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Periodical volume 23. April 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

220 Sitzung Vom 23. April 1913
Zusammenhang mit der Unterführung der Kaiser- weit überschritten werden wird. Ich glaube, daß 
Friedrichstraße steht. E s  muß nämlich das jetzige man das so in der Vorlage stehen läßt, da es wohl 
Empfangsgebäude abgerissen werden, und das kann auch der Eisenbahndirektion sehr sckwer möglich sein 
nur geschehen, wenn der neue Bahnhof gebaut ist. wird, jetzt schon festzustellen, wieviel Schwellen sie 
Damals war keine Aussicht vorhanden, daß der zum Beispiel an diese Stelle heranschaffen muß bzw. 
Bahnhof in absehbarer Zeit gebaut würde; es hat sich dann dort hat. Wir werden uns also wohl mit der 
das aber in der Zwischenzeit wohl etwas geändert, kleinen Dehnbarkeit der Vorlage bescheiden müssen.
und ich bitte den Herrn S tadtbaurat für Tiefbau, Daß die Verstärkung der Deckenkonstruktion der 
sich darüber zu äußern, ob wir in naher Zeit Aussicht Unterführung auf Grund der vorgesehenen Erhöhung 
haben, daß dort ein Bahnhof entsteht, der entschieden des Bahnkörpers um etwa 1 Meter schon jetzt vor­
der Entwicklung der ganzen Gegend dienen muß, und genommen wird, ist auch praktisch, da eine spätere 
es würde der Frage jetzt auch wohl in Verbindung Aenderung, wenn der Verkehr erst durch diese Unter­
mit der beschlossenen Elektrisierung der Stadtbahn führung fließt, schwieriger auszuführen ist.
eher nähergetreten werden können. Nun, meine Herren, muß ich noch auf einen 
Jetzt liegt der Eisenbahnkörper in einer Länge Vorschlag zurückkommen, den ein Mitglied unserer 
von etwa 800 M etem von der Holtzendorffstraße bis Versammlung an verschiedene andere Mitglieder und 
zur Wilmerdorfer S traße als ein großes Verkehrs­ auch sonst außerhalb verschickt hat. Ich möchte das 
hindernis für den südlichen S tadtteil da. Auch nicht im Schlußwort tun, um dem Herrn auch Ge­
Wilmersdorf und Schmargendorf werden _in ihrer legenheit zu geben, darauf eventuell zu antworten.
Entwicklung gehindert, und ich glaube, wir sind schon Der Herr möchte gern die Unterführung weiter 
lange von dem Standpunkt abgekommen, daß wir nach Westen verschieben; er behauptet in diesem 
uns gewissermaßen mit einer chinesischen M auer zu Schriftstück, daß er dadurch 100 000 bis 150 000 Jt 
umgeben haben, um den Fortschritt der anderen sparen würde. E r führt dann auch Einzelheiten an, 
Stadtgebiete zu verhindern. W i r  w e  rd  en  i n ­ auf die er diese Behauptung stützt. Zum Beispiel, 
d i r e k t  i m m e r  e i n e n  V o r t e i l  d a v o n  meint er, wäre die schräge Lage der Unterführung, 
h a b e n ,  w e n n  w i r  u n s e r e  G r e n z e n  wie sie der Magistrat beabsichtigt, teurer. Ich habe 
ö f f n e n .  Auch der Verkehr nach der Jungfern­ aus den Akten feststellen können, daß die Unter­
heide würde besser werden. Von dem oberen Kur- führung den Bahnkörper statt mit 90" mit 86" 
sürstendamm her war einmal eine Bahn unter der schneidet, was, auf die Länge berechnet, etwa 50 cm 
Unterführung der Wilmersdorfer S traße hindurch ausmachen würde. D as wird also wohl jedenfalls 
projektiert, die nach dem Exerzierplatz führen sollte, bei der Differenz in seiner Kostenberechnung nicht 
um dieses Terrain auszujchließen. W ir sind von dieser ins Gewicht fallen.
