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Periodical volume 14. Februar 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

Sitzung vom 14. Februar 1912 71
1912 w äre nicht derselbe M a n n , der im  J a h r e  1910 solche, die sich erst bei u n s  ansiedeln wollen, es sich 
h ier gestanden hat, sondern er hätte  sich verw andelt überlegen w erden: sollen w ir  nicht unsere V illa  sta tt 
etw a in  den Kollegen L iepm ann  oder den Kollegen in  Neuwestend lieber in  G runew ald , Nikolassee oder 
Z ander. sonstwo bauen?
(H eiterkeit.) (S e h r  richtig!)
M eine  H erren , m eine F rak tio n sfreu n d e  haben ja  frü ­ Also ob diese 10 %  u n s  nicht direkt einen Schaden 
her in  ih rer großen M ehrheit nicht auf dem S ta n d ­ bringen w ürden, der in  dem H erabgehen der S te u e rn  
punkt der eben genannten  Kollegen gestanden, son­ sehr deutlich zum  Ausdruck kommen w ürde, ist m ir  
dern haben d am als  m it dem H e rrn  K äm m erer den doch zw eifelhaft. Ic h  glaube daher, daß die etw aige 
E ta t  und  die ganze F in an z lag e  der S ta d t  C h a rlo tten ­ B in d u n g  der 3 oder 4 großen S tä d te  u n s  nicht auf 
burg  nicht a ls  so schlimm angesehen, wie es von e in i­ diesen W eg drängen sollte, ganz abgesehen davon, ob 
gen' S e ite n  geschah. Auch heute sind w ir  der Ansicht W ilm ersdorf ihn  gehen w ird ; nach dem, w as ich ge­
—  und w ir  sind jetzt geschlossen der Ansicht — , daß hö rt habe, neig t W ilm ersdo rf überhaup t nicht dazu.
eine V eranlassung zu r E rhöhung  der E inkom m en­ Selbstverständlich verkenne ich nicht die G ründe  
steuer gerade im  jetzigen M o m en t kaum vorliegen fü r eine Einheitlichkeit des S teuerw esens —  ich selbst 
d ü r f te . '  W ir behalten u n s  auch unsererseits eine ein­ b in  ja  vor einem  J a h re  fü r eine gemeinschaftliche 
gehende P rü fu n g  der ganzen Verhältnisse in_ dem S teu ero rd n u n g  fü r B e rlin  und  die westlichen V ororte  
E ta tsausschuß  vor, dessen Einsetzung w ir  selbst­ eingetreten —  ich verkenne diese vielen G ründe  nicht. 
verständlich zustim m en. Ic h  möchte aber auch m einer­ A ber wenn m an  im  vorigen J a h r e  d a fü r e in treten  
seits au f die einzelnen P u n k te  eingehen, die u n s  zu konnte, um  von u n s  abzuw älzen, daß w ir eine stärkere 
einer derartigen  S te llu n g n ah m e  A n laß  geben. T ilg u n g  der A nleihen vornehm en sollten, so liegt 
D e r H err K äm m erer h a t d a rau f hingewiesen, daß heute die Sache ganz anders. I m  vorigen J a h r e  w ar 
die S tad tvero rdnetenversam m lung  sich ja  schon m ehr­ u n s  gesagt: w enn ih r  au f 110 %  geht, braucht ih r  
fach bereit erklärt hätte, eventuell über den Satz von nicht die doppelt starke T ilg u n g  der A nleihen vorzu­
100 %  hinauszugehen, w enn die anderen  westlichen nehm en durch die B ild u n g  des besonderen S a m m e l­
V oro rte  und B e rlin  d as  Gleiche tä ten . J a ,  m eine fonds; die R eg ierung  hätte  d an n  d a rau f verzichtet. 
H erren , die Verhältnsse haben sich ganz wesentlich ge­ H eute haben w ir  diese höhere T ilg u n g  übernehm en 
ändert! Nach der Ansicht m einer F reu n d e  genügt müssen; w ir müssen m it 4  %  tilgen  —  also, m eine 
heutzutage nicht m ehr die S icherheit, daß auch B e r­ H erren , eine ganz veränderte  Sachlage, die wohl ge­
lin , Schöneberg, W ilm ersdo rf 110 %  nehm en werden, p rü f t werden m uß . T a t s ä c h l i c h  st e l l e n d i e s e  
ganz abgesehen davon, ob diese K om m unen tatsächlich 2 A m e h r T i l g u n g n i c h t s w e i t e r d a r a l s  
diesen W eg beschreiten w erden. M eine  H erren , außer e i n e n  n e u e n  R e s e r v e f o n d s
diesen eben genannten  K om m unen —  —
(S e h r  richtig!)
