Path:
Periodical volume 6. März 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

148 Sitzung vom 6. März 1913
Stadtv. Otto (zur Geschäftsordnung): M eine gangenen Ja h re  w ar es der verstorbene H err Kollege 
Herren! Nachdem der Antrag zurückgezogen wor­ Becker, der eingehend die unsicheren Zustände auf 
den ist, können w ir uns setzt eine weitere Debatte Westend schilderte. Bald nachdem das geschehen war, 
ersparen. W ir haben bei Punkt 7 der heutigen m ußten w ir erleben, daß auf dem Fürstenbrunner 
Tagesordnung Gelegenheit, aus die Sache zurückzu­ Weg ein dortiger Gasthofsbesitzer nachts überfallen 
kommen. Ich  möchte Ih n e n  setzt schon empfehlen, und durch Revolverkugeln schwer verletzt wurde. D as 
den Punkt 7 einem Ausschuß zu überweisen, Eigentümliche bei dieser Geschichte war, daß dem 
Verletzten, als er sich telephonisch an das dortige P o ­
(S eh r richtig!) lizeirevier wandte, von dem Beamten geantwortet 
wurde, er habe jetzt keine Zeit, diese Ueberfallsstelle 
und da können dann Erörterungen, die im  P lenum  aufzusuchen, das hätte auch vielleicht bis morgens 
nicht g u t erledigt werden können, gepflogen werden. um 7 Uhr Zeit. D er Direktor der Fürstenbrunner 
Ich  bitte also, von einer weiteren Debatte abzusehen. Mineralwasserfabrik war es dann, der aberm als sehr 
stark das Telephon in  Bewegung setzte, aber gleich­
Vorsteher Dr. Frentzel: D ann  darf ich annehmen, falls ohne jeden Erfolg. Erst später, a ls sich der Ver­
daß die W ortmeldungen zu diesem Punkt zurückae- letzte vom Fürstenbrunner Weg vis-ä-vis dem B ahn­
zoaen werden? hof bis zur Elisabethstraße zur Polizeiwache hinge­
schleppt und den Ueberfall bekannt gegeben hatte, 
(Z uruf des S tad tv . Dr.. Landsberger.) sagte m an ihm : na, w ir werden nachher einmal je­
mand herunterschicken, so schlimm wird es nicht sein. 
—  S ie  ziehen sie nicht zurück! Also H err Kollege D arauf brach der Verletzte zusammen und mußte im 
Landsberger hat das W ort. Krankenhaus Westend aufgenommen werden. D ort 
wurde er ein paar Tage behandelt. Heute ist er noch 
(S tad tv . Z ander: D ann  ziehe ich auch nicht zurück!) nicht vollständig hergestellt.
Stadtv Dr. Landsberger: Ich bin sachlich ganz M eine Herren, derartige Vorkommnisse beweisen 
m it der Auslassung, die Herr Kollege O tto geäußert doch aufs klarste, wie —  ich möchte nicht sagen, fahr­
hat. einverstanden. Ich  möchte bloß hervorheben, lässig, aber: eigentümlich unsere Polizeibehörde vor­
daß ich bei B eratung des Punktes 7 nicht versäumen geht. H err General Becker hat hier seinerzeit die Un­
werde, gegen die Auffassung des M agistrats, die mich sicherheit auf Westend hervorgehoben. E s  ist buch­
höchlichst überrascht hat, Einspruch zu erheben. Ich stäblich wahr, daß diese Unsicherheit besteht, nicht 
teile also die Auffassung des Kollegen O tto, daß wir allein in jenem S tad tte il, sondern auch in  dem neu 
Punk t 7 —  wir haben sa diesen Punk t etwas vor­ auszuschließenden S tad tte il am Verbindungskanal. 
weggenommen —  in einen Ausschuß verweisen Die Unsicherheit ist dort außerordentlich groß; aus 
wollen: ich meine sedoch —  — den Kreisen der dortigen Bewohner kommen wieder­holt Beschwerden.
