m it 
für einen Schaden halten, den ich von G rund  a u s  a ls  einem besonderen A n trag  au ftre ten , weil ich ihn für 
S tad tv ero rd ne te r zu bekämpfen habe. aussiw tslos halte. Aber die M einung  der V ersam m ­
(B rav o !) lung w ird sich einfach feststellen lassen, wenn m an  den Satz 2 von Absatz 2 der Z iffer I  zu r besonderen A b­
V o n  diesem S ta n d p u n k te  a u s  m uß  ich es er­ stim m ung stellt.
tragen, daß eine einzelne L ehrerin  —  m an  spricht ü b ri­ Ich  wiederhole, meine H erren, m an  m uß ni-^t n u r 
gens fälschlich im m er von L ehrerinnen, es kann sich im m er auf die sogenannte antisemitische R ichtung h in ­
)a auch um  Lehrer handeln daß eine einzelne L ehr­ weisen. sondern m an m uß festhalten: jeder, der die 
kraft geschädigt w ird. D a s  kann vorübergehend der Ausschließung einer Konfession erstrebt - -  namentlich 
F a ll  sein; aber der Betreffende m uß nach dem Recuten an einer S c h u l e ,  die doch die F ah ne  der B ildung  
sehen, er kann es unmöglich ü b e r s e h e n ,  wenn er an und A ufklärung hochzuhalten berufen ist — , m uß unter 
einer solchen Schule, bei der überhaupt oder zum  gro­ allen U m ständen der Unterstützung seitens der S ta d t  
ßen T eil eine konfessionelle Beschränkung besteht, die en traten.
T ätigkeit fortsetzt. F ü r  so blind und so m it einer B inde 
umgeben darf m an  doch wahrlich unsere Lehrkräfte nicht (B rav o !)
halten. W enn  sie ursprünglich einm al an  eine solche 
Schule —  um  den Ausdruck zu gebrauchen —  ver- S ta d tv . V ogel: M eine  H erren! S chon  in  der 
chlagen sein sollten, so werden sie doch in  K ürze ein- Ausschußsitzung w ar ich erstaunt über d ie  langen 
ehen, w orum  es sich handelt und wie der Hase läuft, S tre ite re ie n  wegen der U nterstützung d e r L eh re rinnen  
und dann m üßten  sie vom S tan d p u n k t der U nbefangen­ in  Rücksicht a u f  die A nzah l der S tu n d e n , d ie  sie an 
beit und O bjektivität a u s  sagen: an  einer solchen Schule konfessionell beschränkten A nstalten  geben, darüber, daß  
w eiter m itzuwirken, geht nicht an , sonst begehe ich m i t 
eine S ü n d e  und  nehm e m i t  eine Schuld auf mich, re keine U nterstützung bekommen sollten, w enn an  der S tu n d e n z a h l, d ie in  konfessionell unbeschränkten A n ­
wenn ich weiter meine K raft dieser A nstalt widme. t a t e n  e rte ilt sind, einige S tu n d e n  fehlen. Ic h  w urde 
(Z uru fe .) auch darüb er in terp ellie rt, w arum  ich mich nicht an d ieser Katzbalgerei bete ilig t hätte .
W as H err Kollege Jo lenberg  einw irft, käme darauf 
h in au s, daß m an jedem, der einen F eh ler gemacht hat, (H eiterkeit.)
        
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