Path:
Periodical volume 14. Februar 1912

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1912

60 Sisung com 1 Fcbruar 1912
ja einmal in einen Sammelfonds und außerdem ein­ verband kein Geld kosten wird? Wie alles auf der 
mal richtig tilgen müssen, hinzutritt. Außerdem Welt, wird der Zweckverband Geld, vielleicht sogar 
kommt aber ein Betrag von 10 Millionen  Millionen 
zur Begebung gelangen wird. Ich erinnere daran, (Sehr richtig!)
daß w ir von dieser gesamten Anleihe in diesem Jahre 
neulich durch besonderen Beschluß erst 32y2 Millionen Das sind sehr gewaltige Summen, auf deren 
begeben haben, den zweiten Teil von 10 Millionen Forderung von uns w ir absolut sicher rechnen 
also voraussichtlich im nächsten Jahre begeben werden. können. Aus der anderen Seite haben wir selbst 
So stellt sich, meine Herren, um noch weiter zugehen, verständlich dauernde Einnahmen zu erwarten, und 
das Bild ebenfalls für 1915. W ir können also als ich bin der Meinung, daß man auch ohne Pessimis­
feststehend annehmen, daß w ir von dieser Seite her mus, verrrauensvoll auf die Einnahmen rechnen 
a u ß e r o r d e n t l i c h e  d a u e r n d e  und sicher den kann, die aus der Steuerverwaltung, die aus unseren 
Etat belastende Beträge von rund 800 000, 900000 dH gut fundierten Werken späterhin der Stadtgemeinde 
bis zu einer M illion, vielleicht sogar etwas darüber zufließen werden. Aber das e i n e  ist s i cher ,  
haben werden! daß diese Einnahmen auch in der besten Zeit, auch 
wenn sie noch so hoch gehen, nicht s o hoch sein 
Nun, meine Herren, könnten Sie mir erwidern: können, daß sie diese ganz außerordentlichen Forde­
diese Beträge werden einmal eintreten, es fragt sich rungen der nächsten Jahre ohne weiteres befriedigen 
bloß, wann sie eintreten werden. Da muß ich Sie können. Nach der Befriedigung jener M ittel, die 
auf die zurzeit schwebenden Bauprojekte hinweisen. durch das stetige Wachstum der Verwaltung in allen 
Diese Beträge werden, wie wir Ihnen bei der Aus­ ihren Zweigen —  nehmen Sie, welchen Sie wollen — 
gabe der ersten Rate von 321/ 2 Millionen nach­ erforderlich sind, kommen erst die außerordentlichen 
gewiesen haben, sehr bald kommen; denn in Char­ Bedürfnisse, die ebenfalls ihre Befriedigung ver­
lottenburg besteht auch nach dieser Richtung zurzeit langen. Außerdem kann man, glaube ich, nicht ohne 
ein abnormer Zustand, wie er noch niemals geherrscht weiteres damit rechnen, daß uns die nächsten Jahre 
hat, daß nämlich unsere Bauverwaltung gegenwärtig wirklich die allerbesten, die denkbar besten Einnahmen 
so viele Bauten und so viele Entwürfe in den Fingern geben werden. Ich möchte sogar meinen, daß nach 
hat, daß die genannten M itte l ohne weiteres auf­ dieser Richtung hin der Zukunftshimmel ziemlich 
gebraucht sein werden. Ich erinnere Sie an die trübe Wolken hat.
