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Periodical volume 6. März 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

Sitzung vom 6. März 1913 121
Stadtschulrat Dr. Neufert: M eine Herren! Ich Stadtv. Dr. Stadthagen: M eine Herren! Ich 
bitte S ie , diesem Antrage nicht stattzugeben. Der möchte bei der ganzen Sachlage wenig aus die Frage 
Nachhilfeunterricht ist ein ganz wesentlicher Teil der selber eingehen; denn w ir haben uns ja vor einigen 
Reformen, die an unseren Volksschulen vorge­ Wochen eingehend darüber unterhalten, nachdem wir 
nommen worden sind, und ich erlaube m ir zu be­ in einem Ausschuß die Frage genau geprüft hatten.
haupten, daß es eine der segensreichsten Einrich­ D ie S tim m ung  in dem damaligen Ausschuß 
tungen ist, die hier getroffen worden sind. Viele ging doch dahin, daß augenblicklich vielleicht etwas 
Hunderte von Kindern sind dadurch "davor gerettet zu  viel des Guten im Nachhilfeunterricht geschieht, 
worden, daß sie unnötigerweise sitzen bleiben und und dementsprechend wurde auch im Etatsausschuß 
es ihnen infolge dessen unmöglich gemacht wird, das beantragt, diese Position  von rund 82 000 Jl auf 
Ziel unserer Volksschule zu erreichen. M an  hat 77 000 Jl herabzusetzen, also eine Erniedrigung um 
diesen Nachhilfeunterricht jetzt auch in  einer ganzen 5000 Jl eintreten zu lassen, d. h. um 6 bis 7 % .
Anzahl von S täd ten  eingeführt, und ich höre nur D er H err Stadtschulrat hat ja  hauptsächlich da­
Günstiges von den Beobachtern. Unsere Königliche gegen gesprochen, eine so starke Erniedrigung, wie 
Regierung hat ebenfalls den Nachhilfeunterricht in die beantragte in Höhe von 10 000 Jl, eintreten zu 
jeder Beziehung anerkannt, und der M inister hat lassen. M eine Freunde beantragen, den Posten nur 
ihn anderen Gemeinden im Z entralblatt zur E in ­ um 5000 Jl zu erniedrigen, und ich hoffe, daß sich 
richtung empfohlen. D as  ist der G rund, weshalb dafür auch eine M ajoritä t finden wird. D er E r­
ich dringend bitte, hier bei diesem wichtigen Teil folg w ird dann der, wie ich glaube, von der M ehr­
nicht eine Sparsam keit zu üben, die für Hunderte heit der Stadtverordnetenversammlung gewünschte 
von Schülern üble Folgen haben kann. sein, nämlich der e i n e r  g e w i s s e n  E i n ­
M eine Herren, w ir haben für das neue J a h r  s c h r ä n k u n g  d e s  N a c h h i l f e u n t e r r i c h t s  
berechnet, wie groß die Kosten des Nachhilfeunter­ n a c h  d e r  R i c h t u n g  h i n ,  d a ß  d i e  K i n d e r ,  
richts sind, und es ist das von Klasse zu Klasse fest­ d i e  f ü r  d i e b e t r e f f e n d e  K l a i s s e  n i c h t  
gestellt worden. Infolgedessen können w ir nicht g e r a d e  b e s o n d e r s  b e f ä h i g t  s i n d ,  n i c h t  
zugeben, daß bei dieser Etatsposition ein so großer k ü n s t l i c h  d u r c h  d e n  N a c h h i l f e u n t e r ­
Abstrich ohne weiteres erfolgen kann; vielmehr r i c h t  a u f  d i e s e r  H ö h e  e r h a l t e n  w e r ­
würde dabei der Nachhilfeunterricht eingeschränkt d e n .  S o l c h e  K i n d e r  s o l l t e n  b e s s e r  
werden müssen, so daß er in  seiner Wirkung ganz i n  e i n e  i h r e r  g e i s t i g e n  B e g a b u n g  e n t ­
erheblich beeinträchtigt würde. D ie Position für s p r e c h e n d e  SM a f s e g e f e t z t  w e r d e n .  —  
den Nachhilfeunterricht ist allerdings im Ja h re  1911 Ich  bitte S ie , unserem Antrage zuzustimmen.
