Path:
Periodical volume 25. Juni 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

302 Sitzung vom 15. Ju n i 1913
fräste  au s , w enigstens kann die P riva tschu le  leicht bedingt von  den I n te n t io n e n  dieser S chule beeinfluß t 
L ehrkräfte ausnutzen, indem  sie fü r  b illiges G eld und  können sich nicht d a rü b e r beklagen, w enn m an  
U nterrich t erteilen  lä ß t;  3. ist bei den  p riv a ten  sie von Z uw endungen , die m an  anderen  L ehrkräften  
S chulen  leicht d ie  M öglichkeit gegeben, d aß  die K laffen zukom m en lä ß t, ausschließt.
zu stark besucht sind, und  daß  der U nterrich t nicht so N u n  h a t sich der Ausschuß au f dieses I h n e n  v o r­
g u t e rte ilt w erden kann wie an  einer allgem einen  geschlagene K o m p ro m iß  geein ig t u nd  h a t, w enn  ich 
Volksschule. nicht irre , einstim m ig beschloßen, d aß  w ir  d ie Z e it  
D a s  Schlim m ste ist n u n  aber v ie rte n s , d aß  solche nicht anrechnen w ollen, d ie  sie an  solchen S ch u len  ge­
S chu len  S onderbesirebungen  verfolgen. M eine  leh rt haben.
H erren , w enn die A llgem einheit h ie r M itte l  bew illig t, 
solche höheren M ädchenschulen zu unterstützen, die es (S ta d tv .  S ch w arz : N icht e in stim m ig !)
sich zum  P r in z ip  machen, d ie S ch ü le rin n en  a u s  einer 
ganzett Klasse der B evölkerung auszuschließen, so sehe —  Vielleicht gegen eine S tim m e , d a s  m ag sein.
ich d a rin  eine Ungerechtigkeit. D ie  J u d e n  sind dort (B erich tersta tter S ta d tv .  Dr. D a m m : G egen zwei 
ausgeschlossen. M i t  welchem Recht w erden sie von S tim m e n !)
diesen A nstalten  ausgeschlossen? H aben  sie nicht ge­
n a u  dasselbe V erlangen  nach B ild u n g , dieselbe B i l ­ A u f diese Brücke sollte m a n  doch tre te n ; m an  sollte 
dungsnotw endigkeit wie d ie an deren?  Also, m eine doch den G efühlen  der jüdischen B evölkerung h ie rin  
H erren , eine Gerechtigkeit kann ich d a r in  nicht sehen, R echnung trag en . W enn  sich eine so große A nzah l 
S ch ü le rin n en  bestim m ter Konfession auszuschließen. von  jüdischen S ta d tv e ro rd n e te n  über eine solche U n­
N atü rlich  tuU m ir  diese L eh re rin n en  auch leid, gerechtigkeit beklagt, d an n  ist d a s  der A usdruck der 
und  ich wünsche vom menschlichen S ta n d p u n k t au s , G efühle eines großen  T e ile s  der jüdischen B e­
d aß  m an  ihnen  h ilft. A ber w enn ich in  diesem V o r­ völkerung. H ie r m ü ß te  Gerechtigkeit geübt w erden, 
gehen eine Schädigung  des V olkes, der A llgem einheit und  ich w ürde deshalb  b itten , daß  S i e  nach dieser 
sehe, so unterstütze ich eine solche B estrebung  nicht. R ich tung  h in  den A n tra g  des Ausschusses annehm en.
W erden  G e ld m itte l fü r  S on derb esireb un gen  bew illig t, Bürgermeister Dr. Maier: M eine  H erren !
