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Periodical volume 23. April 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

208 Sitzung vom •23. Avril 1913
B ürgerm eister Dr. M a ie r :  Ich  möchte gegen­ M a n  hat in  den Bestim m ungen, die über diese F rag e  
über den A usführungen  des H errn  S tad tv e ro rd n e ten  bestehen, neuerd ings festgesetzt,
G ebert darau f hinweisen, daß es unzutreffend ist, daß a ls  S ta d ta rb e ite r  aufgenom m en werden 
daß der M a g is tra t überhaupt in  dieser Angelegenheit kann: wer in  einem  A rb e itsv e rh ä ltn is  beschäf­
S te llu n g  genom m en hat. D er M ag istra t hat sich m it tig t w ird, dessen D au e r fü r einen u n u n te r­
der F rage, die w ir hier heute zu erö rtern  haben, über­ brochenen Z e itra u m  von länger a ls  9 M ona ten  
h aup t noch nicht beschäftigt. D ie  Sachlage ist viel­ in  Aussicht genom m en ist, w enn er eine P r o ­
m ehr folgende. bezeit von 6 M o n a ten  m it E rfo lg  zurückgelegt 
Nachdem der A n trag  auf Abschluß eines kollek­ hat, nach Untersuchung des V ertrau en sarz te s  
tiven  T arifv e rtrag es  seitens des Arbeiterausschusses fü r diensttauglich befunden ist, nach A uskunft 
des E lektrizitätsw erkes gestellt w ar, ist diese A nge­ der Registerbehörde keine S tra fe  e rlitten  hat 
legenheit vor den allgem einen A rbeiterausschuß ge­ und nicht u n te r 18 und über 45 J a h re  a lt ist. 
bracht worden, um  diesem G elegenheit zu geben, zu E s  w ird  der B egriff des S ta d ta rb e ite r s  also 
dieser F rag e  S te llu n g  zu nehm en. I n  dem allge­ ohne w eiteres auf alle A rbeiter zur A nw endung ge­
m einen Arbeiterausschuß ist der A n trag  auf Abschluß bracht, und  wo auch n u r  die Aussicht besteht, daß ein 
von K ollektivverträgen m it 10 S tim m e n  angenom ­ derartiges A rb e itsv e rh ä ltn is  ein dauerndes werden 
men w orden. Nach den E rk lärungen  der V ertre te r kann. D a ra u s  ergibt sich die von m ir behauptete 
der Arbeiterausschüsse w aren die A rbeiter der Hoch­ Beziehung, die sich zwischen der, S tad tgem einde und 
bauverw altung  und der S tra ß e n re in ig u n g  gegen den der Arbeiterschaft b ildet und die sich ganz wesentlich 
Abschluß der T arifverträge , ebenso w ar bei der P a rk ­ und m ateriell von dem R echtsverhältn is unterscheidet, 
verw altung  die M ehrheit dagegen, bei den Wasser­ das zwischen einem A rbeiter in  einem p riv a ten  B e­
werken etwa die H älfte . N u r  bei dem E lek triz itä ts­ triebe und dem U nternehm er besteht.
werk w ar die überwiegende M ehrheit fü r den A b­
schluß des T arifv ertrag es. F ü r  die Gaswerke ist (S ta d tv . W öllm er: S e h r  richtig!)
eine Feststellung über den S ta n d p u n k t der A rbeiter 
nicht getroffen w orden. I n  Ansehung der S ta d ta rb e ite r  ist bezüglich der 
M eine H erren , der A n trag , der hier gestellt Lohnzahlungen, der Lohnaufrückungen ein N o rm al­
w orden ist, geht davon aus, daß der kollektive T a r if ­ p lan  vorgesehen, d. H. w ir haben von vornherein  die 
vertrag  nicht m it den städtischen A rbeitern  a ls  sol­ A rbeiterlöhne ta rif ie rt, sodaß ein jeder in  der Lage 
chen, sondern m it den A rbeiterorganisationen  abge­ ist, von vornherein  zu wissen, wie sich seine A rb e its­
schlossen werden soll, und zw ar werden a ls  K o n tra ­ bedingungen und sein A rb e itsv e rh ä ltn is  bei u n s  ge­
henten der V erband der Gem einde- und S t a a t s ­ staltet; w ir haben ferner eine weitgehende F ürsorge 
arbeiter, O rtsv erw altu n g  B e rlin , und ferner der fü r A rbeiter bei E rkrankungen getroffen, indem  w ir 
O rtsv erb an d  der städtischen G ärtn e r  in  Aussicht ge­ ihnen die F o rtzah lu n g  des Lohnes auf 26 Wochen 
nom m en. N u n  ist hervorzuheben, daß in  diesen O r ­ u n te r Abzug des Krankengeldes gew ähren; daß w ir 