Vorsteher Dr. Frentzel (unterbrechend): H err V or einiger Z eit ging eine Notiz durch die Zei­
Kollege Landsberger, das werden w ir bei Punkt 7 zu tung, in der zu lesen war, p o l i z e i l i c h e r  S c h u t z  
besprechen haben. s e i  n u r d a n n t e l e p h o n i s c h  z u  e r l a n g e n ,  
w e n n  m a n  d i e  N u m m e r  d e s  P o l i z e i ­
Stadtv. Dr. Landsberger (fortfahrend): —  daß p r ä s i d i u m s  a n r i e f e .  Wozu alle diese 
uns Gelegenheit gegeben werden muß, die sachlichen Sachen? W ir geben ungeheures Geld für unsere 
Ausführungen, die in der Debatte gemacht worden Polizeiverw altung aus, ohne daß die Bürger einen 
sind, namentlich die Ausführungen des M agistrats, Schutz haben. W ir haben bei einem früheren Kapitel 
auch mitbesprechen zu können. unseren Feuerwehrleuten für die ideale Auffassung 
ihrer Aufgabe in diesem Hause lautes Lob gespendet. 
Vorsteher Dr. Frentzel: Selbstverständlich, aber E i n  d e r a r t i g e s  L o b  k ö n n e n  w i r  d e r  
nicht jetzt. S c h u t z m a n n s c h a f t  r e s p .  u n s e r e r  P o l i ­
E s  ist nunmehr ein A ntrag auf Schluß der B e­ z e i v e r w a l t u n g  n i c h t  e r t e i l e n .  E s  wird 
ratung von den Kollegen Gredy, Jolenberg und ver­ immer behauptet, w ir hätten nicht genügend Schutz­
schiedenen anderen Herren eingegangen. männer. W ir finden auch in der Vorlage, daß 
88 000 J {  für Vermehrung der Schutzmannschaft aus­
(D er A ntrag wird genügend unterstützt und gegeben werden sollen. Ich  bin der Ansicht: w ir 
darauf angenommen.) haben genügend Schutzmannschaft, wenn man nur den 
Schutzleuten diese nebensächlichen Arbeiten fortneh­
E s  ist der Schluß der Debatte über diesen Punkt men wollte. Z u r  U e b e r w a c h u n g  v o n  V e r -  
eingetreten, aber noch nicht über das Kapitel. H err a m m l u n g e n  w i r d  n i c h t  n u r  e i n e r ,  
Kollege Gebert hatte sich noch zu einem andern n e i n  D u t z e n d e  v o n  S c h u t z l e u t e n  w e r ­
Punkte gemeldet. d e n  h i n g e s c h i c k t .  I n  d i e  s o g e n a n n t e n  
J u g e n d h e i m e  d r i n g t  d i e  P o l i z e i ­
Stadtv. Gebert: Ich hätte erwartet, daß der b e h ö r d e  e i n  u n d  s t ö r t  d i e  Z u s a m m e n ­
H err Berichterstatter über dieses Kapitel uns eine k ü n f t e  d e r  J u g e n d .  H a u s s u c h u n g e n  
Erläuterung über Abschnitt 10 der Ausgaben gegeben w e r d e n  v e r a n s t a l t e t .  M i t  a l l e n  m ö g  - 
hätte, und zwar über die Kosten der Polizeiverw al­  ̂ i c h e n N a c h  f o r s c h  u n g e n w i r d d i e S c h u t z -  
tung. Ich  finde unter den Kosten der Polizeiverw al­ m a n n s c h a f t  b e l a s t e t .  A us alledem folgt, d a ß  
tung: sonstige Ausgaben zugunsten der örtlichen P o ­ w i r  f ü r  e i n e n  w i r k l i c h e n  S c h u t z  d i e  
lizeiverwaltung. Ich weiß nicht, wie ich diese sonstigen S  ch u tz m a n n s ch a f t n i ch t h a b e n .  E s  ist ja 
Ausgaben verbuchen soll. Ich halte es für dringend ein Glück, daß wir in Charlottenburg nicht den 
notwendig, einmal an dieser S telle  die M aßnahm en Polizeipräsidenten Jagow  haben; der würde m it 
unserer Polizeiverwaltung zu kritisieren. I m  ver­ allen möglichen Bestimmungen kommen, die Schutz-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.