so konservieren w ir  einen Z ustand , der die Entwick- 
lungsm üglichkeit hem m t. W enn ich doch noch e in m al in  dieser Sache d as  W o rt 
D esha lb  b itte  ich S ie .  sich au f den S ta n d p u n k t ergreife, so geschieht es lediglich, um  H errn  S ta d tv .  J a s tro w  zu a n tw o rten , daß  ich mich, w enn  ich nicht 
des Ausschusses zu stellen, der eine Brücke b ildet, au f voll von der R ichtigkeit des S ta n d p u n k te s  des M a ­
der m an  sich entgegenkom men kann: aber im  ganzen g is tra ts  überzeugt w äre , au f dieses K o m prom iß  
betrachte ich d as  V orgehen n u r  a l s  ein n o tw end iges ohne w eiteres eingelassen hätte . A ber ich b in , trotz­
Uebel und  w ürde mich freuen, w enn die Entw icklung dem ich mich reiflich m it dieser F ra g e  beschäftigt habe, 
der S chule einen solchen G an g  nähm e, d aß  die in  keiner Weise durch die A u sfü h ru n g en  des H errn  
P rivatschu len  ü berh aup t au fhö rten . J a s tro w  überzeugt. Ic h  nehm e auch nicht an , daß 
die I n te rp re te n  der G efühle der jüdischen B e­
Stadtv. J a s tro w : Ich  b in  über die A u s ­ völkerung, sow eit sie in  der S ta d tv e ro rd n e te n v e r­
füh rungen  des H e rrn  B ü rgerm eis te rs  sehr erstaunt. sam m lung vorhanden  sind, etw a in  ih re r A u to r i tä t  
E r  h a t u n s  gesagt, daß  im  Ausschuß die D in g e  b is  gegenüber den H erren , die w ir  im  M a g is tra t haben, 
zum  U eberd ruß  e rö rte rt w orden  sind, und  daß im  irgendw ie im  Uebergewicht sind. Ic h  kann S ie  ver­
Ausschuß die M ehrh e it, die sich bei der früheren  V o r­ sichern, m eine H erren , daß  eine g ro ße  A n zah l von  
lage über diesen G egenstand h ier in  der S ta d tv e r ­ jüdischen H erren  au f dem entgegengesetzten S t a n d ­
ordnetenversam m lung  durch eine nam entliche A b­ punkt steht, indem  sie durchaus anerkennen, daß der 
stim m ung  dokum entiert h a t, durchaus entgegen­ S ta n d p u n k t des M a g is tra ts  von  dem G efüh l der G e­
komm end w ar. N u n  hat aber der H e rr B ü rg e r­ rechtigkeit d ik tiert ist.
m eister dieses E ntgegenkom m en in  keiner W eise ge­
w ü rd ig t, sondern h a t sich bei seinen E rö rte ru n g en  (S e h r  rich tig !)
ganz au f den S ta n d p u n k t der M a g is tra tsv o rla g e  ge­
stellt, w ie sie ursprünglich w ar, und  alle die G rü nd e  M ein e  H erren , in  F ra g e n , die so p rin z ip ie lle r  
w ieder dargelegt, w ie er es im  Ausschuß getan  hat. N a tu r  sind wie die gegenw ärtige , kann ich ein O p fer 
E r  h a t u n s  vor a llen  D in g en  gesagt, w ir  m üßten  der U eberzeugung nicht b ringen . A u s  diesem G ru nd e  
auseinem gew isienG erechtigkeitsgeftih l'heraus handeln , b in  ich genö tig t, den  S ta n d p u n k t, den w ir  früher 
w ir  m ü ß ten  diese L eh re rin nen , die doch wahrscheinlich eingenom m en haben, h ie r noch e in m al zu betonen. 
m it  einer gewissen U n ken n tn is  der D in g e  in  diese Ic h  habe ausdrücklich anerkann t, daß ich d a s  E n t ­
S te llu n g e n  gegangen w ären , ohne recht zu wissen, gegenkommen der H erren , die einen anderen  S t a n d ­
w ie die R ich tung  in  der betreffenden Schule ist, nicht punkt vertre ten , durchaus w ürdige und  dankbar be­
so h a rt bestrafen. D a s  w äre d an n  keine Gerechtigkeit grüße.
gegenüber diesen L eh re rin nen . Tatsächlich ist dieser 
E in w u rf  im  Ausschuß b is  zum  U eberdruß  w iderlegt Stadtv. Schwarz: S e h r  interessan t w aren  m ir  
w orden, und  ich m u ß  sagen, daß es nicht angenehm  die A u sfü h ru n g en  des H e rrn  K ollegen G ran itza ; so 
ist, h ie r nochm als au f die Sache zurückzukommen. Ich  einfach, w ie er es au ffaß t, liegen die D in g e  nicht. Ich  könnte mich m it  ihm  inbezug au f die p rin z ip ie lle  
m u ß  aber den H e rrn  B ürgerm eister doch fragen, ob 
es gerecht ist, w enn  der jüdischen B evölkerung von A uffassung, daß  es besser w äre, es existierten keine 
S chu len  m it H ilfe  solcher L eh re rin nen  so in s  Gesicht P riva tschu len , einverstanden erklären. S ie  existieren aber n u n  einm al, und  w enn er sie s trangu lie ren  w ill, 
geschlagen w ird , w enn E lte rn  und  K in d er in  dieser w ie er zuerst sagte, so zeigt er d am it, daß  seine Aus- 
unw ü rd igen  W eise behandelt w erden, und  ob es eine faffung in  dieser Sache durch einen T rop fen  sozialen 
Ungerechtigkeit ist, w enn  m a n  sich au f den S t a n d ­ O e ls  b isher nicht gefärbt ist.
punkt stellt, daß  m an  sag t: w enn L eh re rin nen  eine 
Z e it  lan g  d o rt angestellt w aren , d an n  sind sie im ­ (H eiterkeit.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.