gan isationen  sich n u r ein T eil unserer städtischen A r­ bei kurzen A rbeitsversäum nissen keinen Lohnabzug 
beiter befindet, daß ein anderer T eil der A rbeiter ein treten  lassen; daß bei m ilitärischen U ebungen die 
überhaupt nicht o rgan isiert ist. D a s  sind die ta t ­ F o rtzah lu n g  des halben Lohnes auf 8 Wochen sta tt­
sächlichen Verhältnisse. findet; daß, wenn der E rh o lu n g su rlau b  au f die 
Ich  kann n u n  heute eine E rk lärung  nam ens des U ebungsdauer angerechnet w ird , für diese Z e it eine 
M a g is tra ts  über diese F ra g e  nicht abgeben, sondern Lohnkürzung nicht e in tr itt.  W ir  haben die F a m ilie n ­
kann Ih n e n  lediglich die tatsächlichen V erhältnisse zulagen bei m ehr a ls  drei K indern  beschlossen. W ir 
zu r P rü fu n g  und Entscheidung darüber un terbreiten , gewähren Dienstbekleidung bei gewissen D ienst­
ob diese tatsächlichen V erhältnisse dazu angetan  sind, betrieben. W ir  gewähren E rh o lu n g su rlau b  bei ge­
etwa die Angelegenheit seitens der S tad tv e ro rd n e ten ­ wisser ständiger Beschäftigung un te r F ortbezug  des 
versam m lung in  einem Ausschuß zu erörtern , oder Lohnes. W ir  geben nach A blegung einer bestim m ten 
ob S ie  davon Abstand nehm en wollen, nachdem ich Z e it ein besonderes Jubiläum sgeschenk und gewähren, 
Ih n e n  die E rk lärung  abgegeben habe, daß der M a ­ w as besonders bedeutungsvoll ist, R uhelohn  nach 
gistra t sich auch noch m it dieser F ra g e  beschäftigen zehnjähriger D ienstzeit sowie W itw en- und W aisen­
m uß. geld. W ir gewähren ferner Unfallpension auch den­
M eine H erren , ich persönlich betrachte die Sache jenigen Angestellten und A rbeitern , die nicht in  
folgenderm aßen. Ich  sage, daß unsere bisherige reichsgesetzlich unfallversicherungspflichtigen B e tr ie ­
A rbeiter- und L ohnpolitik  in  unserer S ta d t  die T en ­ ben beschäftigt sind, und erhöhen sowohl fü r die in  
denz verfolgt hat, auch fü r die p rivaten  B etriebe vor­ a ls  auch fü r  die außerhalb  der reichsgesetzlichen U n­
bildlich zu sein. W ir  haben die Rechtsverhältnisse der fallversicherungspflicht stehenden A rbeiter die zu zah­
A rbeite r über den R ahm en  des re in  privatrechtlichen lenden U nfall-, W itw en- und W aisenrenten  nicht u n ­
A rbe itsvertrages w eit h in a u s  ausgesta tte t und haben erheblich. W ir  haben die G nadenbezüge fü r die 
m eines Erachtens das A rb e itsv e rh ä ltn is  m it öffent­ H in terbliebenen beim Tode eines A rbeite rs  in  der 
lich-rechtlichen Gesichtspunkten durchsättigt. Zwischen Weise geregelt, daß die Lohnzahlung w ährend des 
der Arbeiterschaft und der S ta d t  hat sich infolgedessen G nadenv ierte ljah rs  an  die H interbliebenen s ta tt­
nach einem D afü rh a lten  ein q u as i öffentlich-recht­ findet, w enn der betreffende A rbeiter 10 J a h re  im  
liches V erh ä ltn is  herausgebildet, das seinem Wesen städtischen D ienst w ar. W ir  haben eine ständige P o ­
und  seinen Z ielen  nach a u f  d i e  D a u e r  berechnet sition fü r Unterstützung von A rbeitern  in  F ä lle n  der 
ist. Ich  mache darau f aufmerksam, daß dagegen der B edürftigkeit m it M itte ln  des E ta ts .  Ebenso gewäh­
T a rifv e rtrag  im m er n u r  au f eine bestimm te Z eit ab­ ren  w ir Unterstützung an H interbliebene von A r­
geschlossen werden soll. beitern bei B edürftigkeit a its  der Ju b iläu m ss tif tu n g . 
E s  ist der den Gedanken der D a u e r  zum  A u s­ S ie  sehen also, daß das ganze V erh ä ltn is  zwischen 
druck bringende B egriff der S tad tarbeite rschaft ge­ A rbeitern  und der S ta d t  ein sehr enges ist, von vo rn ­
rade in  jüngster Z eit ganz erheblich erw eitert worden. herein den C harakter des dauernden in  sich trä g t und
        
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