Idee wieder abgekommen. Es zeigt sich aber, daß 
jede Unterführung, die von der Bahn aus gemacht T ann kommt er auf die Unterführung des klei­
wird, ebenfalls diesem Richtungszuge dient. nen Schaltwerkhäuschens und des anderen kleinen 
Technisch ist die Frage, wie S ie  aus den dort Stellwerkgebäudes, das sich dort befindet. Ich 
aufgehängten Zeichnungen sehen, sehr interessant; sie habe aus dem Kostenanschlag feststellen können, 
ist andererseits auch schwer zu lösen. E s müssen daß die Aufwendungen für die ganze Unterstützung, 
gerade in der Zeit zwischen dem letzten und dem die dann während des Baues notwendig sein wird, 
ersten Zuge die Gleise unterstützt, die Fundamente 25 000 Jt Betragen werden. Ich glaube, das ist auch 
für die Widerlager streifenweise eingebracht werden. eine Summe, die zu dem Betrage von 700 000 Jt' 
S ie  werden dann, nachdem die Fundamente betoniert in keinem Verhältnis steht. Wenn er befürchtet, daß 
find, wieder hinterfüllt, dann werden sie wieder durch die Frage des Bahnhofsbaues in bezug auf den ästhe­
Schwellenlager auf dem Erdboden gestützt, um die tischen Standpunkt nicht gut gelöst werden könnte, 
Unterführungsträger einbringen zu können. Bei dem so können w ir uns da, glaube ich, ruhig auf unsere 
großen Verkehr, der auf dem Charlottenburger Bahn­ Architekten verlaßen.
hof herrscht, ist das technisch eine sehr interessante Ich glaube, daß es im allgemeinen nicht richtig 
Lösung. ist, die cuoße Öffentlichkeit mit einer solchen Frage 
Geschickt war es von der Verwaltung, den Geh. zu beschäftigen, namentlich wenn auch die genannten 
Baurat Wambsganß zu interessieren, da auf diese Summen nicht ganz stimmen. I n  dem Schreiben 
Weise eher ein Einverständnis mit der Eisenbahn- wünscht das Mitglied, daß sich die Tiefbaudeputation 
direktion von vornherein gegeben war. Auch die Ar­ bzw. unser Herr S tadtbaurat mit seinem Vorschlage 
beitsteilung ist entschieden geschickt gelöst, indem die näher hätten befassen sollen. Ich meine, wenn von 
Eisenbahn alles das ausführt, was sie besser versteht, vornherein die Ansicht bestanden hat, daß dabei kein 
also die Verlegung der Gleise und alles das, was Vorteil für uns herausschaut, dann lag auch keine 
m it dem Eisenbahnkörper im Zusammenhang steht, Notwendigkeit vor, die Sache auszuarbeiten. Außer­
während der reine Brückenbau der S tad t vorbe­ dem ist es immer Aufgabe desjenigen, der etwas be­
halten ist. hauptet, auch die Beweise dafür anzuführen.
Es befindet sich in der Vorlage des Magistrats Ich möchte S ie  bitten, die Vorlage glatt anzu­
noch eine etwas dehnbare Summe, die sich auf die nehmen und sich nicht durch das Rundschreiben, das 
Verwaltungs- und Nebenkosten und auch auf das An­ wir bekommen haben, beirren zu laßen. Die Sache 
fahren und Fortschaffen der Schwellen, worüber sich eilt, die Gegend wartet darauf, und ich glaube, daß 
die Eisenbahndirektion noch nicht ganz genau ge­ die ganze Frage inzwischen schon viel besprochen und 
äußert hat, bezieht. Es ist da eine Summe von reiflich erwogen ist. Ich bitte um Annahme der 
etwa 50 000 Jt von dem Geh. B aurat Wambsganß Vorlage.
in den Kostenanschlag eingesetzt worden, und es wird 
ausgesprochen, daß diese Sume voraussichtlich nicht (Bravo!)
        
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