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Periodical volume 6. März 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

122 Sitzung vom 6. März 1913
Kenntnis genommen haben, heute aber eine Abände­ Tann möchte ich nur diejenigen Herren ihre W ort­
rung der Position beantragen. meldung aufrecht zu erhalten bitten, die zu den An­
trägen Schwarz und Dr. Stadthagen sprechen wollen.
(Sehr richtig!)
Zu diesem Grund kommt aber noch ein anderer. Stadtv. Jastrow: Nach den Ausführungen des 
Meine Herren, Sie haben aus den Ausführungen Herrn Kollegen Otto, denen ich in jedem W ort bei­
des Herrn Stadtschulrats gehört, daß der Magistrat trete, verzichte ich auf das Wort.
die Warnung, die ihm freilich in bezug auf den Nach­
hilfeunterricht ausgesprochen worden ist, sehr wohl Stadtv. Schwarz: Meine Herren! Ich habe
verstanden hat; er har sich davor gescheut, die Mehr­ ausdrücklich gesagt, daß ich m it Rücksicht auf die 
summe, die eigentlich hätte eingesetzt werden müssen, Kürze der Zeit materiell auf die Sache nicht ein­
in einem Betrage von 4000 dl einzusetzen, sondern gehen w ill. Sie können wohl von m ir als Schul­
er hat nur eine sehr mäßige Erhöhung eingestellt, weil mann erwarten —  und ich nehme die Sachkenntnis 
er von vornherein damit rechnete, daß im Laufe des für mich in Anspruch — , daß ich nicht lediglich aus 
Jahres an der Position Ersparungen eintreten wer­ finanzpolitischen Rücksichten zu meinem Antrage 
den. Diese Ersparnisse sind durch die geringe E r­ komme; ich bin vielmehr lediglich vom pädagogischen 
höhung bereits vorweg genvnimen, und darum bitte Standpunkt aus dazu gelangt; nicht mein M otiv, 
ich, nicht darauf zu rechnen, an dieser Position noch nur mein Antrag ist finanzpolitisch.
weitere Ersparnisse machen zu können. Sollten sie Ich möchte mich also gegen den Vorwurf ver­
am Ende des Elatsjahres 1913 wirklich eintreten, wahren, daß ich in Schulsachen durch finanzielle Ge­
so kommen sie uns so wie so zugute, und eine Summe sichtspunkte geleitet werde. Für mich sind nur päda­
von 5000 dH ist für die Balancierung unseres Etats gogische Rücksichten ausschlaggebend.
nicht von Bedeutung. Treten aber die Ersparnisse 
nicht ein, dann ergibt sich ein Zustand, der höchst Stadtv. Gebert: Meine Herren! Ich muß mich 
unerwünscht ist: dann ist nämlich die Schulverwal­ den Ausführungen des Herrn Stadtschulrats durch­
tung nicht in der Lage, den Nachhilfeunterricht in aus anschließen. W ir haben schon mehrfach hier bei 
der Weise, wie er jetzt organisiert worden ist, aufrecht Etatsberatungen, speziell bei dieser Position, betont 
zu erhalten. —  und auch der Herr Stadtschulrat hat es in 
Wenn der Antrag, die Summe zu verringern, mehreren Jahren eingehend getan — , daß w ir für 
sachlich begründet sein sollte, dann müßte er nach den Nachhilfeunterricht nicht genug ausgeben können. 
meiner Auffassung Ziele und Wege enthalten, wie Wenn ich nun diesen sogenannten Handel betrachte, 
der bisher erteilte Nachhilfeunterricht in Zukunft daß auf der einen Seite 10 000 dt gestrichen werden 
durchgeführt werden soll. Aber gegen diesen Nach­ sollen, ein anderer Antrag aber nur die Streichung 
hilfeunterricht ist auch von den beiden Herren keiner-, der Hälfte, also von 5000 dl, fordert, dann habe ich 
lei Einspruch erhoben worden: sie haben nicht gesagt, das Empfinden, daß diese Streichung tatsächlich 
ob etwa der Nachhilfeunterricht in den oberen nicht ganz ernst zu nehmen ist. Vielmehr steigt bei 
Klassen früher aufhören soll, ob etwa weniger S tun­ m ir das Gefühl auf, daß hier nach außen hin der 
den in  der Woche gegeben werden sollen, ob er etwa Eindruck erweckt werden soll, als wollten w ir m it aller 
später im Schuljahr einsetzen soll oder dergleichen. Gewalt sparen. —  Herr Kollege Schwarz schüttelt 
Das alles wären Wege, um sachlich eine Herabsetzung m it dem Kopf, und er sagte vorhin, lediglich aus 
der Position zu begründen: wobei es dann immer pädagogischen Gründen habe er sich dazu verstanden, 
noch bei dem Plenum der Stadtverordnetenversamm­ die Streichung der 10 000 dt zu beantragen. Ich 
lung läge, ob es diesen Weg einschlagen w ill. Hier weiß nicht, was das für pädagogische Gründe sein 
wird aber einfach ein Abstrich empfohlen. sollten. Nach den Ausführungen des Herrn Stadt­
Ich muß sagen, daß m ir eine derartige Finanz­ schulrats müßte man vielmehr umgekehrt sagen, daß 
politik unverständlich ist. aus pädagogischen Gründen von dieser Position kein 
(Sehr richtig!) Pfennig gestrichen werden dürfte.Ich bitte Sie dringend, die Ausführungen des 
Denn wie Sie jetzt die Streichung von 5000 dt oder Herrn Kollegen Otto zu den Ihrigen zu machen und 
10 000 cfl beantragen, hindert Sie nichts, auch die die Position so zu belassen, wie sie hier vorliegt.
Streichung von 20 000 dt oder 30 000 dt zu ver­
langen. Ich glaube, einen derartigen Weg sollten Stadtschulrat Dr. Neufert: Meine Herren! Ich 
w ir nicht gehen, und empfehle der Stadtverordneten­ möchte Sie nochmals dringend bitten, hier an dieser 
versammlung dringend, es bei dem Antrage des Position nichts zu ändern. Wenn Herr Stadtver­
Etatsausschusies zu belasten. ordneter Schwarz gesagt hat, er komme aus päda­
gogischen Erwägungen zu seinem Antrag auf S tre i­
Stabtv. Säwrnberg: Meine Herren! Unter chung von 10 000 dt, so bedaure ich auf das leb­
Abschnitt 3: Gemeindeschulen, N r. 22, Lernmittel hafteste, daß er uns diese pädagogischen Erwägungen 
für unbemittelte Kinder — nicht mitgeteilt hat, damit ich in der Lage gewesen 
wäre, ihnen entgegenzutreten. Ich möchte darauf 
Vorsteher Dr. Frcntzel (unterbrechend): Sie hinweisen, daß sehr eingehende pädagogische E r­
scheinen zu einer anderen Position sprechen zu wägungen über den Nachhilfeunterricht im letzten 
wollen, ich meine: nicht zu diesem Abstrich. Semester angestellt worden sind, und aus diesen 
(Zustimmung.) pädagogischen Erwägungen ist man dazu gekommen, 
daß nichts gestrichen wurde. Ich glaube aber wohl, 
Dann möchte ich doch bitten, daß w ir erst diese Posi­ daß in dieser Zeit bei der Mehrheit dieser Versamm­
tion in der Diskussion erledigen. S ind S ie damit lung finanzielle Gründe eine sehr erhebliche Nolle 
einverstanden? spielen, und deshalb möchte ich noch ein Wort 
(Zustimmung.) dazu sagen.
        
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