Path:
Periodical volume 6. März 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

144  Sitzung von, ü. März 1913
den Betrieb weiter zu führen, und stellte an den M a­ kranken Säuglinge der S ta d t  Charlottenburg aufzu­
gistrat den Antrag, von nun an statt 3 dl 3,50 dl zu nehmen, so kann ich seinen Satz in  d i e s e r  Fassung 
gewähren. D er M agistrat hat diesen A ntrag der nicht anerkennen. D ie Klinik nim m t k r a n k e  S ä u g ­
Klinik abgelehnt, die sich infolgedessen nunmehr ge­ linge der S ta d t  Charlottenburg auf und behandelt 
nötigt gesehen hat, ihren Betrieb zum 1. A pril ein­ sie; sie muß sie aber verlegen, sobald sie von In fek­
zustellen. Alle einzuleitenden Schritte hierfür sind tionskrankheiten befallen sind, und zwar nach West­
von der Nerwaltung getroffen worden. end, wo eine Säuglingsabteilung ist, die an B etten­
Inzwischen ist an uns von seiten der leitenden anzahl doppelt so groß ist wie die Säuglingsklinik 
Aerzte der Charlottenburger Säuglingsfürsorgestelle vor dem Oktober dieses Jah re s , und die ohne wei­
ein Bescheid des M agistrats gelangt, der vom 27. F e­ teres, wie das bei einer so großen Anstalt selbstver­
bruar datiert ist. T ie  Herren waren beim M agistrat ständlich ist, m it einer verhältnism äßigen Leichtigkeit 
darum  eingekommen, die Klinik doch nicht aufzu­ wenn es die N ot erfordert, erweitert werden kann.
geben und ihnen zu gestatten, weitere Kranke dorthin W as die Z ahl der Säuglinge angeht, die H err 
zu entsenden. D er M agistrat hat ihnen in dieser S tadtverordneter K aufm ann genannt hat, so stimmt 
A ntw ort gesagt, daß sie sich an die falsche Adresse ge­ sie ich kann m ir den G rund nicht erklären —  
wandt hätten: sie hätten sich nicht an den M agistrat, nicht m it denjenigen Zahlen überein, die unsere S t a ­
sondern an die Leitung dieser Klinik zu wenden. D er tistik aufführt. W ir haben nur 219 M eldungen im 
M agistrat behalte sich natürlich seine S tellung  vor; Ja h re  1913 zu verzeichnen gehabt. Vielleicht deckt 
aber er verweist sie in einem dritten Absatz nochmals sich das Kalenderjahr und das E ta ts jah r nicht ganz, 
ausdrücklich an die Leitung m it den W orten: wodurch eventuell diese Differenz zu erklären ist. 
D er A ntrag der unterzeichneten Herren S äu g ­ Unter den 219 Kindern sind 205 Charlottenburger 
lingsärzte ist nicht an uns, sondern an den V or­ gewesen und einige Kinder, die älter a ls 1 J a h r ,  also 
stand dieser Klinik zu richten, dem anheim ge­ nicht mehr Säuglinge waren. E s handelt sich also 
geben werden muß, ob er den A ntrag zu dem im Vergleich zu der auf Westend befindlichen B etten­
(einigen machen will. anzahl um eine geringe Anzahl, und zwar von durch­
Nachdem der Antrag in meine Hände gekommen ist schnittlich etwa iß — 17 Aufnahmen im M onat. S o  
—  ich bin der Schatzmeister dieser Veranstaltung — , dankenswert die Einrichtung der Säuglingsklinik ist, 
habe ich sofort Anlaß genommen, die Organe wieder so kann nicht gesagt werden, daß sie die Verpflichtung 
zusammenzurufen u n d 'zu  sehen, ob wir in der Lage der S ta d t zur Unterbringung kranker Säuglinge zu 
sind, die Klinik weiter offen zu halten. D er Umstand, ersetzen imstande ist.
