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Periodical volume 19. Februar 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

96 Sitzung vom 1! . Februar 1913 Armenetat gesagt, daß die Erhöhungen sich auf Armenetat im vorigen Jahre bezahlt 570 000 Ji bei die Bevölkerungsvermehrung und auf die P re is­ uns, in Neukölln 251 000 Ji, in Schöneberg teurung gründen. Meine Herren, die Bevölke­ 165 000 Ji. F ü r das Siechenhaus bei uns 241 000, rungsvermehrung beträgt gegen das Vorjahr noch in Neukölln einschließlich für -das Waisenhaus nicht 2% ; wo bleiben da die restlichen 6 bis 8%. 104 000, in Schöneberg 72 000 JL F ü r das Obdach Diese können nicht auf die Preisteurung zurück­ bei uns 42 000, in Neukölln 3500, in Schöneberg geführt werden; denn so viel beträgt sie gegen das 7700 Ji. Nun kommen interessante Zahlen, meine Vorjahr nicht; eine Preisteurung ist gegenüber dem Herren. An auswärtige Armenverbände mußten von Vorjahr meiner Ansicht nach überhaupt nicht zu kon­ uns 105 000 Ji erstattet werden, von Neukölln statieren. Viele gerade für die Arbeiterbevölkerung 71000, von Schöneberg 80 000. F ü r Unter­ notwendige Lebensmittel bringung von Geisteskranken mußten wir bezahlen 132 000, Neukölln 75 000 und Schöneberg 64 000 JI. (S tad trat und Kämmerer Scholtz: Die Arbeits­ D as sind zwei Rubriken, meine Herren, bei denen losigkeit!) d e r E i n f l u ß d e r G e m e i n d e v e r w a l ­ t u n g d e s U n t e r st ü t z u n g s w o h n s i t z e s — Die Arbeitslosigkeit ist zurzeit nicht groß, Herr i n b e z u g a u f d i e B e m e s s u n g d e r U n t e r - Kämmerer, und besteht jedenfalls nicht für die, welche s t ü t z u n g e n u n d A u s g a b e n n i c h t m i t - keine Arbeit scheuen — sind billiger geworden, z. B. s p r e c h e n k a n n , sondern wo entweder die aus­ die Kartoffeln. wärtigen Gemeinden die fest bemessenen Unter­ stützungen geben öder wo wie bei den Geisteskranken (Stadtv. Hirsch: S ie kann doch nicht bloß von Kar­ ein bestimmter Verpflegungssatz für die in allen drei toffeln leben!) Kommunen verhältnismäßig gleich verteilte und be­ grenzte Zahl zur Verfügung gestellt werden muß. Auch das Gemüse ist billiger geworden. Bei diesen stehen die Summen' für Unterstützungen bei allen drei Gemeinden im Verhältnis zur Bevölke­ (Stadtv. Hirsch: Wer sagt das? — Zuruf: Fleisch­ rungszahl, unsere überragt die anderen nicht; wohin­ teurung!) gegen S ie bei den anderen Positionen sehen, wie kolossal viel mehr hier ausgegeben wird als anderswo. — D as Fleisch ist teurer geworden gegen den vori­ Nun will ich nicht etwa, meine Herren, daß wir gen Februar? Nein! unsere Armenunterstützung so bemessen, daß die arme Bevölkerung Not leidet; sie soll auf Grund der Unter­ (Stadtv. Hirsch: J a freilich!) stützungen ein menschenwürdiges Dasein führen können Jedenfalls aber nicht 8% ! Setzen S ie meinetwegen % (Stadtv. Zietsch: F ü r 18 dH im M onat!)für die Preissteigerung 3 bis 4 an, was sicherlich ausreicht, dann fehlt immer noch die Erklärung für und bei unverschuldetem Unglück soll warmherzig und weitere 3 bis 4% bei dieser plötzlichen Steigerung der mit offener Hand gegeben werden. Aber trotzdem Nrmenlasten. sprechen die Zahlen, wie der Herr Kämmerer sagt, Bände; es muß eben mit Auswahl und mit Kritik (Stadtv. Zietsch: Und die Wohnungsmieten!) gegeben weiden, und da scheint doch manchmal das ! zu warme Herz unserer Armenverwaltung etwas zu Diese plötzliche Steigerung legt m ir die Be­ weit zu gehen. fürchtung nahe, daß sie auf eine a n d e r s g e a r t e t e I n diesem Anschwellen des Armenetats kann ich Z u s a m m e n s e t z u n g d e r B e v ö l k e r u n g , einen besonderen Ruhmestitel für Charlottenburg a l s o d a r a u f z u r ü c k z u f ü h r e n i s t , d a ß nicht erblicken. Denn die richtige, wahre Wohltätig­ d e r a r m e T e i l d e r B e v ö l k e r u n g z u g e ­ keit drückt sich in dem aus, was man freiwillig gibt, n o m m e n , d e r w o h l h a b e n d e a b e r a b g e ­ während die Armenverwaltung auf Grund von n o m m e n h a t , und darauf müßen wir unsere Steuern, die gezahlt werden müssen, Wohltätigkeil Steuerpolitik wie überhaupt unsere ganze Kommu­ ausübt. E in viel erstrebenswerteres und schöneres nalpolitik meiner Ansicht nach einrichten. Ruhmesblatt für Charlottenburg wäre es, wenn es Wenn S ie die Zahlen, die wir in den Armen­ sich herausstellt, daß Charlottenburg da in erster etat einstellen, mit denjenigen Summen vergleichen, Reihe steht, wo es gilt, in f r e i w i l l i g e r Weise die Neukölln und Schöneberg dafür aufwenden, dann L i e b e s w e r k e z u f ö r d e r n u n d z u u n t e r ­ kommt man zu ganz überraschenden Resultaten. Ich h a l t e n . Wenn einmal eine Statistik herausgegeben nehme die Zahlen vom vorigen Jahre und möchte würde, aus der sich ein solches Ergebnis herauslesen Ihnen daraus sechs oder sieben vorlesen, indem ich ließe, dann würde ich sagen: hierauf kann Charlotten­ bemerke, daß die Einwohnerzahl -am 1. Dezember burg stolz sein. 1910 bei uns 305 000, in Neukölln 172 000 und in Ueber die Krankenanstalten hat sich ja schon Schöneberg 237 000 betrug. W ir haben an baren Herr Kollege Stadthagen verbreitet, so daß ich nur Unterstützungen im Armenetat 820 000 Ji ausgesetzt, sagen kann, daß ich hinsichtlich seiner Beurteilung sind aber damit lange noch nicht ausgekommen, wäh­ dieser Einrichtungen mit ihm durchaus übereinstimme. rend Neukölln dafür nur 155 000 und Schöneberg Ich komme nun auf den letzten Punkt meiner 248 000 Ji berechnet. Unsere Gesamtausgabe be­ Ausführungen, auf den Schuldendienst. I n dieser trägt 2 450 000 JH, in Neukölln 761 000 Ji, in Beziehung könnte ich ja eine gewisie Genugtuung ver­ Schöneberg 704 000 Ji,. F ü r Heilmittel haben wir spüren, weil die Prophezeiungen, die ich vor 3 und ausgesetzt 70 000 Ji, Neukölln 8500 dH, Schöneberg vor 2 Jahren in dieser Hinsicht gemacht habe, leider 13 500 JI. An Krankenanstalten wurden nach -dem einzutreffen drohen. Ich weise auf die Darstellung
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