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Periodical volume 19. Februar 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

100  Lltzling vom 1! . Februar 1013
Vorsteher Dr. Frentzel: W ir kommen nunmehr Grundsätze lassen sich nicht mit derselben vereinigen. 
zu Punkt 8: W ir erstreben die allgemeine Volksschule, und diese 
wird niemals zur Wirklichkeit werden, wenn S ie
Vorlage betr. Vorschulen. — Drucksache 59. immer wieder neue Vorschulen errichten.
Meiner Meinung nach sind die Gründe, die der 
Stadtv. M osgau: Meine Herren! Am 2. Okto­ Magistrat für die Vorlage vorgebracht hat, nicht stich­
ber 1912 hat der Petitionsausschuß über eine P e ti­ haltig; denn die Vorlage, die S ie  hier soeben ange­
tion des Grundbesitzervereins Neu-Westend betref­ nommen haben, beweist ja schlagend, ganz unwider­
fend Einrichtung von Vorschulen in der Herderschule leglich, daß die Volksschule sehr wohl imstande 
berichtet. Der Petitionsausschuß empfahl Ihnen , die ist, allen Anforderungen zu genügen, die man
Petition dem Magistrat zur Berücksichtigung zu über­ an sie für die Vorbereitung der höheren Lehr­
weisen. Im  Namen eines großen Teiles meiner anstalten stellen kann. D am it fällt das letzte 
Freunde hatte ich unsere Zustimmung zu diesem Argument, daß die Befürworter der Vorschule 
Vorschlage zu erklären. Ich kann nur das damals immer ins Treffen führen, nämlich der 
Gesagte heute wiederholen und noch einmal erklären, Hinweis darauf, dag die Vorschulen den Schülern 
daß meine Freunde die Einrichtung dieser Vorschule ein J a h r  bei der Vorbereitung für die Sexta er­
auf Westend als eine notwendige, praktische, nützliche sparen. D a dieses Argument hiermit vollständig hin­
und gerechte Maßnahme der Stadtverwaltung begrü­ fällig und abgetan wird, ist es eigentlich nicht ver­
ßen, aber daß sie grundsätzlich dabei stehen bleiben, daß ständlich, warum nun der Magistrat sich dennoch ent­
eine hochentwickelte Volksschule das allerbeste B il­ schlossen hat, diese Vorlage einzubringen und doch 
dungsmittel für alle Kinder desselben Volkes ist. wieder neue Vorschulen zu verlangen.
Meine Herren, S ie  sollten Ih ren  Grund­
(Bravo!) sätzen entsprechend diese Vorlage auch ablehnen. 
Zu wiederholten Malen hat ja die Stadtver­
Stadtv. O tto: Meine Herren! Ich habe im ordnetenversammlung erklärt, daß sie mit dem 
Namen einer Minderheit meiner Freunde die E r­ Prinzip der Einführung der allgemeinen Volks­
klärung abzugeben, daß wir gegen die Vorlage des schule einverstanden ist, und wenn S ie  diesem P r in ­
M agistrats stimmen. W ir halten vor wie nach an zip zum Siege verhelfen wollen, müssen S ie  auch 
dem Gedanken, die allgemeine Volksschule nach Mög­ immer dafür eintreten, wo es sich eben darum han­
lichkeit zu verwirklichen, fest. W ir geben zu, daß für delt, einen Streich dafür zu führen. Meine Herren, 
Charlottenburg, indem es ein Glied Groß-Berlins das ist heute der Fall. Wenn S ie  also wirklich 
bildet, wirtschaftliche Notwendigkeiten vorliegen und zeigen wollen, daß S ie  für die allgemeine Volksschule 
von einzelnen Seiten so stark unterstrichen werden Sympathie haben, wenn es Ihnen  mit den Liebes­
können, daß man die Errichtung von Vorschulen ver­ erklärungen, die S ie  ihr so oft gemacht haben, ernst 
teidigen kann. W ir wollen auch gern anerkennen, ist, so müssen S ie diese Vorlage ablehnen: 
daß die Freunde der Vorlage in der Errichtung dieser hie Rhodus, hie salta!
Vorschulen nur einen Ausnahmefall erblicken, von 
dem ich persönlich hoffen möchte, daß er sich in Zu­ (Ein Antrag des Stadtv. Meyer auf Schluß 
kunft nicht wiederhole. Aber trotz dieser Einschrän­ der Debatte wird angenommen. —  Stadtv. Schwarz: 
kung können wir von unserem grundsätzlichen S tand­ Zur persönlichen Bemerkung!)
punkt nicht abgehen, sondern werden gegen die Vor­
lage stimmen. Vorsteher Dr. Frentzel: Herr Kollege Schwarz, 
E s ist eine eigentümliche Iro n ie  des Schicksals, I h r  Name ist in der Debatte gar nicht gefallen.
daß in dem Augenblick, wo Charlottenburg anfängt, 
einen alten Beschluß abzubauen, die S tad t Frank­ (Heiterkeit)
furt a. M., mit der wir uns doch so gern vergleichen, 
diesen selben Beschluß in der Stadtverordnetenver­ (Stadtv. Schwarz: Ich bin mit genannt worden, 
sammlung mit überwältigender Mehrheit gefaßt hat. wenn auch mein Name nicht genannt worden ist! —  
/ Große Heiterkeit)
(Zuruf.)
—  Ich weiß nicht, wie das jemand machen soll!
—  Nein, es ist noch nicht aller Tage Abend. Ich 
sage auch nur: die S t a d t v e r o r d n e t e n v e r ­ (Andauernde Heiterkeit.)
s a m m l u n g  hat diesen Beschluß gefaßt; ich weiß 
sehr wohl, daß der Magistrat diesem Beschluß noch Stadtv. Schwarz (persönliche Bemerkung): D er 
nicht beigetreten ist. Kollege Mosgau sagte: im Namen m e i n e r  
Ich möchte einer Aeußerung des Herrn Kollegen F r e u n d e  erkläre ich, daß d i e s e  V o r s c h u l e n  
Niesenberg gegenüber die Auffassung beseitigen, als ob eine n ü tz l ic h e  Einrichtung sind. Ich möchte aus­
uns die Vorschulen Geld einbrächten, nichts kosteten. drücklich erklären, daß ich zu d i e s e n  Freunden, 
Herr Kollege Riesenberg, dann muß ich annehmen also doch allermindestens x— i nicht gehöre.
S ie  haben die Magistratsvorlage gar nicht oder sehr 
schlecht gelesen; denn in dieser Magistratsvorlage (Heiterkeit.)
stehen 5000 Jl Kosten für drei Vorschulklassen. Ich Stadtv. Riesenberg (persönliche Bemerkung): 
möchte bitten, diesen Grund in Zukunft nicht mehr 
anzubringen. Ich glaube von dem Herrn Kollegen Otto miß­verstanden zu sein. Ich habe nicht sagen 
(Bravo!) wollen: die Vorschulen kosten uns nichts,
sondern: sie bringen uns indirekt durch dm  Zuzug 
Stadtv. S tu lz: Meine Freunde werden selbst­ wohlhabender Leute Geld ein. Soweit habe ich die 
verständlich die Vorlage ablehnen; denn unsere Vorlage auch lesen können.
        
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