Rathauserweiterung, an den Opernhausbau, an die Der Grundstücksmarkt hat bisher darnieder­
Leibnizoberrealschule, an verschiedene Kranken­ gelegen: Handel, Gewerbe und Industrie geht es heute 
häuser, das Krankenhaus für Geburtshilfe, insbe­ gut; aber die Kreise, die damit befaßt sind, die 
sondere das Lungenkrankenhaus, das Waldhaus Kapitalistenkreise befinden sich zurzeit in einer 
Charlottenburg, die Häuser für Leichtkranke und ver­ schweren Depression. Es ist, wenn ich sagen soll, an 
schiedene Schulen, außerdem eine Gemeindeschule und den Börsen doch eine Stagnation eingetreten durch 
eine Hilfsschule. Allein diese Bauten, die schon in die Beunruhigungen innerer und äußerer politischer 
Angriff genommen sind, erfordern Beträge von ins­ Art. Wenn w ir hoffen wollen, daß diese Zeiten wieder 
gesamt rund 18 Millionen. Außerdem sind zum Teil vorübergehen, so soll man sie doch nicht so ohne 
von Ihnen beschlossen im ersten Entwurf, zum Teil weiteres in den Wind schlagen und kurzerhand darüber 
schon in der Bearbeitung weitere Bauten in Höhe 
von 12%  Millionen. Das sind die Krankenpavillons, hinweg gehen.
die Sophie-Charlotte-Schule, die höhere Mädchen­ Wie liegen dann die Verhältnisse im Bauwesen? 
schule IV , eine Realschule, verschiedene Einrichtungen Dafür gibt es absolut feststehendes statistisches M a­
in Westend, die Mädchenschule usw. Das Geld wird terial. Wenn es Vermutungen sind, die ich bezüglich 
also so schnell verbraucht sein, daß absolut sicher die der wirtschaftlichen Konjunktur ausgesprochen habe, 
Beträge, die ich Ihnen vorhin nannte, in nächsten so kann man m ir einwenden: ebenso gut, wie du 
Jahren bei der Schuldenverwaltung erforderlich sagen kannst: es geht nach unten, ebenso gut kann ich 
werden! dir erwidern: es geht nach oben;
Weiter, wenn diese M itte l aufgebraucht sind und 
die Gebäude fertig dastehen, dann ist damit nicht (Sehr richtig!)
etwa das Ende der Ausgaben erreicht, nein, dann 
sangen zum Teil die Ausgaben für den Betrieb erst das weiß kein Mensch. Aber, meine Herren, bezüglich 
an. Denn alle diese Anstalten werden selbstverständ­ des Baumarkts können S ir  m ir das nicht erwidern; 
lich nachher in erweitertem Umfange betrieben. Ich denn dafür liegt eine Statistik vor. Ich möchte Sie 
erinnere an die Krankenhäuser, die vorher vielleicht zunächst daran erinnern, daß in diesem Jahre nur 
provisorisch, verkleinert untergebracht sind, die in 139 Neubauten hergestellt worden sind gegenüber 
einem derartigen großen Hause selbstverständlich 283 im Vorjahre, das heißt im ganzen bewohnbare 
wesentlich höhere Kosten erfordern. Ich erinnere Zimmer in diesem Jahre nur 8864 gegen 19 628. 
Sie an das Rathaus, an die Leibnizoberrealschule. Diese Zahlen sprechen! Also noch nicht einmal die 
Also für den Betrieb dieser Anstalten, die uns ja nicht, Hälfte von Wohnungen ist hergestellt worden. Selbst­
wie die gewerblichen Institute, wie unser Gas-, unser verständlich ist das für den Hausbesitzer sehr ange­
Elektrizitäts- und Wasserwerk, wieder Erträge nehm. Das zeigt sich ebenfalls in der Statistik. 
bringen, werden ebenfalls weitere Hunderttausende Während w ir im Jahre 1910 6,59 % aller Wohnun­
von M itteln zur Verfügung stehen müssen! gen leer gehabt haben, im Jahre 1909 6,25 %, ist 
Dann möchte ich kurz für das nächste Jahr noch nach der neuesten Statistik im Dezember 1911 nur 
an den Zweckverband erinnern. W ir haben in diesem ein Betrag von 3,81 % leerer Wohnungen in Char- 
Jahre als erste Kosten, lediglich Bureaukosten oder bttenburg vorhanden gewesen.
sonstige Kosten, 10 000 M  eingestellt. Meine 
Herren, Sie glauben doch wohl nicht, daß dieser Zweck­ (Hört! hört!)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.