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Periodical volume 19. März 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

L-itzllNg vom 19. März 1913 173
Was die Arbeiter anbetrifft, so möchte ich dar­ davon! So, glaube ich, lautete der Zuruf. Sic glau­
auf aufmerksam machen, daß selbstverständlich die ben also, daß wir die Sache nur deswegen ange­
Verwaltung des Arbeitsnachweises gar nicht in der schnitten haben, damit die Oesfentlichkeit etwas davon 
Lage ist, zu erforschen, ob der Arbeitnehmer orga­ erfährt. Das sagt ein Mitglied einer Fraktion, die 
nisiert ist oder nicht; auch glaube ich nicht, daß ein angibt, auch die Interessen der Arbeiter zu vertreten, 
Arbeiter danach gefragt wird. die in den Hirsch-Tunckerschen Vereinen organisiert 
sind.' Denn es handelt sich nicht nur um einen Ver­
(Stadtv. Hirsch: Das ist doch geschehen: wenn stoß gegen die freiorganisierten Arbeiter, sondern auch 
Sie nichts davon wissen, können w ir doch gegen die Hirsch-Dunckerschen und die Christlichen, 
nichts dafür!) ^ kurz gegen alle organisierten Arbeiter. Ob das eine 
Vertretung von Arbeiterinteressen ist, überlasse ich 
Vorsteher Dr. szjrentzel (unterbrechend): Herr dem Urteil der Oesfentlichkeit.
Kollege Hirsch, ich muß bitten, diese Zwischenrufe Meine Herren, bevor ich zu den prinzipiellen 
doch nicht in so lautem Ton zu machen. Ausführungen komme, möchte ich zunächst auf die 
Frage eingehen, ob solche Fälle, wie sie mein Freund 
Stadtv. Dr. Rothholz (fortfahrend): Erregen Lehmann erwähnt hat, vorgekommen sind oder nicht. 
Sie sich doch nicht so, Sie haben ja das Schlußwort Herr Sradtrat Spiegel bestreiket es. W ir sind es 
und können mir ja nachher entgegnen. —  Tie Be­ gewohnt, daß, wenn von unserer Seite irgend etwas 
stellungen laufen ein, und selbstverständlich läßt sich vorgebracht wird, der Magistrat sagt: es ist uns von 
der Arbeitsnachweis angelegen sein, die Bestellungen den Beamten mitgeteilt worden, daß das nicht der 
unter möglichster Berücksichtigung der Wünsche der Fall ist. Die Arbeiter werden als Lügner hingestellt, 
Auftraggeber auszuführen. Infolgedessen, meine und nur die Beamten sagen die volle Wahrheit. Hier 
Herren, bitte ich Sie, ebenso wie der Herr Kollege sind die schriftlichen Aussagen der Maler, die zurück­
Stadthagen, den Antrag der Sozialdemokraten ab­ gewiesen worden sind. Ich werbe Herrn Stabtrat 
zulehnen. Spiegel nachher die Namen nennen und möchte ihn 
bitten, die von m ir angegebenen Personen mit dem 
(Bravo! bei den Liberalen — Hört, hört! bei städtischen Vermittler zu konfrontieren; dann wird 
den Sozialdemokraten.) sich die Wahrheit ermitteln lassen. Sie werden doch 
nicht glauben, daß uns die Arbeiter die Mitteilungen 
Stadtv. Hirsch (Schlußwort): Meine Herren! zu ihrem Vergnügen zugehen lassen! Dann wird sich 
Ter Herr Vertreter des Magistrats hat seine Aus­ herausstellen, wer die Unwahrheit gesagt hat; die A r­
führungen damit geschlossen, daß kein Anlaß vorliege, beiter nickst! Es heißt hier in einem Schreiben:
einen Antrag zu stellen, sondern daß w ir den Weg Am Donnerstag, den 6. März 1913 war ich 
der Beschwerde Hütten beschreiten können. Welchen auf dem Arbeitsnachweis der Stadt Charlotten­
Weg w ir wählen, um eine Angelegenheit zu erörtern, burg, um Arbeit zu finden. Der Vermittler 
das muß uns schon der Vertreter des Magistrats kam raus und fragte, ob Unorganisierte an­
selbst überlassen. wesend sind, da solche gesucht toerben.
Was speziell diesen Fall betrifft, so, glaube ich, 
kann Herr Stadlrat Spiegel nicht darüber klagen, (Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.)
daß w ir irgendwie illoyal verfahren sind. Als ich 
zuerst durch eine Mitteilung, die mir von der Orga­ I n  einem zweiten Schreiben heißt es:
nisation der Maler zugegangen war, davon hörte, Der Arbeitsvermittler hat gefragt, ob ich or­
habe ich mich sofort telephonisch mit Herrn Stadtrat ganisiert sei. Darauf habe ich ja gesagt. Da hot 
Spiegel in Verbindung gesetzt und ihm gesagt: das der Vermittler gesagt, daß ich keine Arbeit be­
und das ist m ir zu Ohren gekommen. Herr Stadtrat kommen kann.
Spiegel hat m ir versprochen, sofort eine Unter­ Meine Herren, das saugen sich doch die Leute nicht 
suchung zu veranstalten, und er hat m ir dann das aus den Fingern!
Ergebnis seiner Untersuchung mitgeteilt. Ich habe 
diese Mitteilung den Herren, die mich zuerst infor­ (Stadtrat Dr. Spiegel: Welchen. Tag war das?)
miert hatten, übersandt, und diese erwiderten mir, 
daß es sich nicht so verhält. Hiervon habe ich um­ — Ich gebe Ihnen privatim die Namen; ich habe 
gehend wieder Herrn Stadtrat Spiegel in Kenntnis keine Veranlassung, sic hier öffentlich in der Stadt­
gesetzt und ihm geschrieben, daß wir heute einen An­ verordnetenversammlung zu nennen, namentlich da 
trag einbringen werden. Loyaler kann man nicht ver­ die Herren rund heraus gesagt haben, daß sie sich um 
fahren. solche Sachen nicht kümmern.
Herr Stadtrat Dr. Spiegel sagte weiter, man 
(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) hätte den Beschwerdeweg beschreiten können. Ein 
Mitglied des Fachausschusses hat sich ja an Sie ge­
Uns lag nicht daran, das in der Oefsentkichkeit zu wandt, Herr Stadtrat, und Sie wollten ja auch ver­
verhandeln, und da möchte ich den unerhörten Zuruf mitteln. Da ist ja Ih r  Antwortschreiben. Sie können 
des Herrn Kollegen Crüger festnageln. aus allem ersehen, daß uns nichts ferner gelegen hat, 
als öffentlich irgend welchen Skandal zu provozieren.
(Zuruf bei den Liberalen.) Nun zu den prinzipiellen Ausführungen des 
Herrn Stadtrat Spiegel. Ta muß ich sagen, daß sie 
— &ci Ihnen ist ja nichts unerhört: von Ihnen ist m ir im höchsten Grade bedenklich erscheinen. Herr 
man ja andere Dinge gewohnt! —  Als Herr Stadt­ Stadtrat Spiegel stellte es als unerhört hin, daß im 
rat Spiegel seine Ausführungen schloß, sagte Herr Jahre 1902 von einem uns nahestehenden Mitglieds 
Dr. Crüger: Dann erfährt ja die Oesfentlichkeit nichts der Deputation der Antrag gestellt worden sei, daß
        
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