in ihrer vollen Höhe nicht verbraucht worden; es 
sind 9 % der bewilligten M itte l nicht verbraucht Stadtv. Otto: Die Position Nachhilfeunterricht 
worden. Von diesem Ja h re  aber können w ir wirk­ hat den Etatsausschuß sehr eingehend beschäftigt. Wie 
lich noch nicht sagen, wieviel erspart werden wird, Herr Kollege Dr. Stadthagen schon andeutete, ist auch 
da die Rechnungen noch nicht alle eingegangen sind. im Etatsausschuß ein Antrag gestellt worden, die 
Deshalb erlaube ich m ir nur auf die Erfahrungen Position herabzusetzen. Die M ehrheit des E ta tsau s­
vom Ja h re  1911 zu verweisen. schusses hat diesen A ntrag abgelehnt und empfiehlt 
Ih n en , den Posten —
Die Ersparnis von 9 % ist dam als wesentlich 
m it dadurch ermöglicht worden, daß in dem ganz (Stadtv. Dr. Stadthagen: M it 8 zu 7 Stimmen!)
enorm heißen Ja h re  sehr häufig der Nachmittags­
unterricht und dam it auch manche Nachhilfestunde 
ausgefallen ist. W eiter hat dabei maßgebend m it­ —  J a ,  das ist die M ehrheit, Herr Kollege Dr. S ta d t­
gewirkt, daß ganz abweichend die großen Ferien eine hagen! —  also der vollbesetzte Ausschuß hat den A n­
Woche länger dauerten. In fo lge  dieses einen B e­ trag m it M ehrheit abgelehnt —  ich wiederhole das, 
schlusses fällt also gleich ein Vierzigste! des gesamten H err Kollege Stadthagen! —  und empfiehlt Ih n en , 
Geldes fort. den Posten so einzusetzen, wie er im E ta t steht. M eine Herren, w ir haben uns dabei in der M ehr­
Ich möchte S ie  dringend bitten, meine Herren, heit —  ich gehöre der M ehrheit auch an —  von fol­
die Schulverwaltung in den S tan d  zu setzen, den genden Gründen leiten lassen.
Nachhilfeunterricht in dem bisherigen Umfange fort­ E inm al hat die Stadtverordnetenversammlung, 
zuführen. D as, glaube ich, ist nur möglich, wenn wie Herr Kollege Dr. Stadthagen ebenfalls schon an­
S ie  die hier bewilligte Sum m e einsetzen. D as, was deutete. sich erst am 4. Dezember m it der Angelegen­
der M agistrat fordert, ist wahrlich nicht viel; es sind heit eingehend beschäftigt. H err Kollege Dr. S ta d t­
nur 700 Jl mehr a ls  im  vorigen Jah re , und dabei hagen meinte, die S tim m ung in dem Ausschuß, den 
soll der Nachhilfeunterricht auf weitere Klassen aus­ dam als die Stadtverordnetenversammlung eingesetzt 
gedehnt werden, und zwar auf die Klasse 2 des halte, wäre dahin gegangen, den Nachhilfeunterricht 
Ostens von Charlottenburg und die Klasse 4 unserer einzuschränken. Ich  bin nicht so lyrisch, mich m it 
katholischen Schulen. Eine so mäßige Erhöhung Stim m ungen zu besassen, sondern ich stelle einfach 
dieser Position ist natürlich nur dadurch möglich ge­ die Tatsache fest, daß die M ehrheit auch dieses A us­
wesen, daß w ir dem Umstand Rechnung getragen schusses den Beschluß gefaßt hat, die M itteilung des 
haben, daß in letzter Z eit gelegentlich einige E r­ M agistrats unverändert zur K enntnis zu nehmen. 
sparnisse gemacht worden sind; sonst müßten wir Ich  stelle weiter fest, daß das P lenum  der S ta d t­
natürlich viel mehr anfordern. W ir müßten sonst verordnetenversammlung diesem Beschluß seines 
eine Erhöhung von 4280 Jl  eingesetzt haben. D er Ausschusses am 4. Dezember ohne irgend welche D e­
M agistrat hat also schon gespart, er hat ganz wesent­ batte beigetreten ist. S ie  würden sich also in einen 
lich gespart. D aß hier noch mehr erspart werden gewissen Widerspruch setzen, wenn S ie  dam als ohne 
kann, halte ich nicht für möglich. jede Debatte die M itteilung des M agistrats zur
        
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