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Periodical volume 19. Februar 1913

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1913

9 0  Sitzung vom 1! . Februar 1913
B eb au u n g sp lan  des Exerzierplatzes eine glücklichere D a s  ist aber gerade m it ein  G ru n d  für uns, nach 
H and  haben möchte, a ls  er bei der E xplo itierung  von Möglichkeit die E rhöhung des Einkom m ensteuer- 
Neu-W estend gehabt hat. zuschlags zu verm eiden. D en n  das, m eine H erren , 
Besonders hat dann  noch der H err K äm m erer brauche ich doch wohl nicht besonders zu unterstreichen, 
hervorgehoben, daß w ir in  den letzten J a h re n  auf daß die E rhöhung  der Gemeindeeinkom m ensteuer 
den verschiedensten G ebieten der Gem eindeeinrich­ keine erm unternde W irkung a u f  ü e n Z u z u g  wohl­
tungen  erheblich steigende laufende A usgaben gehabt habender S teu e rz ah le r ausüben  w ird .
haben, und daß auch die A u s g a b e n  f ü r  s o ­
z i a l e  Z w e c k e  ganz besonders gewachsen sind; der (S e h r  richtig! — Z u ru f : D a s  ist eine alte liberale 
H e rr  K äm m erer hat in  seinen E ta tsred en  w iederholt Furcht, w eiter nichts!)
h ierau f aufmerksam gemacht. M eine H erren , u n s  
lieg t die P flege der sozialen F ü rso rge gew iß ant M eine H erren , die M itg lieder m einer F ra k tio n  
Herzen, aber ich gebe zu, daß es trotzdem angebracht haben ohne A usnahm e den ernsten W illen , im  A u s­
ist, w enn der H err  K äm m erer im m er w ieder auf schuß zu prüfen, ob die E rhöhung der G em eindeein­
diese wachsenden A usgaben hinw eist, da sie in 1 1 kommensteuer verm ieden werden kann, und w ir 
d e n  G e s a m t a u s g a b e n  u n d  d e m  G  e - haben den lebhaften Wunsch, daß dies im  Ausschuß 
' s a m t i n t e r e s s e  d e r  S t a d t  s e l b s t v e r ­ auch gelingen möge.
s t ä n d l i c h  i n  E i n k l a n g  g e b r a c h t  w e r d e n  
m ü s s e n .  E s  ist auch w iederholt darau f hinge­ (B rav o !)
wiesen w orden, daß, trotzdem die A usgaben fü r so­
ziale Zwecke steigen, doch auch w iederum  der A rm en­ S ta d tv . Dr. S ta d th a g e n : M eine H erren! I n  
e tat wächst. diesem wie im  vorigen J a h re  hat der M a g istra t be­
dauerlicherweise eine B e u n r u h i g u n g  in  unsere 
(Z u ru f) Bevölkerung gebracht, nicht n u r  in  die Bevölkerung 
von C harlo ttenburg , sondern auch in  die H erzen der­
—  S e h r  richtig, die Arm enpflege g ilt nicht a ls  so­ jenigen Leute, die vielleicht gew illt w aren, nach 
ziale Fürsorge, aber w enn m an im m er sagt: je m ehr C harlo ttenburg  zu ziehen, oder die es sich jetzt über­
freiw illige soziale F ürsorge, eine desto größere E n t­ legen, ob sie am  1. A p ril d. I .  nach C harlo ttenburg  
lastung des A rm ene ta ts  t r i t t  ein, so sehen w ir, daß ziehen sollen.
d as  bei u n s  nicht der F a ll  ist. D a s  ist also scheinbar 
ein W iderspruch; aber ich glaube, h ier liegt ein T ru g ­ (S e h r  richtig!)
schluß vor: w ir finden in  allen S tä d te n  und in  
allen L ändern  auf gründ von sorgfältigen statistischen 
E rhebungen die Erscheinung, daß , je höher die A u s­ Ich  bedaure ganz besonders, daß der M ag istra t noch vor der Beschlußfassung über die Höhe des vor­
gaben des A rm ene tats  sind, die Bevölkerung desto zuschlagenden Steuersatzes eine N o tiz  in  die Z ei­
w ohlhabender ist. D ie  A usgaben des A rm enetats  tungen hineingebracht hat —  oder daß eine N otiz 