daß sich die Aerzte darum bemühten, die Klinik zu N un  hatten w ir am 19. Februar dieses J a h re s  
erhalten, schien m ir doch von großem Gewicht zu sein, der Stadtverordnetenversam m lung eine Vorlage zur 
und es ist m ir dann gelungen, einige gemeinnützig Bewilligung einer verhältnism äßig großen Sum m e 
denkende und sich namentlich für die Unterbringung für die Errichtung einer Milchküche im Krankenhaus 
kranker Säuglinge - es handelt sich hier um E r­ Westend vorzulegen, und w ir haben bei dieser Ge­
nährungsstörungen —  interessierende Herren zu ver­ legenheit eingehend geprüft, nachdem sich heraus­
anlassen, den etwaigen Ausfall vorerst für das J a h r  gestellt hatte, daß möglicherweise die Säuglingsklinik 
1913 zu decken. Nachdem diese Erklärung bündige in der Christstraße gezwungen sei, ihren Betrieb ein­
Form  bekommen hatte —  es war daran die B edin­ zustellen, ob Westend in der Lage sei, die dort vor­
gung geknüpft, daß ich, trotzdem ich mich gern ent­ handenen Säuglinge aufzunehmen. Selbstverständ­
lasten möchte und sehr froh gewesen wäre, aus dieser lich wird keiner von Ih n e n  glauben, daß irgend eine 
Angelegenheit heraus zu sein, verpflichtet wurde, dem Anstalt in der Lage ist, den ganzen Bestand einer 
neuorganisierten Komitee wieder beizutreten, und ich auch selbst verhältnism äßig nicht großen andern A n­
habe das m it Rücksicht auf die Gemeinnützigkeit der stalt von einem Tage zum andern in ihre Räum e 
Sache und besonders m it Rücksicht auf die S ta d t­ aufzunehmen. D as  geht nicht, geht nie und nirgends 
gemeinde auf mich genommen — , habe ich dem M a­ und war wahrscheinlich auch nicht vorausgesetzt. Aber 
gistrat von diesem Beschlusse unter dem gestrigen diejenigen Aufnahmen zu bewirken, die sonst von den 
Tage M itteilung gemacht. U nter der Bedingung, Säuglingsärzten  und S tad tä rz ten  auf Kosten der 
daß der M agistrat die erkrankten Kinder unserer S ta d t der Christstraße überwiesen wären, also 16 bis 
S ta d t wiederum wie früher an die Klinik zu einem 17 im M onat, dazu ist Westend schon jetzt vollauf in 
Pflegesatz von 3 dl verweist und ferner den Zuschuß der Lage. D as  wurde festgestellt. W ir brachten nun, 
leistet, habe ich mich nam ens des Komitees bereit er­ weil gleichzeitig an demselben Tage der M agistrat 
klärt, die Klinik vorerst bis Ende 1913 offen zu halten. auf G rund seiner P rüfungen aus grundsätzlichen E r­
Ich bitte S ie , durch Einstellung der 3000 dl in wägungen den A ntrag des Vorstandes, den Ver­
den E ta t die Möglichkeit zu geben, diese In s titu tio n  pflegungssatz in der Christstraße von 3 dl pro Kopf 
fortzuführen. E s würde dam it allerdings noch die und Tag auf 3,50 dl zu erhöhen, ablehnen mußte, 
Vorlage in Zusammenhang stehen, die S ie  nachher eine Vorlage an die Stadtverordnetenversam m lung 
beschäftigt. Ich behalte m ir vor, bei diesem Punkt m it der Ih n e n  bekannten Begründung. D arauf kün­
dann noch meine Anträge zu stellen. digte uns, wie H err S tadtverordneter Kaufm ann 
schon gesagt hat, das Krankenhaus Christstraße seine 
Stadtrat Dr. Gottstein: M eine Herren! Die Schließung innerhalb zweier Tage an. W ir waren 
vor ß Jah ren  gegründete private Säuglingsklinik genötigt, um dies zu verhindern, einen andern Weg 
ist eine dem Interesse der Säuglingspflege dienende zu finden und einen Beschluß zu fassen, der sich in  der 
Einrichtung. I n  ihrem Vorstande sitzt ein M itglied heute zur Beratung stehenden Vorlage verkörpert. 
des M agistrats und der Stadtverordnetenversam m ­ Vorgestern erhielten w ir nun die unerwartete M it­
lung; der Leiter ist ein erfahrener K inderarzt. E s teilung, daß die Säuglingsklinik weiter bestehen 
sind das alles Gründe, die Anlaß geben, dieser E in ­ werde, und wir wurden gebeten, die 3 dt pro Kopf 
richtung wohlwollend zu begegnen. und Tag auch fernerhin zu bewilligen.
Wenn Herr Stadtverordneter Kaufm ann gesagt Nunm ehr aber stand die Säuglingsklinik zu uns 
hat, daß diese Säuglingsklinik dazu bestimmt sei, d i e in demselben V erhältnis wie die andern Kliniken, die
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.