(U nruhe. Glocke des V orstehers.)
—  d as ist ganz klar, das hat die R egierung  auch be­
V orsteher K au fm ann  (unterbrechend): M eine absichtigt — , und  w ir werden selbstverständlich diesen 
H erren , ich w ürde doch b itten , auch diesem R edner Reservefonds, soweit u n s  in  seiner V erw endung noch 
m it derselben Aufm erksam keit zuzuhören wie bisher. F re ih e it gelassen ist, fü r  D inge  benutzen, die w ir sonst 
in  eine A nleihe hä tten  stellen müssen, die dann  unseren 
S ta d tv . Dr. S ta d th a g en  (fo rtfa h re n d ): M eine Schu ldeneta t belastet hätten , jetzt aber infolge dieses 
H erren , au ß er den eben genannten  K om m unen  lie­ vorhandenen Reservefonds unseren S chuldeneta t nicht 
gen v o r  d e n  T o r e n  d e r  w e s t l i c h e n  V o r -  belasten.
o r t e e i n e g a n z e R e i h e v o n G e m e i n d e n ,  N u n  sagt der H err K äm m erer m it Recht: m an 
d i e z l v a r  e i n z e l n  k l e i n  s i n d ,  d i e  a b e r  m uß vorsichtig sein bei der F in an zp o litik , w ir  haben 
zus amme nge nomme n e i n e  solche unseren A usgleichsfonds eingerichtet —  er ging auf 
M e n g e  w o h l s i t u i e r t e r  B e w o h n e r  r e ­ die Geschichte desselben ein  — , d a m it er in  schlechten 
p r ä s e n t i e r e n ,  d a ß  w i r  a u c h  m i t  d i e s e n  Z eiten  da ist, und  d am it er da ist, um  nicht fü r d a u ­
V o r o r t e n  r e c h n e n  m ü s s e n . ernde A usgaben, sondern fü r einm alige A usgaben  zu 
dienen. N u n , ich b in  ja  nicht ganz unbete ilig t bei der 
(S e h r  richtig!) G rü n d u n g  dieses A usgleichsfonds. Ic h  kann h ier d a r­
au f hinweisen, daß  ich seinerzeit, im  J a h r e  1906, im  
D ie  V ororte  W annsee, Schlachtensee, G roßlichter­ E ta tsausschuß , a ls  von dem heutigen H errn  V orsteher 
felde, Nikolassee, D ahlem , d an n  auch die neu zu er­ K au fm an n  gesagt w urde: w ir  w ollen a u s  dem ver­
w artende K olonie h ier nach der H avel h in  und  G rune- m utlichen Üeberschuß des laufenden  J a h r e s  von 
w ald stellen zusam m en m it den anderen, die ich nicht iy 2 M illio n en  oder 1% M illio n e n  einige H u n d e rt­
einzeln hier nennen möchte, eine solche S u m m e  von tausend fü r  die S traß en p flas te ru n g  nehm en —  daß 
finanzkräftigen B ew ohnern  dar, daß w ir  viel m ehr ich d am a ls  im  N am en  der dam aligen  F re ie n  V ere in i­
vielleicht m it diesen rechnen müssen a ls  m it den oben gung, der ich angehörte, erklärte, w ir  w ürden w ohl be­
angeführten  großen S tä d te n . U nd, m eine H erren , S ie  re it sein, diesen W eg zu gehen, w enn w ir  die S u m m e, 
wissen alle, daß in  diesen K om m unen jetzt zum  T eil die w ir a u s  dem vorigen J a h r e  a ls  Üeberschuß in  den 
wesentlich niedrigere S teuersätze bestehen a ls  100 % . E ta t  einstellten, au f eine M illio n  festlegten, den Rest 
W ir  haben vorläu fig  noch im m er erreicht, daß  der Z u ­ in  einen besonderen F o n d s  brächten. E s  ist m ein  A n ­
zug von reichen E inw ohnern  nach C h a rlo ttenbu rg  zu­ trag  gewesen, im m er n u r  diese M illio n  einzustellen 
genom m en ha t. E s  besteht daher aber die große G e­ und den Rest in  einen A usgleichsfonds zu tu n . D e r 
fahr, daß, w enn w ir  von 100 %  au f 110 %  h in ­ H err K äm m erer ha t d a m a ls  sofort diesem Gedanken 
aufgehen, eine ganze A nzahl unserer reichen E inw oh­ zugestim m t, und so ist dieser A usgleichsfonds en t­
ner es sich dann überlegen w erden, und  daß auch standen. Ic h  b in  selbstverständlich im m er geneigt,
        
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