stehen in  einem  stetigen V erh ä ltn is  zu der W ohl­ hineingebracht wurde, von welcher S e ite  weiß ich ja  
habenheit der B evölkerung; also je geringer die A u s­ nicht — , daß 110% - Gemeindeeinkom mensteuer in  
gaben fü r den A rm eneta t sind, desto w eniger w ohl­ C harlo ttenburg  erhoben werden w ürden.
habend ist die Bevölkerung, und ebenso findet m an 
umgekehrt, daß die A usgaben fü r den A rm enetat (S e h r  richtig!)
m it der W ohlhabenheit der Bevölkerung wachsen. 
S o  ist es auch bei u n s  hier in  C harlo ttenburg  ge­ D a s  geschah zu einer Z eit, wo sich so und so viele 
wesen. M it  Recht h a t C harlo ttenburg , da der S ta d t  Leute überlegten, wo sie zum  1. A p ril hinziehen 
in  dem letzten Ja h rz e h n t dank der rap iden  Z unahm e w ürden. Ich  meine, der M a g istra t hätte  alle V er­
der Bevölkerung und des wirtschaftlichen Aufschwungs anlassung, in  Z ukunft alles zu verm eiden, daß  der­
erhebliche S teuere innahm en  zugeflossen sind, stets artige  Nachrichten vorzeitig  in  die Presse gelangen. 
eine offene H and  fü r die A rm en gehabt, wie über­ Ich  glaube auch, schon nach dem bisherigen Laufe 
h au p t au f allen G ebieten der sozialen F ürso rge. Ich  der D ebatte hier konstatieren zu können, daß w ir 
m eine, das gleiche g ilt auch fü r die sozialen Zwecke. wohl einen anderen W eg gehen werden.
N u n  ha t der H err K äm m erer am  S chluß seiner Ich  bedaure aber diesen Vorschlag des M a ­
R ede d arau f hingewiesen, daß unsere Bevölkerung gistra ts, 110%  zu erheben, auch deswegen, w eil sich 
in  dem letzten J a h re  le ider nicht m ehr so zunim m t, unsere ganzen E ta tsb era tu n g en  in  den letzten J a h re n  
w ie in  früheren J a h re n .  I n  der T a t , so ist es. Ich  eigentlich im m er n u r  um  die F ra g e  dieser 10 %  
ziehe aber au s  dieser Tatsache eine andere F olge­ drehen, w ährend  eigentlich viel wichtigere F ra g en  
ru n g  a ls  der H err  K äm m erer. E s  ist möglich, daß bei der E ta tsb e ra tu n g  zu lösen w ären.
die geringere V evölkerungszunahm e au f den M angel Ic h  w ill n u n  kurz au f die P u n k te  eingehen, die 
an  W ohnungen zurückzuführen ist; es ist aber auch au f den gesamten E ta t einwirken.
möglich, daß dies m it der wirtschaftlichen K onjunk­ W ir müssen dem H errn  K äm m erer ohne weite­
tu r  zusam m enhängt. D ie  Z uw anderung  lä ß t be­ res zugeben, daß die dauernden A usgaben der K om ­
kanntlich nach, sobald die A rbeitsgelegenheit geringer m une C harlo ttenburg  sich in  einer ständig aufsteigen­
w ird , und  ha höchstwahrscheinlich die zweite H älfte den Bew egung befinden. D a s  ist eine natürliche 
des J a h re s  1912 einen H öhepunkt in  der wirtschaft­ F o lge der A usdehnung unserer öffentlichen E inrich­
lichen Entwicklung bedeutet, so daß die K urve der tungen, eine natürliche F olge der S te ig e ru n g  der­
wirtschaftlichen Entwicklung w ieder eine Z e it lang jenigen V erpflichtungen, die w ir im  Laufe der J a h re  
nicht m ehr au fw ärts  geht, so w ird  sich au f diesen U m ­ übernom m en haben, und zw ar a u s  sozialen, hygie­
stand auch die geringere Bevölkerungszunahm e zu­ nischen G rü n d en  des öffentlichen W ohles, a u s  
rückführen lasten. D eshalb  sollten w ir dieser E r ­ G ründen  der E rziehung  unserer jugendlichen B evöl­
scheinung ganz besondere Aufmerksamkeit schenken. kerung usw.
        
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